Nach dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist aus Sicht des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald offen, wie lange die Tierseuche Wild- und Hausschweine im Land gefährdet.
Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen im Kampf gegen die Schweinepest im Überblick (Stand: 12. Oktober 2020).

Wo ist die Schweinepest zuerst aufgetreten?

Ein totes infiziertes Wildschwein ist Anfang September in Schenkendöbern (Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg) gefunden worden. Am 10. September stand der Befund Afrikanische Schweinepest amtlich fest.

Wie viele Schweinepest-Fälle gibt es?

Bisher wurde das Virus bei 103 Wildschweinen nachgewiesen (Stand: 28. Oktober), die meisten toten Tiere wurden in der Kernzone südlich von Eisenhüttenstadt (siehe unten) sichergestellt. 13 ASP-infizierte Schweine (Stand 23. Oktober) wurden im Landkreis Spree-Neiße, 83 im Landkreis Oder-Spree und sieben im Landkreis Märkisch-Oderland festgestellt. Die Fälle sind vom nationalen Referenzlabor im bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt worden.
Wildschweine (hier ein Foto aus einem Gehege) übertragen das Virus der Afrikanischen Schweinepest. Seit Anfang September gibt es mehrere Fälle verendeter Wildschweine in Brandenburg. Das Virus gefährdet auch Hausschweine.
Wildschweine (hier ein Foto aus einem Gehege) übertragen das Virus der Afrikanischen Schweinepest. Seit Anfang September gibt es mehrere Fälle verendeter Wildschweine in Brandenburg. Das Virus gefährdet auch Hausschweine.
© Foto: Lino Mirgeler/dpa

Wie kommt die Schweinepest nach Brandenburg?

Wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Brandenburg kam, ist noch ungeklärt. „Es sieht nach einer Westwärts-Ausdehnung des westpolnischen Geschehens aus“, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald.
Das erste Wildschwein sei etwa sieben Kilometer von der polnischen Grenze entfernt gefunden worden. Der Eintrag könne jedoch auch auf andere Weise erfolgt sein. „Ich will im Moment nichts ausschließen“, sagt der Virologe.
Schweinepest in Brandenburg So verbreitet sich die Tierseuche

Cottbus

Es gebe zwischen den Ausbrüchen in Westpolen und der betroffenen Region in Brandenburg Gebiete, in denen bisher keine ASP nachgewiesen worden sei. Es könne jedoch auch sein, dass Kadaver dort nicht gefunden wurden.

Wie wird Schweinepest übertragen?

Während der Erreger in Afrika auch von Lederzecken übertragen wird, erfolgt die Übertragung in Europa über Sekrete von Tier zu Tier, heißt es beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei Greifswald.

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

Während mehr als 90 Prozent der infizierten Schweine sterben, ist laut FLI der Erreger für Menschen ungefährlich.

Wie überdauert das Schweinepest-Virus?

Das Virus kann laut Institutspräsident Thomas Mettenleiter vom FLI über Wochen und Monate überleben. Bei kälteren Temperaturen bleibe der Erreger länger infektiös als bei wärmeren. „Deshalb ist die Kadaversuche so wichtig“, sagt Mettenleiter. Das Virus befinde sich in großen Mengen im Blut infizierter Tiere, sodass Kontakt mit Blut ein hohes Risiko berge.

Wo kann das Virus außer in Tieren festgestellt werden?

Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut bei Greifswald kann das Virus auch in rohem Schweinefleisch, in Rohwürsten und Rohschinken überdauern.

Was müssen Landwirte bei Schweinepest beachten?

Die beste Vorsorge sei es, die Ställe sicher zu machen, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald. Ihm zufolge kann das Virus auch über die Oberflächen kontaminierter Futtermittel, Werkzeuge und Kleidung in Schweineställe eingeschleppt werden.

Wie wird die Kernzone der Schweinepest gesichert?

