• In Deutschland fand am 26.09.2021, die Bundestagswahl statt
  • In mehreren Bundesländern im Osten lag in den Umfragen vor der Wahl die AfD vorne, die SPD konnte aber auch punkten
  • In Mecklenburg-Vorpommern wurde neben der Bundestagswahl auch ein neuer Landtag gewählt. Hier geht’s zum Ticker über die Landtagswahlen.
  • In Thüringen war die Wahl im Wahlkreis 196 besonders spannend: CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen hat jedoch das Direktmandat verpasst. Stattdessen zieht sein SPD-Konkurrenten Frank Ullrich in den Bundestag ein.
  • Hier sind die Hochrechnungen, Prognosen und Ergebnisse für Thüringen im Überblick.
Nach vier Jahren konnten sich die Wahlberechtigten in Thüringen bei der Bundestagswahl 2021 erneut für ihre Vertreter im Deutschen Bundestag entscheiden. Die SPD hat im Bund die CDU als stärkste Partei abgelöst. Wie es nach der Wahl nun mit Sondierungen weitergeht und welche Koalitionen rechnerisch möglich sind, erfahren Sie in diesem Artikel unseres Partnerportals swp.de.

Thüringen hat gewählt: AfD stärkste Kraft, SPD auf Platz 2

Die AfD ist bei der Bundestagswahl in Thüringen erstmals stärkste Kraft geworden. Wie Landeswahlleiter Günter Krombholz in der Nacht zum Montag mitteilte, holte die Partei nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 24,0 Prozent der Stimmen. Dies war ein Plus von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl von vor vier Jahren. Verteidigen konnten die AfD auch ihren Spitzenplatz in Sachsen. Dort wurde sie bei der Bundestagswahl mit 24,6 Prozent erneut stärkste Kraft.
In Thüringen folgte auf Platz zwei die SPD mit 23,4 Prozent, die um mehr als zehn Prozentpunkte im Vergleich zu 2017 zulegte. Die CDU kam bei starken Verlusten auf 16,9 Prozent, die Linke auf 11,4 Prozent, die FDP auf 9,0 Prozent und die Grünen auf 6,6 Prozent.
In Sachsen kam gleichfalls die SPD auf Platz zwei mit 19,3 Prozent. Es folgten die CDU bei deutlichen Verlusten mit 17,2 Prozent, die FDP mit elf Prozent, die Linke mit 9,3 Prozent und die Grünen mit 8,6 Prozent.

Politologe: AfD hat sich als ostdeutsche Volkspartei etabliert

Die AfD hat sich nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Hans Vorländer in Deutschland erfolgreich als „Partei ostdeutscher Interessenrepräsentation“ etabliert. Während die CDU in einem Bundesland wie Sachsen „schon lange in der Fläche an Rückhalt verloren“ habe, habe sich die AfD organisatorisch und strukturell dort verfestigt, sagte der Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung an der TU Dresden am Dienstag dem WDR 5-„Morgenecho“.
Bei der Bundestagswahl vom vergangenen Sonntag hatte die Alternative für Deutschland (AfD) allein in Sachsen zehn Wahlkreise bei der Direktwahl der Kandidatinnen und Kandidaten gewonnen. Bei den Zweitstimmen lag der Anteil in dem Bundesland bei rund 25 Prozent, in Thüringen bei 24 Prozent. In beiden Bundesländern holte die Partei damit die meisten Stimmen.

Wahlergebnis Thüringen bei der Bundestagswahl 2021

Das vorläufige Endergebnis in Thüringen ist da. So haben die Wählerinnen und Wähler abgestimmt:
  • CDU: 16,9
  • AfD: 24,0
  • SPD: 23,4
  • Linke: 11,4
  • FDP: 9,0
  • Grüne: 6,6

Maaßen verpasst Direktmandat aus Thüringen

Im Wahlkreis 196 gibt es ebenfalls erste Hochrechnungen. Demnach bekommt der SPD-Kandidat Frank Ullrich mit 33,6 Prozent eindeutig das Direktmandat. Seine Konkurrenten Hans-Georg Maaßen (CDU) hat 22,3 Prozent, knapp vor dem AfD-Kandidaten Jürgen Treutlier mit 21,2 Prozent der Stimmen.

