Zittauer Gebirge
: Wo sich in der Lausitz ein echter Alpenpfad versteckt

Eine Reise in die Alpen ist nicht notwendig, um auf einem Alpenpfad zu kraxeln. Ein Ausflug ins Zittauer Gebirge reicht. Ein Augen-, Ohren- und Nasenschmaus.
Von
Torsten Richter-Zippack
Jonsdorf
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Fast wie im Märchen: Wenn der Böhmische Wind den Nebel in die Täler des Zittauer Gebirges weht, ragen bisweilen die höchsten Erhebungen heraus. Hier reicht der Blick vom Carolafelsen hinüber zur Lausche.

Fast wie im Märchen: Wenn der Böhmische Wind den Nebel in die Täler des Zittauer Gebirges weht, ragen bisweilen die höchsten Erhebungen heraus. Hier reicht der Blick vom Carolafelsen hinüber zur Lausche.

Torsten Richter-Zippack
  • Der Lausitzer Alpenpfad im Zittauer Gebirge bietet alpine Wanderungen ohne lange Anreise.
  • Der Pfad führt durch die Jonsdorfer Felsenstadt, ideal für Naturliebhaber und Abenteurer.
  • Sehenswürdigkeiten: Schwarzwasserquelle, Sandstein-Orgeln, das "Schwarze Loch" und der Nonnenfelsen.
  • Anreise: Mit Bahn oder Auto; Parken am Gondelteich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Alpen gibt es in der Lausitz mehrere. Zumindest Landstriche, welche diesen Namen ihr Eigen nennen. Bei Lauchhammer etwa befinden sich die Kostebrauer Alpen, ein Aussichtshügel aus Menschenhand im ehemaligen Tagebau Klettwitz. Bald, so kündigt Bergbausanierer LMBV an, solle dieses Kleinod wieder freigegeben werden. Dann existieren noch Reste der Merzdorfer Alpen. Die Sanddünen, welche der Tagebau Cottbus-Nord und der Bau der Ortsumfahrung übriggelassen haben, sind heute fast direkt am Cottbuser Ostsee zu finden.

Doch einen echten Alpenpfad suchen Wanderer und Naturfreunde hier wie dort vergebens. In den richtigen Alpen, also in Europas höchstem Gebirge, gibt es freilich tausende solcher verschwiegenen Pfade, Wege und Wechsel. Wer nicht die mindestens rund 600 Kilometer lange Reise in Kauf nehmen will, dennoch aber einen alpinen Weg begehen möchte, hat dazu tatsächlich auch in der Lausitz dazu die Möglichkeit. Ein Ausflug in den südlichsten Teil des Landkreises Görlitz reicht völlig aus.

Wo der Lausitzer Alpenpfad zu finden ist

Genauer gesagt, im Zittauer Gebirge, schlängelt sich wirklich ein echter Alpenpfad durchs Gebirge. Natürlich müssen Wanderer dazu nicht tausende Meter aufsteigen, und Kletterausrüstung wird auch nicht zwingend benötigt. Stattdessen aber Liebe zur Natur, Kondition und Muße. Der Alpenpfad erstreckt sich über eine Distanz von mehreren 100 Metern innerhalb der Jonsdorfer Felsenstadt. Zu erreichen ist dieses nicht immer lückenlos ausgeschilderte Kleinod am besten über den großen Parkplatz am Gondelteich unterhalb des Nonnenfelsens im Kurort Jonsdorf.

Vom Parkplatz, an dem sich auch eine Bushaltestelle befindet, führt ein schmaler Weg zunächst zur Schwarzwasserquelle und dann steil bergan. Anschließend geht es über schmale Treppen weiter hinauf. Jetzt im Winter sollten Wanderer auf jeden Fall mehr Zeit einplanen, da Auf- und Abstiege häufig spiegelglatt sind. So muss man sich an den, soweit vorhandenen, Geländern gut festhalten.

Der wohl einzige Alpenpfad in der Lausitz: Dieser erschließt bei Jonsdorf auf abenteuerliche Weise die Mühlsteinbrüche. Bei Schnee und Eis ist die Begehung durchaus anspruchsvoll.

Der wohl einzige Alpenpfad in der Lausitz: Dieser erschließt bei Jonsdorf auf abenteuerliche Weise die Mühlsteinbrüche. Bei Schnee und Eis ist die Begehung durchaus anspruchsvoll.

Torsten Richter-Zippack

Der Alpenpfad führt immer weiter bergauf. Wunderbare Aussichten bieten sich über das Felsen- und Waldmeer. In der Ferne grüßt die markante Lausche mit ihrem turmbekrönten kegelförmigen Gipfel herüber. Sie ist mit knapp 800 Metern der höchste Berg des Lausitzer und damit auch des Zittauer Gebirges. Dann führt der Weg über Stufen wieder hinab. Doch zu Ende ist das Landschaftsspektakel noch lange nicht.

