Was haben ein Kraftwerk, eine Bergbehörde und ein Spielmannszug gemein? Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten eine ganze Menge. Zumindest bei Hans-Joachim Benisch aus Ruhland.

Denn der studierte Kraftwerker und spätere stellvertretende Dezernent im Brandenburger Landesbergamt ist seit mehr als einem halben Jahrhundert Trommler beim Spielmannszug Einheit 68 Ruhland. Benisch gehörte im September 1968 zu den Jüngsten im neu gegründeten Spielmannszug.

Musik hat Tradition in der Ruhlander Familie

„Trommel und Uniform stellte der Verein, üben mussten wir selbst“, berichtet der heute 64-Jährige. „Zu Hause hat Mutter meine Trommelei nicht ausgehalten. Da musste ich in die Werkstatt oder in die Garage ausweichen. Das hat mich aber nicht gestört, ich war mit Feuereifer bei der Sache.“

Das Talent des gebürtigen Ruhlanders verwundert nicht: „Mein Bruder galt als begnadeter Klavierspieler, die Großeltern musizierten beim örtlichen Spielmannszug Graue Schützen, einer sogar als Tambourmajor. Und mein Vater spielte richtig gut Geige und sang im gemischten Chor.“

Den ersten Auftritt gab es gut ein Jahr nach der Gründung des Spielmannszuges Einheit 68. „Anlässlich des 20. Geburtstages der DDR waren die Spielleute mit zwei Märschen auf dem Ruhlander Markt präsent. Wir Neuen waren mächtig aufgeregt, hatten Angst, uns zu blamieren. Allerdings lief alles glatt, und Mutter war stolz auf mich“, erinnert sich Benisch.

Ruhlander steht viele Jahre an der Spitze der Spielleute

Bereits als Jugendlicher gab er sein Wissen und Können an die Kinder weiter. Unzählige Steppkes gingen damals durch die Spielleute-Schule. Hans-Joachim Benisch ist mit kurzen, ausbildungs- und berufsbedingten Unterbrechungen bis heute dabei geblieben. „Wir sind schon ein prima Thema“, lautet sein Resümee.

Zwischen 2008 und 2018 stand Benisch an der Spitze der Spielleute. „Wir haben uns während dieser Zeit weiter stark auf die Nachwuchsarbeit fokussiert und die Vereinsstrukturen gefestigt.“ Nicht zuletzt sei das Ensemble finanziell auf sichere Füße gestellt worden.

Während Benisch` Amtszeit als Vereinsvorsitzender wurde ein ganz besonderes Projekt aus der Taufe gehoben. „Unser musikalischer Leiter Jörg Kalex hat im Amphitheater am Senftenberger See den Zapfenstreich als Saisonabschluss etabliert. Seitdem stehen vier Musikensembles gleichzeitig auf der Bühne“, erzählt Hans-Joachim Benisch. In diesem Jahr steht bereits die zwölfte Auflage des Zapfenstreiches ins Haus. Die vergangenen Ausgaben waren stets ausverkauft.

Trommeln liegt Ruhlander im Blut

Der 63-Jährige steht selbst auf Marschmusik. Ebenso hat es ihm das von den Ruhlander Spielleuten über Wochen einstudierte Abba-Medley angetan. „Da steckt richtig Arbeit drin“, fasst der Trommler den künstlerischen Aufwand zusammen. Würde es seine Gesundheit zulassen, wäre Benisch noch immer aktiver Trommler. „Das ist wie Fahrradfahren: Ist die Technik in einem drin, verlernt man es nicht.“

Heute ist der Ruhlander im Ruhestand. Über ein Vierteljahrhundert war er im Brandenburger Landesbergamt tätig. Zuvor gehörte Benisch zum Aufbaustab des Industriekraftwerkes (IKW) in Lauchhammer. Dieses sollte als Ersatz für die marode Brikettfabrik 69 in Lauchhammer-Süd und zur Fernwärmeversorgung dienen. Allerdings ging die Anlage nie ans Netz.

Engagiert auch im Bauausschuss Ruhland

„Die Wende kam dazwischen“, begründet der studierte Kraftwerkstechniker. Mit der aktuellen Energiewende könne er sich indes nur wenig anfreunden. „Erneuerbare Energien dürften nicht die Grundlast sichern.“

Benisch engagiert sich auch kommunalpolitisch. Er sitzt als berufener Bürger im Ruhlander Bauausschuss. Und da gilt es ebenfalls zu trommeln: „Immer im Sinne unserer Bürger“, sagt der 63-jährige Kraftwerker und Vollblutmusikant, der an diesem Wochenende beim Ehrenamtsempfang in der Potsdamer Staatskanzlei geehrt wird.

Nachwuchs wird immer gesucht


Der Ruhlander Spielmannszug Einheit 68 zählt rund 60 Mitglieder. Etwa 25 Prozent sind unter 18 Jahre alt. Auf die Nachwuchsarbeit wird größter Wert gelegt. Wer mitmachen will, sollte sich freitags ab 17 Uhr im Spielleuteheim hinter dem ehemaligen Busbahnhof (Güterbahnhofstraße) einfinden. Mitzubringen sind laut Vereinsspitze lediglich Lust und Liebe zur Musik sowie Ausdauer. Die entsprechende Kleidung sowie die Instrumente (Trommel, Flöte, Lyra) werden vom Verein gestellt. Pro Jahr werden zwischen zwölf und 15 Auftritte bestritten. Zudem gibt es alljährlich in den Osterferien ein Nachwuchs-Trainingslager im Elbe-Elster-Kreis.