Seit Montag arbeitet die Spremberger Verwaltung abermals im Krisen-Modus. Nach dem Lockdown durch das Corona-Virus ist die Ursache diesmal allerdings sichtbar. Im Spremberger Stadtteil Trattendorf ist nämlich eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Während das historische 50-Kilogramm-Überbleibsel auf seine Entschärfung am Donnerstag durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) wartet, herrscht in unmittelbarer Nachbarschaft rege Betriebsamkeit. Nicht etwa bei den Anwohnern, denn dort blickt man der Entschärfung relativ entspannt entgegen, sondern vielmehr beim Seniorenheim „Lausitzperle“.
Nur gut 150 Meter Luftlinie vom Fundort der Bombe entfernt, muss die Einrichtung im Zuge der Entschärfung evakuiert werden. Ebenso alle anderen Gebäude innerhalb des 500-Meter-Sperrradius. Insgesamt gut 1400 Einwohner. Geradezu eine Mammutaufgabe für die Verwaltung alle Betroffenen.
Die Schwierigkeit für das Heim: Unter den insgesamt 98 Bewohnern befinden sich zahlreiche Leute mit höheren Pflegegraden. Während in der Einrichtung aktuell niemand zu sprechen ist, weil sämtliche Angehörige über die bevorstehende Maßnahme informiert werden, gibt die Bürgermeisterin im Rahmen einer Pressekonferenz Auskunft zur dortigen Situation.
„Während die anderen Planungen recht reibungslos laufen, stellt uns die Lausitzperle vor die größte Herausforderung“, erklärt Christine Herntier (parteilos). Denn unter den Einwohnern stünden 21 unter stationäre Behandlung oder seien bettlägerig und 60 säßen in Rollstühlen, listet die Stadtchefin auf. Um diese Leute sicher zu transportieren, ist also ein spürbarer Mehraufwand nötig. Glücklicherweise kann die Stadt auf ein breites Netzwerk zurückgreifen, weshalb der Transport – auch von liegenden oder in einem Spezialrollstuhl sitzenden Personen – gewährleistet werden kann.

Trattendorf

Seniorenresidenz Lausitzperle bereits teilweise evakuiert

Bereits am heutigen Mittwoch wurde die Seniorenresidenz teilweise evakuiert, teilt die Bürgermeisterin mit. Insgesamt 30 Personen kamen dabei relativ unkompliziert im Spremberger Krankenhaus unter. Corona macht es möglich. Wie Kathrin Möbius, Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft, kurz und knapp mitteilt, werden diese Leute nämlich in die Corona-Station der Klinik einquartiert. Diese Station wird seit geraumer Zeit für potenzielle Corona-Patienten freigehalten. Genutzt wurde sie bislang allerdings noch nicht. Nun kehrt zumindest kurzzeitig Leben in die Station ein. Wenn auch anders als geplant. Obwohl keine Station geräumt werden muss und die Corona-Station zur Verfügung steht, bedeuten die Teilzeit-Gäste einen erhöhten Aufwand. „Wir müssen dafür schon einiges organisieren und auch personelle Kapazitäten bereitstellen“, sagt Kathrin Möbius.
Doch nicht nur das Krankenhaus, sondern auch die Spremberger Stadtverwaltung stellt Mitarbeiter zur Verfügung. „Allein aus unserer Verwaltung sind knapp 90 Leute dafür eingeteilt, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen“, erzählt Christine Herntier. Neben der Planung und Logistik werden die Stadtbediensteten auch die Kontrolle des Sperrgebiets übernehmen. „Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden ab 10 Uhr das gesamte Gebiet abgehen und kontrollieren, ob jeder Anwohner der Evakuierung nachgekommen ist“, erklärt Frank Kulik, Fachbereichsleiter für Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice in Spremberg.

Für Nachkontrolle von Evakuierung in Spremberg drei Stunden eingeplant

Mühevolle Fleißarbeit, denn der Sperrkreis von einem Kilometer Durchmesser umfasst nicht nur mehrere Häuser und Wohnungen, sondern auch Gartenanlagen und einen Garagenkomplex. Obwohl die Stadt im Vorfeld alle Anwohner auf unterschiedlichen Wegen über die Maßnahme informiert hat, wird zusätzlich noch eine Streifenwagen durch das Gebiet fahren und per Durchsage auf die Sperrung beziehungsweise Evakuierung hinweisen. Nicht ohne Grund plant die Stadt für diese Nachkontrolle gut drei Stunden ein. Darüber hinaus weist Kulik nochmals explizit darauf hin, dass ein Verbleiben im Sperrgebiet – auf eigene Gefahr – nicht zulässig sei. „Im Notfall wird die Sperrung auch mit Zwang durchgesetzt, was für Verweigerer auch zu Sanktionen führen kann“.
Selbstverständlich werden Mitbarteiter der Verwaltung auch durch Polizei- und Rettungsbeamte unterstützt, die notfalls helfen oder die Räumung mit Nachdruck durchsetzen können. Die Bürgermeisterin schätzt die Zahl auf circa 60 Helfer. Sie werden unter anderem auch im Lagezentrum der Stadt zu finden sein, welches in der alten Adolf-Diesterweg-Grundschule in Trattendorf Stellung beziehen wird.
Sollte es doch zu einem unvorhergesehenen Notfall kommen, können wir auch zusätzlich auf die Räume des benachbarten Gymnasiums zurückgreifen.“ Derweil hoffen neben Christine Herntie1r, auch die direkten Nachbarn der Fliegerbombe, Familie Vehma, dass die Entschärfung des Blindgängers durch den KMBD unkompliziert vonstattengeht. „Damit alle Leute sowie die Heimbewohner rasch wieder zurückkommen und die Sperrungen aufgehoben werden können“, wünscht sich Frank Kulik.

Cottbus/Forst

Schulfrei an Wiesenweg-Schul


Aufgrund der Evakuierung beziehungsweise Entschärfung der Fliegerbombe fällt für die Schüler der Wiesenweg-Schule der morgige Donnerstag als Schultag aus. Verantwortlich für die Einrichtung mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung ist der Landkreis. In Abstimmung mit dem Schulverwaltungsamt wurden die Eltern über diesen Schritt im Vorfeld informiert. „Wir haben die Erziehungsberechtigten gefragt, ob sie die spontane Aufsicht und Unterbringung gewährleisten können“, sagt Michael Koch, Sozial-Dezernent im Spree-Neiße-Kreis. Lediglich bei zwei Schülern sei dies nicht möglich gewesen, welche dann in anderen Einrichtungen untergebracht würden, heißt es weiter. Das Behindertenwerk Spremberg (Wiesenweg 58) bleibt indes von der Sperrung unberührt, da es knapp außerhalb des Sperrkreises liegt.