Direktkandidaten in Thüringen: Diese Politiker ziehen in den Bundestag

Diese Politikerinnen und Politiker haben die Wählerinnen und Wähler aus Thüringen in den Bundestag geschickt:
  • Wahlkreis 189: Manfred Grund (CDU), 26,6 Prozent
  • Wahlkreis 190: Klaus Stöber (AfD), 24,8 Prozent
  • Wahlkreis 191: Holger Becker (SPD), 20,1 Prozent
  • Wahlkreis 192: Marcus Bühl (AfD), 26,5 Prozent
  • Wahlkreis 193: Carsten Schneider (SPD), 24,4 Prozent
  • Wahlkreis 194: Stephan Brandner (AfD), 29,0 Prozent
  • Wahlkreis 195: Michael Kaufmann (AfD), 29,3 Prozent
  • Wahlkreis 196: Frank Ullrich (SPD), 33,6 Prozent
Bei der Bundestagswahl hat die AfD insgesamt leichte Verluste erlitten, aber dennoch 16 Wahlkreise direkt gewonnen. Sie alle liegen in den ostdeutschen Ländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Vor vier Jahren waren die Rechtspopulisten nur auf drei Direktmandate gekommen.
So holte in diesem Jahr etwa Parteichef Tino Chrupalla erneut das Direktmandat im sächsischen Görlitz, wie aus den Zahlen des Bundeswahlleiters hervorgeht. Schon 2017 hatte der Malermeister dort für eine Überraschung gesorgt, als er den heutigen sächsischen Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hinter sich ließ.
In Thüringen gewann die AfD vier Direktmandate: in zwei Wahlkreisen in Ostthüringen sowie in je einem in Mittel- und Südwestthüringen. In Sachsen-Anhalt holte die AfD zwei Wahlkreise, die übrigen in Sachsen.
Bundesweit kam die AfD auf 10,3 Prozent - 2017 waren es noch 12,6 Prozent. In Sachsen und Thüringen schaffte es die Partei indes mit rund einem Viertel der Zweitstimmen auf Platz eins, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf Platz zwei.

Vorläufiges Endergebnis im Bund

Update, 27.09.21, 7 Uhr

  • SPD: 25,7
  • CDU/CSU: 24,1
  • Grüne: 14,8
  • FDP: 11,5
  • Linke: 4,9
  • AfD: 10,3
  • Sonstige: 8,1

Wahl 2021: Wahlkreise in Thüringen

In Thüringen gibt es acht Wahlkreise, die die Nummern 189 bis 196 tragen. Die Kreise sind folgendermaßen aufgeteilt:
  • 189: Eichsfeld - Nordhausen - Kyffhäuserkreis
  • 190: Eisenach - Wartburgkreis - Unstrut-Hainich-Kreis
  • 191: Jena - Sömmerda - Weimarer Land I
  • 192: Gotha - Ilm-Kreis
  • 193: Erfurt - Weimar - Weimarer Land II
  • 194: Gera - Greiz - Altenburger Land
  • 195: Saalfeld-Rdolstadt - Saale-Holzland-Kreis - Saale-Orla-Kreis
  • 196: Suhl - Schmalkalden-Meiningen - Hildburghausen - Sonneberg

AfD-Sieg in Thüringen: Auschwitz Komitee bestürzt

Das Internationale Auschwitz Komitee ist erleichtert über das im Vergleich zu 2017 schlechtere Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl. Dramatisch seien allerdings die AfD-Ergebnisse in Sachsen und Thüringen, erklärte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner am Montag in Berlin. In beiden Ländern wurde die AfD stärkste Kraft bei den Erst- und Zweitstimmen.
Die AfD konnte im Osten punkten - vor allem in Sachsen und Thüringen.
Die AfD konnte im Osten punkten - vor allem in Sachsen und Thüringen.
© Foto: dpa-infografik GmbH
Die demokratischen Parteien hätten die AfD im Wahlkampf viel zu selbstverständlich als „normalen“ demokratischen Mitbewerber durchgehen lassen, ohne die AfD-Repräsentanten immer wieder auf ihre Rhetorik des Hasses, ihre Verachtung der Demokratie und ihre massive Verfilzung mit der Gewaltentwicklung in der „Querdenker“-Szene festzunageln, kritisierte Heubner.
Den AfD-Wahlerfolg in den beiden Bundesländern nannte er einen „dramatischen Weckruf“ nicht nur an die demokratischen Parteien, sondern an die gesamte Gesellschaft. Dieser Entwicklung müsse ein starkes und wehrhaftes Engagement für die Demokratie entgegen gesetzt werden.

