Lange haben sich Bund und Länder zusammengerauft im Kampf gegen das Coronavirus. Doch zuletzt klappte es nicht mehr mit der gemeinsamen Linie. Das Kabinett hat deshalb am Dienstag Ergänzungen des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, die der Bundesregierung vorübergehend mehr Durchgriffsrechte verschaffen. Der Bundestag muss zustimmen, auch der Bundesrat kommt noch zum Zug. Wie kommen Friseure in Brandenburg bei der aktuellen Änderung des Infektionsschutzgesetzes und der Notbremse im Bundes-Lockdown weg?

Friseure in Brandenburg dürfen weiter öffnen - mit Maske und Testpflicht

Die Bundes-Notbremse sieht vor: Wenn die 7-Tage-Inzidenz (Ansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner) an drei aufeinander folgenden Tagen die Schwelle von 100 überschreitet, so sollen dort ab dem übernächsten Tag schärfere Maßnahmen gelten. Diese sollen so lange in Kraft bleiben bis die 7-Tage-Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Tagen die Schwelle von 100 unterschreitet - dann treten die Extra-Auflagen am übernächsten Tag wieder außer Kraft.
Aufatmen können trotz der Änderungen unter anderem die Friseure in Brandenburg. Trotz Notbremse und erneuten Schließungen dürfen die Salons weiter geöffnet bleiben. In den geplanten Gesetzesänderungen sind Dienstleistungen mit körperlicher Nähe zum Kunden zwar untersagt. Ausgenommen sind aber Dienstleistungen, „die medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken dienen sowie Friseurbetriebe“. Dabei müssen in der Regel FFP2-Masken oder Masken mit gleicher Schutzwirkung getragen werden. Wer zum Friseur will, muss ein höchstens 24 Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen.

Friseure dürfen öffnen: Salons in Brandenburg bislang noch ohne Testpflicht

Bislang durften Friseurbetriebe in Brandenburg zwar unter strengen Hygieneauflagen schon öffnen - aber noch ohne Testpflicht. Dagegen gilt schon seit 1. April in Sachsen eine Testpflicht. Zu den Auflagen gehören unter anderem die Steuerung und Beschränkung des Zutritts, verpflichtendes Tragen einer medizinischen Maske durch alle Kunden sowie das verpflichtende Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung durch alle weiteren Personen, Erfassen von Personendaten der Kunden und regelmäßiger Austausch der Raumluft durch Frischluf.
"Körpernahe Dienstleistungen", also Kosmetik- und Nagelstudios, Massagepraxen, Tattoostudios, Sonnenstudios und ähnliche Betriebe können ebenfalls unter Auflagen ihre Dienste anbieten. Sofern keine Maske getragen werden kann, müssen Kundinnen und Kunden einen tagesaktuellen bestätigten negativen Corona-Schnelltest vorweisen oder vor Ort einen Selbsttest machen.

Forscher halten Ansteckungsrisiko beim Friseur für sehr niedrig

Forscher der Technischen Universität Berlin hatten im Februar Berechnungen zum Ansteckungsrisiko für verschiedene Innenraum-Szenarien veröffentlicht. Unter den dabei gesetzten Voraussetzungen ist das Risiko beim Friseur, in wenig ausgelasteten Museen, Theatern und Kinos, aber auch in Supermärkten demnach vergleichsweise gering. Deutlich höher sei es in Fitnessstudios und vor allem in Oberschulen und Mehrpersonenbüros, errechnete das Team um Studienleiter Martin Kriegel.

Brandenburg unterstützt Pläne für bundesweite Corona-Regeln

Die mögliche Änderung des Infektionsschutzgesetzes wurde vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht. In Brandenburg werden große Teile der geplanten Notbremse schon umgesetzt. Deswegen unterstützt Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) grundsätzlich auch die Vorschläge. Bis mindestens zum 18.04.2021 gelten aber noch die aktuellen Corona-Regeln.
Unterdessen wurden am Mittwoch neue Zahlen zur Entwicklung der Corona-Pandemie in Brandenburg veröffentlicht: Demnach ist die Zahl der Sterbefälle in Brandenburg im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der zweiten Corona-Welle deutlich gestiegen. Wegen der hohen Infektionszahlen vom Herbst bis in den Februar hinein seien viele Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen gestorben, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, auf Anfrage. Bis Ende Dezember wurden aus den Pflegeheimen seinen Angaben zufolge insgesamt 398 Sterbefälle im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung gemeldet (Stand 18.12.2020), Mitte April waren es dann insgesamt 1528 (Stand 14.4. 2021) Sterbefälle.
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