Feuerwehr in Weißwasser
: Sachsen-Cup am Steigerturm in Trebendorf – jede Sekunde entscheidet

Wenn am 1. Juli der Sachsencup in Trebendorf steigt, dann wird Feuerwehrsport vom Feinsten geboten. Für das Dorf ist es mehr als nur ein Event von vielen.
Von
Regina Weiß
Trebendorf
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  • Der Steigerturm, der in Trebendorf aufgebaut worden ist, und ein dreietagiges Haus simuliert, muss mit Hakenkeitern beim Sachsencup bezwungen werden.

    Der Steigerturm, der in Trebendorf aufgebaut worden ist, und ein dreietagiges Haus simuliert, muss mit Hakenkeitern beim Sachsencup bezwungen werden.

    Regina Weiß
  • Toller Ausblick vom Steigerturm in Trebendorf auf den Sportplatz. Allerdings werden die Teilnehmer beim Sachsencup das kaum genießen können.

    Toller Ausblick vom Steigerturm in Trebendorf auf den Sportplatz. Allerdings werden die Teilnehmer beim Sachsencup das kaum genießen können.

    Regina Weiß
  • Bernd Kowalick zeigt die Hakenleiter, die sich nach wie vor in den Beständen der Feuerwehr Trebendorf befindet. Sie wird beim Sachsencup in Trebendorf ein wichtiges Wettkampfutensil sein.

    Bernd Kowalick zeigt die Hakenleiter, die sich nach wie vor in den Beständen der Feuerwehr Trebendorf befindet. Sie wird beim Sachsencup in Trebendorf ein wichtiges Wettkampfutensil sein.

    Regina Weiß
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Der Ausblick übers Dorf ist die Wucht in Tüten. Und der luftige Wind sorgt für ein angenehmes Wohlfühlklima mehr als 15 Meter über dem Haus der Vereine und den Sportplätzen in Trebendorf. Die Frage ist nur, ob die Männer und Frauen das zu schätzen wissen, wenn sie am Samstag,1. Juli, den Steigerturm bezwingen müssen. Um so mehr schätzen es die Trebendorfer Kameraden selbst. „Die Feuerwehr Trebendorf fühlt sich cool“ heißt es deshalb auf der eigenen Facebookseite, wo der gefilmte Rundblick übers Sportgelände und den Dorfkern aus luftiger Höhe geteilt wird.

Tagelang vorher konnten Neugierige das Wachsen des Übungsturms auf seine Höhe, fünf Meter Breite und acht Meter Tiefe bestaunen. Er besteht aus Gerüsten, Metallböden, einer Beplankung und einem Sechs-Tonnen-Gegengewicht, damit alles festhält, um jedem sportlichen Ansturm gewappnet zu sein.

Unterstützung aus Boxberg für Trebendorfer Feuerwehr

Gemeindewehrleiter Bernd Kowalick ist so was von froh, dass sich mit einer am Kraftwerksstandort Boxberg ansässigen Gerüstbaufirma ein kompetenter Partner gefunden hat. „Ich bin des Lobes voll“, so der Gemeindewehrleiter im Gespräch mit der Rundschau.

Am 1. Juli ab 10 Uhr werden alle Zuschauer sehen, was Feuerwehrsport per Exzellenz bedeutet, wenn sich die Männer, Frauen und die Jugend mit der Hakenleiter an jenem Übungsturm nach oben schwingen werden. Das ist auch für die Trebendorfer ein besonderer Moment. Denn im Feuerwehrsport seit Jahrzehnten eine Hausmacht, ist das Hakenleitersteigen das i-Tüpfelchen, aber gehört mangels Übungsturm in Trebendorf nicht zu den Standards. Übrigens, der deutsche Rekord steht bei 13,88 Sekunden. Er wird von Tom Gehlert vom Feuerwehrsportteam Lausitz gehalten.

Der Sportplatz ist extra noch mal gesandet worden, damit alle Wettkampfteilnehmer für den Anlauf optimale Bedingungen haben. Denn über die 33 Meter Laufstrecke wird der nötige Schwung aufgebaut, um mit der Leiter die simulierte Hauswand mit den verschiedenen Fensteröffnungen zu bezwingen. „Früher, als es noch keine Drehleiter gab, mussten die Feuerwehrleute so die Häuser hoch, um Menschen zu retten“, weiß Bernd Kowalick.