Von den Sandstein-Orgeln ins Schwarze Loch

Da warten beispielsweise die Große und die Kleine Orgel. Dabei handelt es sich um ein kleines Wunder der Natur. Denn die, ähnlich Orgelpfeifen, gestalteten, senkrecht formierten Sandsteinformationen gelten unter Geologen als höchst ungewöhnlich. Vor grauer Vorzeit sollen diese Erscheinungen durch thermische Prozesse in Verbindung mit Magma entstanden sein. Unmittelbar neben den Orgelpfeifen lädt ein Aussichtspunkt ein, der einen Blick über Jonsdorf gestattet. Übrigens: Wenn der Wind besonders kräftig weht, scheint die bewegte Luft die Sandsteinsäulen zum „Singen“ zu bringen. Es hört sich jedenfalls recht eigenartig an.

Ein sehr markanter Felsen im Zittauer Gebirge ist der düster und unheimlich wirkende Falkenstein unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze. Früher führten Treppen hinauf, heute ist der Gipfel Bergsteigern vorbehalten.

Ein sehr markanter Felsen im Zittauer Gebirge ist der düster und unheimlich wirkende Falkenstein unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze. Früher führten Treppen hinauf, heute ist der Gipfel Bergsteigern vorbehalten.

Torsten Richter-Zippack

Von den steinernen Orgelpfeifen ist es nur noch ein Katzensprung zu den Mühlsteinbrüchen innerhalb der Jonsdorfer Felsenstadt. Den Höhepunkt bildet der alte Steinbruch mit der Bezeichnung „Schwarzes Loch“. Dort gibt es sogar ein Schaubergwerk, das nach Voranmeldung besichtigt werden kann. Der obere Zugang ist derzeit jedoch wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Bereits vor 465 Jahren begann der Abbau des Sandsteins in Jonsdorf. Hergestellt wurden vor allem Mühlräder. Heute wird dort kein Gestein mehr gewonnen.

Wo Schnaps als „Medizin“ ausgereicht wurde

Eine besondere Attraktion kann indes mit der Nase erschlossen werden. Und zwar der Standort des früheren Schnapslagers. Die Arbeiter im Steinbruch, so ist auf einer Schautafel zu erfahren, erhielten einst wegen ihrer gesundheitsgefährdenden Tätigkeit Schnaps als „Medizin“ ausgereicht. Heute finden sich dort dutzende kleine und größere Flaschen, die einst Hochprozentiges zum Inhalt hatten. Durch Wanderer werden diese nach Leerung im Schnapslager zurückgelassen. So riecht es dort bisweilen auch.

Blick auf den höchsten Aussichtspunkt des Nonnenfelsens. Dieser ist in knapp 20 Minuten vom großen Parkplatz an der Jonsdorfer Gondelfahrt erreichbar.

Blick auf den höchsten Aussichtspunkt des Nonnenfelsens. Dieser ist in knapp 20 Minuten vom großen Parkplatz an der Jonsdorfer Gondelfahrt erreichbar.

Torsten Richter-Zippack

Der Carolafelsen, ebenfalls nicht weit entfernt, ist ebenfalls einen Besuch wert. Benannt ist die 569 Meter hohe Erhebung nach Carola von Wasa-Holstein-Gottorp (1833-1907), der letzten sächsischen Königin. Auch von dort bietet sich ein reizvoller Ausblick auf Jonsdorf und die umliegenden Berge beziehungsweise Felsen.

Zurück am Parkplatz neben dem Gondelteich sollten Wanderer sich einen Abstecher auf den nur rund 20 Minuten entfernten Nonnenfelsen keineswegs entgehen lassen. Nicht nur deswegen, weil auf dem Gipfel eine Gastwirtschaft und weitere Aussichtspunkte locken. Ebenso bemerkenswert ist das gewaltige Krokodil auf einer Höhe von 513 Metern über dem Meer. Natürlich kein lebendiges Tier, sondern ein ähnlich aussehendes Felsgebilde. Darüber hinaus gibt es im Zittauer Gebirge noch eine ganze Anzahl weiterer versteinerter Tiere, beispielsweise ein Löwe und ein Nashorn. Selbst eine Brütende Henne fehlt nicht.

Zum Nonnenfelsen hinauf geht es von der Gondelfahrt in der Regel über den Schwarzen Gang (Felsengasse) mit seinen markanten Eisenerzplatten.

Zum Nonnenfelsen hinauf geht es von der Gondelfahrt in der Regel über den Schwarzen Gang (Felsengasse) mit seinen markanten Eisenerzplatten.

Torsten Richter-Zippack

So fährt man am besten aus der Region Weißwasser nach Jonsdorf

Am bequemsten gestaltet sich die Reise ins Zittauer Gebirge mit der Bahn. Von Schleife, Weißwasser und Rietschen fährt die Odeg stündlich über Görlitz nach Zittau. Ab dem Zittauer Bahnhof verkehren Busse nach Jonsdorf bis zur dortigen Haltestelle am Gondelteich. Alternativ kann man auch die Schmalspurbahn nach Jonsdorf nehmen. Dort wird trotz Deutschland-Ticket oder Zvon-Tagesticket ein einmaliger Historik-Zuschlag verlangt. Mit dem Auto ist das Zittauer Gebirge über die B115 bis Görlitz und weiter auf der B99 nach Zittau in knapp zwei Stunden erreicht. Im Gebirge selbst gibt es ein engmaschiges Leitsystem zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.