Die Behörden haben im Südosten Brandenburgs ein Gefahrengebiet ausgewiesen. Dort gilt ein Jagdverbot. Ein Kerngebiet ist nach Bestätigung neuer infizierter Tiere bei Neuzelle (Landkreis Oder-Spree) vergrößert worden. Die Kernzone umfasst Gebiete in Spree-Neiße sowie in Oder-Spree. Um die dortigen Fundort wurde ein Kerngebiet mit einem Drei-Kilometer-Radius eingerichtet und eingezäunt sowie ein gefährdetes Gebiet mit einem Radius von etwa 20 bis 25 Kilometern festgelegt. Eine Pufferzone umschließt das gefährdete Gebiet von Frankfurt (Oder) bis zur sächsischen Grenze.
In Gefahrenzonen dürfen Wald und Landschaft nicht betreten werden. Der Tourismusverband Seenland Oder-Spree informierte über touristische Einschränkungen: So darf der Oder-Neiße-Radweg im Kerngebiet nicht genutzt werden.
Inzwischen ist der Krisenstab „Lokales Tierseuchenbekämpfungszentrum Spree-Neiße“ von Forst nach Groß Gastrose in der Gemeinde Schenkendöbern umgezogen. Der Krisenstab war aufgrund der Afrikanischen Schweinepest gegründet worden. Wie die Kreisverwaltung mitteilt, ist er nun ausschließlich unter folgender Telefonnummer erreichbar: 035692 661361.
„In Groß Gastrose können alle Schlüsselpersonen und Einsatzkräfte näher am Geschehen agieren, sprich näher am Kerngebiet des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in unserer Region“, begründet Landrat Harald Altekrüger (CDU) den Umzug.
Der Krisenstab Lokales Tierseuchenbekämpfungszentrum ist das Herzstück der regionalen Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest im Landkreis Spree-Neiße. Hier werden alle erforderlichen Maßnahmen diskutiert und umgesetzt. Dazu gehört vor allem die Koordination mit den Ämtern und Gemeinden – je nach Bedarf auch mit der Polizei, Kreisverwaltung, der Bundeswehr, Jägern sowie  der Feuerwehr.

Was ist im Schweinepest-gefährdeten Gebiet verboten?

Die Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald im Südosten Brandenburgs haben Vorgaben für Anwohner, Landwirte und Jäger veröffentlicht.
Im Radius von 20 bis 25 Kilometer um den Fundort des ersten infizierten Tiers in Schenkendöbern gilt:
  • vorläufiges Jagdverbot für alle Tierarten
  • vorläufiges Verbot für die Nutzung von Agrar- und Forstflächen
  • verstärkte Suche nach und Anzeigepflicht für verendete Wildschweine
  • Verbot für Verbringen von Schweinen aus diesem Gebiet
  • Absonderung von Hausschweinen (kein Kontakt zu Wildschweinen)
  • Desinfektion an Ein - und Ausgängen der Ställe
Im Kerngebiet mit einem Umfang von 60 Kilometern, das ist eine Fläche von 150 Quadratkilometern, gilt darüber hinaus:
  • Betretungsverbot für Wald und offene Landschaft
Auf zwei Karten zeigt das brandenburgische Verbraucherschutzministerium die Restriktionszone nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im  September 2020. Das Gebiet umfasst Teile der Landkreise Oder-Spree, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße sowie des Stadtgebiets von Cottbus.
Auf zwei Karten zeigt das brandenburgische Verbraucherschutzministerium die Restriktionszone nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im September 2020. Das Gebiet umfasst Teile der Landkreise Oder-Spree, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße sowie des Stadtgebiets von Cottbus.
© Foto: msgiv.brandenburg.de
In der bisher seuchenfreien Pufferzone von 2300 Quadratkilometern gilt:
  • Absonderung von Hausschweinen (kein Kontakt zu Wildschweinen)
  • Schweine dürfen nicht auf öffentlichen Wegen getrieben werden
  • Verbot von Gesellschaftsjagd (Bewegungsjagd), aber nicht Erntejagd.

