Berg in Sachsen
: Die Oberlausitz hat ihr Matterhorn – warum sich die Besteigung lohnt

Im Landkreis Görlitz (Sachsen) gibt es zahlreiche Berge mit bester Aussicht. Auch das Matterhorn fehlt nicht. Um es zu erklimmen, muss man keineswegs ein Felsenkletterer sein.
Von
Torsten Richter-Zippack
Oybin
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Über steile Leitern geht es hinauf zum Oberlausitzer Matterhorn. Die Mühe lohnt sich, die Fernsicht ist beeindruckend.

Über steile Leitern geht es hinauf zum Oberlausitzer Matterhorn. Die Mühe lohnt sich, die Fernsicht ist beeindruckend.

Torsten Richter-Zippack
  • Das Oberlausitzer Matterhorn (Scharfenstein) im Zittauer Gebirge ist ein markanter 569,6 Meter hoher Felsen.
  • Der Aufstieg erfordert keine spezielle Ausrüstung, nur gute Wanderschuhe und Verpflegung.
  • Der Gipfel bietet beeindruckende Fernsicht, z.B. auf den Oybiner Talkessel und die Lausche.
  • Der Scharfenstein ist über 116 steinerne und metallene Stufen erreichbar.
  • Anreise aus Weißwasser per Bahn, Bus oder Schmalspurbahn nach Oybin möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ist vom Matterhorn die Rede, baut sich im Kopf sofort das Bild eines der bekanntesten Berge der Welt auf. Dieser befindet sich auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien und bringt es auf eine Höhe von stolzen 4478 Metern über dem Meer. Erst vor knapp 160 Jahren gelang die Erstbesteigung des formschönen Alpengipfels. Bis heute benötigen Bergsteiger am Matterhorn eine Menge Erfahrung, Kondition und technisches Können. Längst nicht jeden Versuch krönt der Gipfeltriumph. Jahr für Jahr gibt es am Berg zwischen acht und zehn Todesfälle.

Wen dennoch das Matterhorn-Fieber gepackt hat, muss deswegen längst nicht in die Westalpen reisen. Ein Ausflug im Landkreis Görlitz reicht völlig aus. Denn ganz im Süden, konkret im Zittauer Gebirge, erhebt sich ein markanter Felsen, der im Volksmund als Oberlausitzer Matterhorn bezeichnet wird. Dieses ist rund 3909 Meter niedriger als das Original bei Zermatt. Trotz der 569,6 Meter über dem Meer wirkt der Gipfel wuchtig.

Wie das Oberlausitzer Matterhorn wirklich heißt

Doch der Reihe nach: Auf den wenigsten Wanderkarten des Zittauer Gebirges ist der Name „Oberlausitzer Matterhorn“ eingetragen. Kein Wunder, heißt der Berg offiziell anders. Nämlich Scharfenstein. Er befindet sich östlich des Kurortes Oybin. Wer am zentralen Parkplatz nahe des Oybiner Bahnhofs etwa nach Ost-Süd-Ost schaut, erblickt über den Bäumen der Kammlagen einen markanten Felsen herausragen. Das ist der Scharfenstein beziehungsweise das Oberlausitzer Matterhorn.

Die Aussicht vom Oberlausitzer Matterhorn beziehungsweise Scharfenstein ist beeindruckend. Hier reicht der Blick über den Oybiner Talkessel.

Die Aussicht vom Oberlausitzer Matterhorn beziehungsweise Scharfenstein ist beeindruckend. Hier reicht der Blick über den Oybiner Talkessel.

Torsten Richter-Zippack

Für die Besteigung ist keine Bergsteigerausrüstung vonnöten. Gute Wanderschuhe, passende Kleidung und Verpflegung reichen völlig aus. Über die Töpferstraße geht es zunächst allmählich, später steiler bergan. Hinter den letzten Oybiner Häusern zweigt ein ziemlich steiniger Wanderweg vom Asphalt ab und führt weiter hinauf.

Vom Wald links und rechts des Aufstieges ist in den letzten Jahren nicht mehr viel übriggeblieben. Der Borkenkäfer und weitere Forstschädlinge haben vor allem in den Fichtenbeständen ganze Arbeit geleistet. Eine Tafel weist auf die aktuelle Situation hin. Wanderer brauchen sich aber keineswegs zu gruseln, denn schneller als gedacht wächst an den jetzt fast kahlen Hängen eine neue Waldgeneration heran. Das zeigen bereits die jungen Bäumchen an, keineswegs nur Fichten, sondern ebenso mehrere Laubbaumarten.

