Völlig erschöpft sind die Mitglieder des DRK Katastrophenschutz am Mittwochmittag wieder in Weißwasser angekommen. „Um 16.50 Uhr ist am Dienstag der Alarm losgegangen“, berichtet Kreisbereitschaftsleiter Jan Bauer vom DRK, „es geht um die Versorgung der Menschen, die auf der A 4 im Stau gestanden haben.“ Die Katastrophenschützer haben in Weißwasser rund 200 Essen für den Ernstfall vorrätig. „Unser Auftrag lautete gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen, mehr als 4000 Menschen mit Essen zu versorgen“, so Bauer.

Hamsterkäufe behindern den A4-Katastrophenschutz

Folglich mussten auch die Weißwasseraner zunächst einkaufen gehen. Dabei brauchten sie Zutaten für die schnelle Fertigung von Mahlzeiten. „Wir sind dem Kaufland in Weißwasser sehr dankbar, weil sie uns schnell uns unkompliziert in ihr Lager gelassen haben“, berichtet der Katastrophenschützer. Allerdings konnte auch der große Einkaufsmarkt nicht vollumfänglich alles Notwendige zur Verfügung stellen, weil bereits getätigte Hamsterkäufe zu Engpässen geführt haben. Erst tags darauf sind die Lagerbestände wieder aufgefüllt worden.

Im Laufe der Woche haben mehrere Politiker – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) oder auch Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) betont: „Die Versorgung der Menschen in Sachsen mit Lebensmitteln ist sicher. Hamsterkäufe sind unnötig. Die Lieferketten funktionieren, der Nachschub kommt im Einzelhandel an.“ Das DRK weist in diesem Zusammenhang darauf hin, was Hamsterkäufe nämlich für Folgen haben und möchte sich deshalb ausdrücklich bedanken: „Ohne die Mithilfe des Kauflandes und von Herrn Kittan wären wir nicht so schnell am Einsatzort gewesen“, unterstreicht Jan Bauer.

In Görlitz hatte der Landkreis einen zentralen Sammelpunkt für alle Einheiten eingerichtet. „Dort haben wir weitere Instruktionen erhalten und sind dann zu unserem Einsatzgebiet, der B 6 gefahren“, erzählt Jan Bauer. Mit 15 Ehrenamtlern sind Weißwasseraner vor Ort, hatten für Nahrungsmittel für rund 400 Menschen dabei. Und die Lage sei katastrophal gewesen, wie Augenzeuge und Helfer berichten.

Stau neben A4 auch auf der Bundesstraße

Vom Gewerbegebiet in Görlitz bis in die Innenstadt nach Löbau hatte sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch der Verkehr neben der A 4 auf der Bundesstraße angestaut. Nach dem Aufbau der Feldküche mit dem nigelnagelneuen Gerätewagen des Weißwasseraner Einsatzzuges wurde mit der Versorgung begonnen. „Etwa 99 Prozent der Versorgten in den Autos und Kleintransportern waren polnische Staatsbürger“, berichtet Jan Bauer.

Erschrocken sei er über manche Erlebnisse, die die Helfer in jener Nacht hatten: „Manche haben gedacht, es gab einen Unfall und deshalb ist es zu dem Stau gekommen“, sagt der DRK-Kreisbereitschaftsleiter. Einigen sei nicht klar gewesen, dass die Grenzschließung und die Kontrollen von der polnischen Regierung ausgegangen waren. Die hat inzwischen weitere Grenzübergänge geöffnet. „Wir haben Obst, heiße Getränke wie Kaffee oder Tee an die Menschen verteilt, die sehr dankbar dafür waren“, erzählt Jan Bauer im Namen seiner freiwilligen Helfer. Kai Kranich vom DRK Sachsen hat insgesamt von einer „humanitär bedenklichen Situation“ gesprochen.

In der Nacht ist Temperatur auf vier Grad gesunken. Noch immer hatten Familien mit Kindern im Stau gestanden. „Wir haben sie über die Rettungsgasse bis zur Grenze in Absprache mit den Polizeibehörden gebracht“, berichtet der Görlitzer Kreisbrandmeister Björn Mierisch. Die Rettungsgassen werden darüber hinaus noch immer auch für die Versorgung genutzt.

Bundeswehr soll Versorgung für A4-Stau übernehmen

Seit Mittwoch ist auch die Bundeswehr an der A 4 im Einsatz. „Bislang sichert sie den Transport der Lebensmittel“, sagt der Kreisbrandmeister. Ziel aber soll es sein, dass die Bundeswehr die komplette Versorgung der im Stau stehenden Menschen übernehmen soll. „Es ist vorgesehen, dass auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zentral die Mahlzeiten zubereitet und von dort aus zum Stau gebracht werden“, so Björn Miersch.

Der Stau zwischen Dresden und Görlitz, der sich seit Montag gebildet hat, ist nach Polizeiangaben seit Donnerstag auf etwa 24 Kilometer reduziert worden. Die Polizei muss immer wieder dafür sorgen, dass die Rettungsgasse frei bleibt. Aufgrund des zu erwartenden Rückreiseverkehrs zum Wochenende rechnet die Polizei erneut mit einem hohen Verkehrsaufkommen. Am Freitagmorgen hat sich der Stau weitestgehend aufgelöst, informiert die Polizei.

Gute Zusammenarbeit zwischen allen

„Wir müssen im Nachhinein sagen: Der Landkreis war omnipräsent und hat alles gut organisiert“, blickt Jan Bauer zurück. Alle Hilfsorganisationen hätten sehr gut zusammengearbeitet und „die Nationalität hat überhaupt keine Rolle gespielt“, so der Weißwasseraner. Alle Mitglieder vom DRK sind froh, dass sie helfen konnten. „Der Katastrophenschutz ist eine wichtige Säule“, betont Maik Warich, DRK-Vorstand in Weißwasser.

Jan Bauer freut sich zudem über die vielen Danksagungen in den Sozialen Netzwerken. „Wir freuen uns darüber, aber vielleicht denkt der eine oder andere auch daran, was er selbst tun kann, um anderen zu helfen.“