Wie geht Brandenburg gegen die Schweinepest vor?

Neben Kräften der betroffenen Landkreise sind der Landesforstbetrieb und das Technische Hilfswerk in Brandenburg im Einsatz. Dies schrieb Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) bei Twitter (19. September).
Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Drohnen und geschulte Such- und Bergungsteams würden bei der Suche nach toten Wildschweinen eingesetzt. Einsatzkräfte, die mit der Fallwildsuche beauftragt sind, nutzen GPS-Geräte, um bereits abgesuchte Areale zu erkennen.
Im Landkreis Spree-Neiße soll ab 21. September eine spezielle Hundestaffel aus Schleswig-Holstein bei der Suche nach totem Wild helfen. Nach Aussage von Stefanie Hausser, Hundeausbilderin bei der Segeberger Kreisjägerschaft, sind die Hunde darauf trainiert, verendete Wildschweine aufzuspüren und lebende Schweine anzuzeigen, die eventuell geschossen werden müssen. Ein Hund ersetzt den Angaben zufolge etwa zehn suchende Menschen.
Schweinepest ausgebrochen: Brandenburgs Verbraucherministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis90/Die Grünen) zeigt eine Karte mit dem Fundort (hellgrün) des ersten Wildschwein-Kadavers nahe Guben.
Schweinepest ausgebrochen: Brandenburgs Verbraucherministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis90/Die Grünen) zeigt eine Karte mit dem Fundort (hellgrün) des ersten Wildschwein-Kadavers nahe Guben.
© Foto: Bernd Settnik/dpa
„Die intensive Fallwildsuche ist das Gebot der Stunde“, sagte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Zudem gebe es für alle, die im gefährdeten Gebiet ein totes Wildschwein finden und melden, eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro.

Warum kritisieren Landwirte und Jäger Schutzmaßnahmen?

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Karlheinz Busen fordert wie Bauern- und Jagdverband in Brandenburg einen festen Zaun in der Kernzone. Der Zaun sollte mindestens 1,50 Meter hohe Doppelgitterstäbe haben, die zum Schutz vor Unterwühlen etwa 50 Zentimeter in der Erde verankert sein, heißt es beim Landesbauernverband Brandenburg. Wann ein solcher Zaun gebaut wird, ist noch offen.
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Jäger und Landwirte bemängeln die aus ihrer Sicht „dilettantisch in die Landschaft“ gestellten mobilen Weidezäune, die für Wildschweine leicht zu überwinden seien. An manchen Stellen seien die Zäune nicht unter Strom gesetzt worden. „Wir hätten erwartet, dass wirksame feste Wildschutzzäune bereit stehen“, sagte Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff.
So sieht ein mobiler Wildschutzzaun aus: Das Foto entstand an der L45 zwischen Göhlen und Bomsdorf (nahe Neuzelle, Landkreis Oder-Spree).
So sieht ein mobiler Wildschutzzaun aus: Das Foto entstand an der L45 zwischen Göhlen und Bomsdorf (nahe Neuzelle, Landkreis Oder-Spree).
© Foto: Gerrit Freitag/dpa
„Wir fordern einen gemeinsamen und zentralen Krisenstab, der auch mit Kompetenzen ausgestattet sein muss“, sagt Brandenburgs Landesbauernpräsident (Stand 18. September). Seine Begründung: Derzeit seien die drei Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald zuständig, und deren Kompetenzen endeten jeweils an der Kreisgrenze.
Dirk-Henner Wellersdorf, Präsident des Landesjagdverbands, kritisierte, dass beispielsweise völlig unklar sei, wie Jäger, die bei der Suche nach verendeten Wildschweinen unterwegs seien, Fahrzeuge, Hunde und sich selbst desinfizieren sollen - wie behördlich gefordert.

Wie reagiert Brandenburgs Landesregierung auf die Kritik?