Wie viele Stufen zum Gipfel des Berges führen

Nach rund 20 Minuten mitunter schweißtreibenden Anstiegs, der lückenlos ausgeschildert ist, wird der Rastplatz unter dem Scharfenstein-Felsen erreicht. Dort lädt eine überdachte Holzbank zur Rast ein. Darüber hinaus gibt eine Tafel zur Entstehung des turmähnlichen Felsmassivs Auskunft. Stark vereinfacht gesagt, präsentiert sich das Oberlausitzer Matterhorn als herausgeschälter Felsen, der aus einem besonderen Material besteht, während dessen unmittelbare Umgebung aus Quadersandstein im Laufe der Jahrmillionen verwittert ist.

Impression vom Gipfel samt Gipfelkreuz. Dieses ist nach 116 Stufen aus Stein und Eisen erreicht.

Impression vom Gipfel samt Gipfelkreuz. Dieses ist nach 116 Stufen aus Stein und Eisen erreicht.

Torsten Richter-Zippack

Vom Rastplatz ist schnell der eigentliche Aufstieg zum Scharfenstein erreicht. Nun geht es über steinerne und metallene Leitern schnurstracks auf den Gipfel. Insgesamt sind 116 Stufen zu bezwingen. Die Mühe lohnt sich allemal. Denn der Rundumblick beeindruckt. Besonders die ungestörte Sicht in den Oybiner Talkessel fasziniert. Gegenüber liegen Berg und Burg Oybin. In der Ferne zeichnen sich die Lausche und der Hochwald ab, letzterer mit seinem markanten Aussichtsturm.

Wie weit Matterhorn-Bezwinger schauen können

Bei guter Sicht reicht der Blick bis zum 35 Kilometer entfernten Czorneboh zwischen Bautzen und Löbau sowie zur Tafelfichte (Smrk), dem zweithöchsten Berg des Isergebirges. Bei klarster Sicht tritt in der Ferne im Südosten die Kesselkoppe (Kotel) im Riesengebirge ins Bild. Sie ist vom Scharfenstein per Luftlinie immerhin 57 Kilometer entfernt.

Hoch über den Häusern des Kurortes Oybin erhebt sich das Oberlausitzer Matterhorn (Scharfenstein). Die Wanderung dorthin ist zwar relativ kurz, aber durchaus anstrengend.

Hoch über den Häusern des Kurortes Oybin erhebt sich das Oberlausitzer Matterhorn (Scharfenstein). Die Wanderung dorthin ist zwar relativ kurz, aber durchaus anstrengend.

Torsten Richter-Zippack

Zwei Tafeln geben Auskunft über die sichtbaren Ziele in der Nähe und in der Ferne. Darüber hinaus können sich Felsbezwinger ins Gipfelbuch eintragen. Selbst ein Gipfelkreuz fehlt nicht. Dieses wurde im Jahr 1993 von einer Zittauer Firma gebaut. Es ist mit guten Augen auch aus dem Oybiner Tal erkennbar.

Wer nach der Bezwingung des Oberlausitzer Matternhorn noch Zeit und Kondition hat, wandert zum Töpfer weiter. Der rund eine halbe Stunde entfernte, 582 Meter hohe Berg bietet mehrere Attraktionen, insbesondere das über eine Wendeltreppe besteigbare Felsentor. Die Töpferbaude ist aktuell zwar geschlossen, öffnet aber ab 5. Dezember wieder ihre Pforten. Markant sind des Weiteren das Gipfelkreuz mit der Panoramasicht auf Olbersdorf, den Olbersdorfer See und Zittau sowie charakteristische Felsen, beispielsweise die Brütende Henne und die Schildkröte. Vom Töpfer bieten sich mehrere ausgeschilderte Abstiege nach Oybin an.

So kommt man von Weißwasser zum Oberlausitzer Matterhorn

Die Anreise aus dem Norden des Landkreises Görlitz ins Zittauer Gebirge empfiehlt sich mit Bahn und Bus. Vom Bahnhof Weißwasser fährt jede Stunde ein Zug über Görlitz nach Zittau. Direkt am Zittauer Bahnhof verkehren die Busse ins Zittauer Gebirge. Die Übergangszeit Zug-Bus beträgt laut Fahrplan zehn Minuten. Alternativ kann auch mit der Schmalspurbahn nach Oybin gefahren werden. Vom Oybiner Bahnhof beträgt der Fußweg zum Scharfenstein/Oberlausitzer Matterhorn rund 30 Minuten. Wer mit dem Auto anreist, sollte in Oybin den großen, kostenpflichtigen Parkplatz in der Ortsmitte nutzen.