Verschiedene Disziplinen stehen beim Sachsencup in Trebendorf an

Beim Feuerwehrsport kommt es nun darauf an, dass es so schnell wie möglich nach oben geht. Wobei die Leiter nicht mal 30 Zentimeter breit ist. Die Zeit wird bei den Männern genommen, wenn alle drei Etagen bewältigt sind. „Es ist reines Adrenalin“, kann sich Bernd Kowalick erinnern, wie es ist, wenn man diesen Wettkampf erfolgreich gemeistert hat.

Doch bis es so weit ist und der Sachsencup mit seinen verschiedenen Disziplinen über die Bühne gehen kann, musste und muss verdammt viel organisiert werden. Die Veranstaltung hat schließlich einen Namen, doch das bedeutet auch jede Menge Anforderungen, die erfüllt werden müssen. Und eine treibt den erfahrenen Feuerwehrmann regelrecht um. Seit November 2022 laufen die Vorbereitungen. Man habe schon viele Events im Feuerwehrsport organisiert, aber keins, was so eng auf Kante genäht war. Soll heißen, die Trebendorfer müssen bis kurz vor Wettkampfstart warten, um zu wissen, wie viele Mannschaften tatsächlich antreten werden. Am 30. Juni ist der Anmeldeschluss über den Deutschen Feuerwehrverband. Eine defekte Internetseite soll Schuld sein, an diesem Termin. Das bedeutet, bei der Versorgung der Teams möglicherweise ein Kunstwerk vollbringen zu müssen.

Wobei die Trebendorfer auch dort gute Gastgeber sein wollen. „Hier gibt es nicht einfach Nudeln mit Tomatensoße“, sagt Kowalick. Mal wolle typische Gerichte anbieten. Nach dem Motto: Pellkartoffeln und Quark machen den Lausitzer Feuerwehrmann stark... Dass dabei das ganze Dorf mitzieht, freut Kowalick ungemein. „Das kann für uns ein Neuanfang werden“, so der gestandene Feuerwehrmann. Soll heißen, nicht Gezeter und Misstrauen sind an der Tagesordnung, sondern gemeinschaftliches Anpacken. Dazu gehört auch, dass der Kindergarten – der sein 60-jähriges Bestehen feiert – sich am Wettkampf-Samtag um die Kinderbetreuung kümmern wird.

Zum Miteinander gehöre aber auch „Vitamin B“. Mit Hartmut Bastisch, dem langjährigen Leiter der Werkfeuerwehr in Schwarze Pumpe und engagierten Vertreter des Brandenburger Landesverbandes verbindet Bernd Kowalick nicht nur die Erlebnisse von so mancher Übungseinheit, sondern eine gute Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Das hilft den Trebendorfern konkret beim Aufbau der 100-Meter-Hindernisbahn. Denn auch die gehört zum Einmaleins des Feuerwehrsports.

Warum Feuerwehrsport

Der Sachsencup, bei dem Teilnehmer außerhalb des Freistaates in einer Gästewertung antreten, startet am 1. Juli ab 10 Uhr auf dem Sportgelände am Haus der Vereine. Die einzelnen Wettkämpfe können parallel starten. Zuschauer sind gern gesehen.

Beim Cup absolvieren die Frauen den 100-Meter-Hindernislauf, die Gruppenstafette, das Hakenleitersteigen und der Löschangriff nass.

Die Männer wetteifern beim Hakenleitersteigen, dem Löschangriff nass und dem Hindernislauf.

Die Jugend geht bei der Gruppenstafette, dem Hindernislauf und dem Hakenleitersteigen an den Start.

Gastgeber Trebendorf geht bei den Männern, Frauen und der Jugend an den Start.

Der Feuerwehrsport ist in Trebendorf seit Jahrzehnten ein Aushängeschild. „Eine gute Motivation für die Kameraden ist das“, weiß Bernd Kowalick. Denn nur allein vom Üben werde das Miteinander in einer Feuerwehr nicht gestärkt. Dass die Trebendorfer so lange durchgehalten haben, macht den Gemeindewehrleiter stolz.