Landes-Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) hat die Kritik von Bauern und Jägern zurückgewiesen. „Nach Bekanntwerden des ersten amtlich festgestellten Verdachts haben das Land und die betroffenen Landkreise sofort und umfassend reagiert“, sagte Nonnemacher.
Die Krisenstrukturen auf Landes- und Kreisebene seien etabliert und zur Bewältigung solcher Tierseuchen geeignet. Das hätten sie zuletzt bei der Geflügelpest 2016/17 bewiesen.
Zur Forderung, zügig einen festen Zaun aufzustellen, sagte Nonnemacher (Stand: 18. ‪September): „Erst wenn wir das genaue Ausmaß des Kerngebietes, das ist das Hochrisikogebiet, kennen, kann ein fester Zaun gebaut werden.“

Was bewirkt verstärkte Jagd auf Wildschweine?

Die Reduzierung der Wildschweindichte sei eine Maßnahme des Seuchenschutzes, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald.
Die Fallzahlen der Schweinepest im Baltikum seien zwar durch verstärkte Jagd gesunken, die Restpopulationen hätten sich aber schnell wieder vermehrt. Dass die Seuche in einer Region eine größere Wildschweinpopulation ausgerottet habe, sei noch nicht passiert.

Wie lange kann der Ausbruch der Schweinepest dauern?

Experten rechnen mit jahrelangen Problemen. Laut Thomas Mettenleiter, Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald, ist die Afrikanische Schweinepest in Sardinien 1978 eingeschleppt worden und existiere bis heute. Spanien und Portugal hätten 30 Jahre lang bis Mitte der 1990er-Jahre mit der Krankheit zu tun gehabt.
In Tschechien hingegen sei die Schweinepest etwa ein Jahr lang nachgewiesen worden. In Belgien seien nach den ersten Fällen 2018 im Frühjahr 2020 Virusgenome nur noch in alten Kadavern nachgewiesen worden.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Schweinepest?

In der Schweinepest-gefährdeten Zone gilt ein Totalverbot der landwirtschaftlichen Betätigung. Auch Landwirte und Schlachtbetriebe außerhalb dieser Kernzone können Schweinefleisch derzeit nicht überall hin exportieren: Wegen der Schweinepest verboten wichtige Abnehmerländer wie China deutsche Schweinefleisch-Einfuhren.

Sembten

Wie reagieren die Landwirte auf die Schweinepest?

„Die Stimmung ist äußerst schlecht. Es sind nicht wirklich Lösungssignale erkennbar“, sagte Landwirt Bernd Starick aus Grießen, Landkreis Spree-Neiße (Stand: 18. September).
In einigen Betrieben habe angesichts des Totalverbots der landwirtschaftlichen Betätigung in der gefährdeten Zone Kurzarbeit beantragt werden müssen. „Wir brauchen praktikable Lösungen, wollen die Felder bestellen und Tiere versorgen. Es geht nicht um Entschädigung“, sagte Starick.

Lübbinchen

Schweinepest: Welche Hilfe erhalten Landwirte?

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat den Landwirten Unterstützung zugesichert. „Wir lassen sie in dieser besonderen Situation nicht allein“, sagte Klöckner am 17. September. Genaues steht demnach noch nicht fest: Es werde überlegt, welche Maßnahmen möglicherweise wann ergriffen werden könnten.
Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat den von der Schweinepest betroffenen Landwirten Hilfe zugesagt.
Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, hat den von der Schweinepest betroffenen Landwirten Hilfe zugesagt.
© Foto: Kay Nietfeld/dpa

Gibt es bald einen Impfstoff gegen Schweinepest?

Mit einem Impfstoff rechne er in überschaubarer Zeit nicht, sagt Thomas Mettenleiter, Präsident des bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald. Es werde an Impfstoffen gearbeitet, die Wildschweinen über Köder verabreicht werden könnten. Der Stoff müsste schnell zu einer so guten Immunität führen, dass die Tiere nicht infiziert werden könnten.