Manitu in Forst
: Rockfestival lockt Fans der härteren Musik an die deutsch-polnische Grenze

Ende Juli findet im Manitu wieder das Rockfestival „Wigwam-Getöse“ statt. Nur zwei Wochen später wird im Rosengarten gerockt. Stehen die beiden Veranstaltungen in Konkurrenz und ist Forst bereits der Rock-Mittelpunkt der Lausitz?
Von
Marcel Laggai
Forst
Jetzt in der App anhören
  • Veranstalter und Inhaber Frank Pfitzmann vor seinem über die Landesgrenzen hinweg beliebten Manitu. Dank Fördermitteln hat sich auf dem Gelände einiges getan, worauf sich die Besucher des „Wigwam Getöse“ freuen dürfen,

    Veranstalter und Inhaber Frank Pfitzmann vor seinem über die Landesgrenzen hinweg beliebten Manitu. Dank Fördermitteln hat sich auf dem Gelände einiges getan, worauf sich die Besucher des „Wigwam Getöse“ freuen dürfen,

    Archiv/Margit Jahn
  • Das Festzelt für das "Wigwam Getöse" steht bereits, ist aber noch nicht fertig. Auch an anderer Stelle vom Manitu gibt es noch einiges zu tun, bevor am 29. Juli ordentlich gerockt werden kann.

    Das Festzelt für das "Wigwam Getöse" steht bereits, ist aber noch nicht fertig. Auch an anderer Stelle vom Manitu gibt es noch einiges zu tun, bevor am 29. Juli ordentlich gerockt werden kann.

    Marcel Laggai
1 / 2

Die Temperaturen liegen um die 30 Grad Celsius und die Sonne knallt: für Frank Pfitzmann aber kein Grund, sich im Schatten auszuruhen und das sommerliche Wetter zu genießen. Stattdessen ist der 55-Jährige bereits in den frühen Morgenstunden auf den Beinen. Keine Wunder, denn der Countdown läuft.

Am 29. Juli gibt es nämlich eine Neuauflage des beliebten RockfestivalsWigwam Getöse„ – auf dem Manuti-Gelände in Forst (Frankfurter Straße 135). Das Event gilt als jährlicher Höhepunkt der Musik-Location. Und dafür ist das Manitu mittlerweile weit über Stadtgrenzen hinaus bekannt. Doch bis sich am letzten Sonnabend im Juli das Holztor für die große Rock-Sause öffnet, gibt es für Frank und seine Frau Jana Pfitzmann noch allerhand zu tun.

Das Festzelt für das „Wigwam Getöse“ in Forst steht bereits

„Immerhin steht das große Festzelt schon mal, auch wenn es noch nicht komplett fertig ist“, erklärt der Manitu-Wirt. So fehlen beispielsweise noch die Außenwände, erforderliche Lichttechnik sowie das Nötigste: die Soundanlage. Schließlich bestehe besonders in den Sommermonaten immer wieder die Gefahr eines Unwetters. Letztlich soll ein möglicher Schaden von Zelt und Technik damit verhindert werden.

Dabei sind es vor allem die vielen kleineren Dinge, die sich im Rahmen der Vorbereitungen für das Musikfestival als Zeitfresser herausstellen. Dazu zählt der 55-Jährige etwa das Verlegen der vielen Elektrokabel für die Geländebeleuchtung und generell das Arrangieren des Mobiliars wie Sitzgelegenheiten oder Getränkewagen. Alles soll stimmig sein für das Rock-Event.

Aus diesem Grund haben die Vorbereitungen bereits Anfang bis Mitte Juni begonnen. Erfahrungsgemäß reicht dieser Vorlauf, aber trotzdem ziehen sich kleinere Arbeiten stets bis hin zum Tag des Events. Glücklicherweise kann Pfitzmann auf die Unterstützung seiner Frau und Kinder vertrauen, denn laut eigenen Aussagen gilt das Manitu als ein regelrechter Familienbetrieb. Erst vor Kurzem hat sein Sohn beispielsweise eine neue Webseite für die Location programmiert.

„Ohne die Familie hätte der Laden vermutlich nicht so lange durchgehalten und zudem schätzen unsere Gäste die familiäre Atmosphäre bei uns.“ So berichtet der Wirt beispielsweise von Stammkundschaft, die regelmäßig aus Westdeutschland anreist. Das Manitu ist nicht nur als Ort für gute Musik bekannt, sondern ist Jahr für Jahr auch Treffpunkt von Freunden, die das Festival zum Anlass für ein Wiedersehen nutzen.

