Im Festzelt an der Ladestraße in Rietschen bleibt so manchem Preisträger die Spucke weg. Anderen rollt auch schon einmal eine Träne über die Wange. Was wohl alle eint, die für ihr ehrenamtliches Engagement vom CDU-Kreisverband Görlitz und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ausgezeichnet wurden, so richtig gern stehen sie nicht im Mittelpunkt.
„Wir haben erst gedacht, es wird eine kleine Runde“, erzählt Tillmann Havenstein, der sich im Rietschener Rat sowie im Kreistag für die CDU engagiert. Allerdings haben insgesamt 56 Vereine, Initiativen und Institutionen Ehrenamtler aus ihren Reihen vorgeschlagen, die für eine Ehrung für ihr jahrelanges, gesellschaftliches Engagement vorgeschlagen wurden. „Es war wirklich ganz schwer, aus den vielen Vorschlägen den Preisträger auszuwählen“, deutet Havenstein an, „aber die Jury hat sich beim ersten Lausitz-Preis für zwei Personen entschieden: Katja Franke und Silko Hoffmann.

Seltene Krankheiten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt

Beide setzen sichein, seltene Erkrankungen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Dabei sorgt die Aktion „Aktiv für seltene Erkrankungen“ für mehr Verständnis, gibt Betroffenen ein Gesicht. „Silko Hoffmann ist persönlich betroffen und setzt sich dennoch selbstlos für andere ein“, begründet Tillmann Havenstein die Preisverleihung. Katja Franke kämpfe seit Jahren für ihre Zwillingsmädels, welche an einer unheilbaren, seltenen Erkrankung leiden. „Die Jury ist der Meinung, Katja Franke aus Hainewalde und Silko Hoffmann aus Weißwasser haben sich mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz den ersten Lausitz-Preis mehr als verdient“, so Tillmann Havenstein.
Noch am nächsten Tag ist Silko Hoffmann, Vorsitender vom Verein Herzenswünsche Oberlausitz , sprachlos: „Nie hätte ich gedacht, dass wir, gemeinsam mit der Initiatorin Katja Franke, für die Aktion ‚Aktiv für seltene Erkrankungen‘ ausgezeichnet werden. Ich möchte mich daher bei meinen Vereinsmitgliedern bedanken. Ohne sie wären solche Projekte nicht möglich. Ich bin stolz auf jeden Einzelnen, und jedem von uns gehört ein Stück dieses Preises. Ich möchte mich auch bei meiner Freundin bedanken, die mir immer den Rücken stärkt. Nur durch euch alle kann ich diesen Traum leben“, beschreibt Silko Hoffmann seine Gefühlslage.

Ehrenamt rettet Menschenleben

Wie schwer es für die Jury gewesen ist, einen Preisträger auszusuchen, zeigen die verschiedenen Personen, die abwechselnd auf der Bühne stehen und Dank für ihr Engagement von der Politik erhalten. Da ist zum Beispiel der Katastrophenschutzzug vom DRK-Kreisverband Weißwasser, der auf vielfältige Weise Einsatz zeigt – beim Mega-Stau auf der A4, beim Brand am Volkshaus in Weißwasser oder nahezu bei jedem Heimspiel der Lausitzer Füchse.
Da ist die Feuerwehr Weißwasser, die mit Ronny Förster und Stefan Knaack Kameraden in ihren Reihen hat, die sich um die Jugendwehr kümmern. Klar, die Feuerwehr Rohne hat Marco Jainsch, der „ein überdurchschnittliches Engagement im aktiven Dienst zeigt“, so Tillmann Havenstein. Nancy Gärtig und Jens Mäkelburg von der Trebendorfer Wehr, die sich dort im Nachwuchsbereich engagieren.

