Männerchor 1846 Ruhland
: Woidke mit leichter Unsicherheit bei Brandenburg-Hymne

Mit seinen 177 Jahren zählt der Männerchor 1846 Ruhland zu den ältesten Chören Brandenburgs. Das Ensemble hat die Corona-Einschränkungen gut verkraftet. Sogar Ministerpräsident Dietmar Woidke darf mitsingen.
Von
Torsten Richter-Zippack
Ruhland
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Unter der musikalischen Leitung von Michael Zumpe gab der Männerchor 1846 Ruhland im Vereinsheim gemeinsam mit Ministerpräsident Dietmar Woidke ein Stelldichein.

Richter-Zippack, Torsten

Um es vorwegzunehmen: Einer der ältesten und traditionsreichsten Vereine Brandenburgs hat auch die Corona-Pandemie überlebt. Trotz aller gesetzlichen Einschränkungen. Trotz des vorübergehenden Ausschlusses ungeimpfter Mitglieder. Trotz fehlender Auftritte. Noch immer zählt der Verein 29 aktive Sänger. Hinzu kommen drei Künstler, die aus Altersgründen nicht mehr dabei sein können. Immerhin: Der Altersdurchschnitt im Chor bewegt sich nach Angaben des Vorsitzenden Wolfgang Künanz bei 68 Jahren. Er selbst beging im vergangenen März seinen 70. Ehrentag.

„Wir waren immer singefähig“, betont Künanz. Und das, obwohl der Männerchor in seiner Geschichte bereits drei Gemetzel erleben musste: den Deutsch-französischen Krieg anno 1870/1871, den Ersten Weltkrieg (1914-1918) sowie den Zweiten Weltkrieg (1939-1945). Und ein vierter Krieg hat den Ruhlandern ein abgesagtes Konzert beschert. Denn bereits zum dritten Mal wollten die Oberlausitzer im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Ural-Kosaken singen. „Die Sänger durften wegen der aktuellen Lage nicht ausreisen“, erklärt Wolfgang Künanz.

Ministerpräsident Woidke und das Brandenburg-Lied in Ruhland

Seit sieben Jahren zählen die Ruhlander ein prominentes Mitglied in ihren Reihen, und zwar den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Für die 170-Jahr-Feier des Chores anno 2016 fungierte der Landesherr als Schirmherr. Und ihm wurde die Ehrenmitgliedschaft angetragen.

„Ich fühle mich dem Männerchor eng verbunden“, sagte Woidke bei einem Blitzbesuch im Ruhlander Sängerheim Ende Juni. Und weiter: „Den Chor gibt es immer noch, trotz meines Gesangs.“ Wolfgang Künanz merkt an, dass das Ehrenmitglied einstimmige Lieder voller Inbrunst mitsinge. Manchmal gebe es jedoch Textprobleme. Und das ausgerechnet bei der Brandenburg-Hymne „Märkische Heide“. In der dritten Strophe, die mit „Blauende Seen, Wiesen und Moor“ beginnt, müsse der Ministerpräsident schon überlegen.

Wo der Chor aus Ruhland neue Mitglieder herbekam

Kurios: Während einige Chöre in Brandenburg infolge der Corona-Bestimmungen aufgeben mussten, gewannen die Ruhlander vier neue Sänger hinzu. Das sei am Biertisch beim Kultur- und Heimatverein im benachbarten Schwarzheide geschehen. Die Neumitglieder seien zwischen 30 und 80 Jahren alt. Austritte habe es in den vergangenen Jahren hingegen keine gegeben.

Brandenburgweit gibt es hingegen einen leichten Rückgang bei den Chören. Nach Angaben von Stephan Breiding vom Kultusministerium waren vor Corona 275 verbandsgebundene Chöre registriert, aktuell sind es 264. Insgesamt wird die Zahl der Chöre zwischen Prignitz und Oberlausitz auf 600 geschätzt.

Zu welchen Höhepunkten die Oberlausitzer Sänger 2023 einladen

Für die zweite Jahreshälfte 2023 haben die Ruhlander Sänger Großes vor. Klar, dass sie am 20. August anlässlich des Tages der Oberlausitz in Panschwitz-Kuckau auftreten werden. Nun befindet sich dort mit dem Kloster St. Marienstern das geistige Zentrum der katholischen Sorben. „Deshalb sind die Veranstalter schon etwas traurig, dass wir keine sorbischen Lieder zum Besten geben können“, sagt Wolfgang Künanz. Stattdessen dürften sich die Gäste auf ein breites Repertoire aus deutschen Volks-, Wein- und Bierliedern freuen. Ebenfalls haben die Ruhlander diverse Titel aus Opern und Operetten parat.

Der zweite große Höhepunkt ist auf den 31. Oktober datiert. Am Reformationstag soll es ein gemeinsames Singen mit den Mönchen von der Burg Oybin geben. Beide Ensembles pflegen schon seit längerer Zeit künstlerische Kontakte.

Ohnehin sind die Ruhlander keineswegs ein 0815-Chor. Schließlich setzt Chorleiter Michael Zumpe bereits seit 22 Jahren auf höchste künstlerische Qualität. „Der weiß, worauf es beim Singen ankommt“, sagt Wolfgang Künanz anerkennend. Nicht zuletzt haben die Oberlausitzer schon auf einer Konzertreise anno 2004 in den USA und in Kanada brilliert. In Ruhland selbst sind die 1846er-Sänger wieder im November zu erleben. Dann soll der restaurierte historische Kirchenaltar eingeweiht werden.

Wie das Land Brandenburg Chöre unterstützt

Chormusik ist ein wesentlicher Faktor in der Kulturszene in Brandenburg. Das Kulturministerium unterstützt die Amateurchöre und -ensembles in diesem Jahr mit insgesamt 100.000 Euro, sagt Sprecher Stephan Breiding. Im Rahmen der Übungsleiterpauschale stellt das Ministerium 60.000 Euro zur anteiligen Finanzierung der Honorare von Chor- und Ensemble-Leitungen zur Verfügung. Im vergangenen Jahr beantragten 102 Chöre einen Zuschuss für ihre Chorleitung, in diesem Jahr sind es 107. Weitere 40.000 Euro stellt das Ministerium für Qualifizierungsmaßnahmen von Amateurchor-Leitern bereit. Darüber hinaus unterstützt das Land die Chöre durch die Förderung von Dachverbänden wie dem Landesmusikrat und dem Brandenburgischen Chorverband, die wiederum besondere Angebote zur Vernetzung und Qualifizierung für Chöre anbieten.