Freundschaften und Ehen haben sich im Manitu in Forst angebahnt

Mittlerweile weiß der Wirt von etlichen Freundschaften, die vor Ort geschlossen wurden. „Mitunter sind daraus auch Partnerschaften und selbst Ehen entstanden.“ Was den Wirt aber vor allem freut, dass das Manitu in der Musik-Szene inzwischen einen recht guten Ruf genießt. So berichtet er von namhaften Musikern, die große Konzerthallen füllen, aber immer wieder auch gern nach Forst kommen.

Die Liste der Musiker ist lang. Seit der Eröffnung im Jahr 1999 sind knapp 280 unterschiedliche Bands in der Location aufgetreten. So etwa die britische Hard-Rock-BandNazareth oder Inga Rumpf – die sogenannte Grande Dame der deutschen Soul- und Blues-Szene. Denn im Manitu erklingen regelmäßig nicht nur harte Töne, sondern auch entspannte Blues-Musik.

Konkurrenz für den Rosengarten?

Das „Wigwam Getöse“ findet unmittelbar vor dem Ost-Rock Open Air im Forster Rosengarten statt. Am 19. August treten dort die Ost-Rocker Silly, Maschine und Toni Krahl auf. Als Konkurrenz möchte Manitu-Wirt Frank Pfitzmann diese Veranstaltung aber nicht sehen. „Bei uns wird zwar auch immer wieder mal Ost-Rock gespielt, aber bei unserem Festival wird Rock der etwas härteren ‚Gangart‘ gespielt.“ Vielmehr freut es Pfitzmann, dass diese Musikveranstaltungen ein Stück weit Werbung für Forst und seine Rock-Events machen. Schließlich sei es nicht verkehrt, wenn überregionale Rock-Fans erkennen, was in Forst musiktechnisch so gehe.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft pflegen die Betreiber ein freundschaftliches Verhältnis zu zahlreichen Musikern. „Offensichtlich müssen wir etwas richtig machen und deshalb melden sich die Musiker auch bei uns für einen Auftritt.“ So wurde Pfitzmann neulich etwa von Uli Jon Roth kontaktiert, der kurzerhand nun ebenfalls beim „Wigwam Getöse“ spielen wird. Roth war einst Lead-Gitarrist bei den Scorpions und gilt laut Fachleuten zu den fünf besten Gitarristen der Welt.

„Ich fasse es noch immer nicht, dass Roth kommt“, freut sich der 55-Jährige. Selbstverständlich sei ein Foto mit dieser Ikone Pflicht, heißt es weiter. Dabei möchte der Wirt die anderen Bands im diesjährigen Lineup keineswegs unter Wert verkaufen. „Zwar werden Ost Front, Heldmaschine oder Blitz Union nicht im normalen Radio gespielt, aber in der Szene genießen sie schon einen recht guten Ruf.“

Bis zu 1.000 Gäste werden beim Musikfestival in Forst erwartet

Aufgrund der Bands rechnet die Familie Pfitzmann auch in diesem Jahr mit knapp 800 bis 1.000 Gästen. Überlaufen wird das Manitu dadurch aber trotzdem nicht, da das gesamte Areal gut 30.000 Quadratmeter groß ist. Genug Platz also für die diejenigen, die rocken wollen, aber auch für die Gäste, die der Musik entspannt aus der Ferne lauschen und sich währenddessen mit den anderen Musikenthusiasten unterhalten wollen.

Oder einfach zum kurz ausruhen, denn bereits um 15 Uhr startet das Musikfestival. „Angesetzt ist es bis 2 Uhr nachts und bei dieser Dauer kann man schon mal eine Pause gebrauchen.“ Da Pfitzmann das Durchschnittsalter der Gäste zwischen 40 und 60 Jahren schätzt, sei eine kurze Verschnaufzeit während des Events durchaus legitim.

Parallel wird der 24. Geburtstag des Manitu in Forst gefeiert

Auf jeden Fall freuen sich der Manitu-Wirt und sein Team schon jetzt auf das Event. Auch vor dem Hintergrund, dass die Location damit auch jährlichen Geburtstag feiert – in diesem Jahr zum 24. Mal. „Trotzdem werden die kommenden Tage noch richtig stressig und lang, bevor ich danach einmal mehr drei Kreuze machen werde“, so Frank Pfitzmann schmunzelnd.