Dorfleben wird durch Ehrenamt bereichert

Aber auch in Dörfern gibt es Menschen, die sich für ihren Nächsten einsetzen. Beispielhaft dafür steht Sieglinde Berlin aus Klitten, die seit über 30 Jahren Bürger in ihrer Gemeinde betreut. „Sie organisiert und realisiert Veranstaltungen wie Frauentags-Kaffee, Weihnachtsfeiern, Tagesausfahrten, Hilfen im Alltag, Krankenbesuche und vieles mehr“, berichtete Annemarie Bahlo, die sie für eine Nominierung vorgeschlagen hat.
In Reichwalde haben mit Ausbruch der Corona-Pandemie Juliane Herzig und Claudia Wenke bis zu Ostern 2022 zu mehr als 800 Singveranstaltungen geladen. „Abend für Abend, an zwei Stellen im Dorf, mal mit, mal mit weniger Menschen, haben sie sich getroffen, um mit Abstand an der frischen Luft gemeinsam zu singen“, führt Tillmann Havenstein aus. Gerade vor Fenstern älterer, pflegebedürftiger Menschen sei die Aktion mit großer Anteilnahme angenommen worden.
In Weißwasser setzen sich Silke Krahl und Jana Klose seit vielen Jahren im Spielmobil dafür ein, Kindern ein besonderes Ereignis zu schaffen. „Sie versuchen, auch das Wir-Gefühl zu stärken, Grundformen des Lernens, der Teamfähigkeit und der Toleranz zu födern“, heißt es in der Begründung der Nominierung. Ausgezeichnet wurde auch Robert Seidel, der die Selbsthilfegruppe „Mobbing“ in Weißwasser leitet, Gründer einer „Anime-Comunity“ ist und eine Sportgruppe mit behinderten Kindern betreut.

Tradition wird durch das Ehrenamt am Leben gehalten

In der Kategorie „Brauchtum und Kultur“ haben der Rohner Ortsvorsteher Matthias Jainsch und Schleifes Bürgermeister Jörg Funda (beide CDU) Manfred Nickel für eine Nominierung für den Lausitz-Preis vorgeschlagen, denn „der Vorsitzende des Njepila-Vereins ist nicht nur Gründungsmitglied, sondern hat den sorbischen Bauernhof vor dem Verfall gerettet“. Christin Kröcher findet, dass der Reichwalder Dorfclub-Chef Frank Müller ausgezeichnet werden müsste. „Er kümmert sich um das wunderschöne Freibad, ist unermüdlich im Einsatz für das Dorf und ist Macher bei ‚Unser Dorf hat Zukunft‘“. Ebenfalls bereichert der Verein Perspektiven Boxberg oder der Heimatverein Uhyst – dort im Speziellen Johanna Gruner – das Leben in der Großgemeinde Boxberg.
Die Liste lässt sich mit vielen Personen fortsetzen, die im Kreis Görlitz im Ehrenamt so viel erreicht haben: Regina Barufke aus Bad Muskau etwa arbeitet mit dem „Freundeskreis Historiker“ die Geschichte von Stadt und Park auf. Simone Schmidt aus Rietschen hält mit dem Verein „Kino-Café Rietschen“ nicht nur die Kino-Kultur in Rietschen hoch, sondern der Verein bietet einen Treffpunkt für Jung und Alt. Petra Kanter aus Daubitz „ist die gute Seele des Heimatvereins“, kümmert sich um die Finanzen und hilft beim Waffelbacken zum Country-Fest in Walddorf.
„Es ist schon ein tolles Bild, wenn man so viele Menschen sieht, die sich in unserer Heimat ehrenamtlich engagieren. Es sind so viele, die man kennt, mit den man Geschichten erzählen kann“, sagt Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer. Und das in einer Zeit, „die alles andere als einfach ist“, fügt er an. Eigentlich habe er Corona hinter sich lassen wollen, sich dem Strukturwandel widmen, aber es bleibe eine herausfordernde Zeit – die weiterhin Ehrenamt benötigt.