Maaßen in Thüringen: Kontroverser Kandidat

Flop oder top - für Hans-Georg Maaßen geht es in diesen Tagen zwischen Sonneberg und Suhl um viel: Schafft der 2018 entlassene Verfassungsschutzpräsident, CDU-Rechtsausleger und gebürtiger Rheinländer den Einzug in den Bundestag - gegen den Widerstand selbst von Mitgliedern des Wahlkampfteams von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet? Oder folgt nach dem Wahlkampfausflug in Südthüringen das Pensionärsdasein eines ehemaligen Spitzenbeamten?
Der Wahlkreis 196, in dem Maaßen gegen die Biathlonlegende Frank Ullrich von der SPD antritt, gilt als einer der interessantesten bei der Bundestagswahl am 26. September. Manche sprechen sogar von einem politischen Experiment.
Warum die große Aufmerksamkeit für Maaßen, auch bundesweit? Er sei so etwas wie der Prüfstein für die Zuverlässigkeit der CDU in ihrer Abgrenzung gegen rechts, gegen die AfD, sagt der Jenaer Politikwissenschaftler Torsten Oppelland. Der Verdacht der politischen Unzuverlässigkeit, der auch von konkurrierenden Parteien komme, halte ihn im Gespräch.
Maaßen, der in seinem Denken von seiner Arbeit im Sicherheitsapparat geprägt sei und mehr Risiken als Chancen der Migration sehe, agiere innerhalb der CDU am rechten Rand. Dieses Segment sei in der Ära von CDU-Kanzlerin Angela Merkel vernachlässigt worden, so Oppelland. „Es gibt aber Leute in der CDU, die seine Positionen zur inneren Sicherheit teilen.“
Bei potenziellen Wählern geht die Meinung über den CDU-Kandidaten, der mit provokanten Thesen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, zur Migrationspolitik oder seiner angeblichen „Dämonisierung“ für Aufregung sorgt, weit auseinander.
Maaßen spricht im Wahlkampf von seiner Mission, die AfD zu schwächen und Protestwähler zurückzugewinnen. Er vertrete „Positionen der klassischen CDU“ und wolle verhindern, „dass Deutschland in einen schleichenden Sozialismus gerät“. Und der Kandidat will im Gespräch bleiben: Kurz vor dem Wahltag trifft sich der CDU-Rechtsaußen am Donnerstag in Meiningen mit Thilo Sarrazin, den die SPD unter anderem wegen umstrittener Positionen zur Einwanderungspolitik ausgeschlossen hat.

Frank Ullrich: Der Konkurrent von Maaßen

Und was macht Frank Ullrich, Biathlon-Olympiasieger, Weltmeister und Ex-Bundestrainer, um den Wahlkreis für die SPD zu gewinnen? Nicht repräsentative Umfragen sollen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgehen. Der kumpelhafte und fast hagere 63-Jährige setzt vor allem auf seine Bekanntheit und Verwurzelung in der Südthüringer Region. „Hallo Frank“, wird er gegrüßt, sobald er auf den Straßen auftaucht.
In den Wahlforen bleibt der SPD-Bundestagsneuling allerdings auch Antworten schuldig und bekennt stattdessen, „ich bin nicht der Typ, der immer gegen etwas ist“. Ullrich diagnostiziert eine hohen Politikverdrossenheit in seiner Heimat - es brauche da keine „aalglatten Politiker“.

Bundestagswahl in Thüringen: Was sagten die Umfragen?

In Thüringen haben die Meinungsforscher ein knappes Rennen vorausgesagt. Einer Umfrage des Forschungsinstituts Insa zufolge könnte die AfD mit 22 Prozent stärkste Kraft werden. Doch die SPD hat noch Chancen: Die Demoskopen sagten den Sozialdemokraten 21 Prozent voraus. Demnach würden Linke und CDU beide auf Platz drei mit jeweils 18 Prozent landen.
Die Insa-Umfrage sagte den Grünen fünf Prozent und der FDP neun Prozent voraus.

Thüringen wählt: Wie hoch ist die Wahlbeteiligung?

Vor vier Jahren war die letzte Bundestagswahl. Damals haben 74,3 Prozent der wahlberechtigten Thüringer und Thüringerinnen Stimmen abgegeben. Damals stieg die Wahlbeteiligung um sechs Prozent gegenüber 2013.
Die Wahlbeteiligung im Land Thüringen lag bei 74,9 Prozent. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2017.

Bundestagswahl 2021: Wie hat Thüringen vor vier Jahren gewählt?

2017 zogen 22 Abgeordnete aus Thüringen in den Deutschen Bundestag. Den höchsten Anteil der Stimmen erhielt die CDU (28,8 Prozent), gefolgt von der AfD (22,7 Prozent). Drittstärkste Kraft war die Linke mit 16,9 Prozent der Stimmen. Lediglich 13,2 Prozent der Zweitstimmen erhielt die SPD. Die FDP erzielte in Sachsen 7,8 Prozent der Stimmen, Schlusslicht waren die Grünen mit 4,1 Prozent.

Ostdeutschland im Überblick: Wie wählt der Osten?

In den vergangenen Jahren hat der Osten der Republik häufig ganz anders abgestimmt, als Westdeutschland. Wie ist es dieses Jahr? Einen Überblick über den Wahlausgang in den ostdeutschen Ländern gibt es hier.

Bundestagswahl Ostdeutschland: Wahl in den neuen Bundesländern

Eine Übersicht über die Wahlergebnisse in den einzelnen ostdeutschen Bundesländern gibt es hier:
Wahl in Sachsen-Anhalt