Das Telefon von Denis Kettlitz klingelt im Minutentakt. Der Cottbuser steht dem Förderverein Cottbuser Parkeisenbahn vor und organisiert gerade mit zahlreichen Unterstützern einen Hilfstransport in die Ukraine. Die Lieferung geht nicht an Fremde, sondern an Freunde. Denn die Parkbahner pflegen seit vielen Jahren enge Beziehungen mit der Kindereisenbahn in Saporischschja.
Vor einer Woche erreichte die Cottbuser ein Hilferuf aus dem Krisengebiet. Schon am Samstag wollen die Cottbuser mit einem kleinen Hilfskonvoi zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren.
Denis Kettlitz atmet tief durch. „Ich bin richtig stolz auf unsere Menschen“, sagt er. „Wir erleben eine große Herzenswärme und Solidarität.“ Seit Tagen packen die Helfer Kisten. Kaufen ein, organisieren den Transport. Mindestens vier Kleintransporter und zwei Lkw werden die Parkbahner mit Spenden füllen können und auf den Weg schicken.

Hilferuf aus Saporischschja mit konkreter Wunschliste

Doch die vergangenen Tage haben auch gezeigt, dass nicht jede gut gemeinte Unterstützung der Sache wirklich hilft. So werden die Parkbahner vor allem mit Kleiderspenden überhäuft. Das sei längst zu viel geworden. „Das wird derzeit nicht gebaucht“, erklärt Denis Kettlitz. Der Hilferuf aus Saporischschja erreichte Cottbus mit einer Wunschliste.
Was die wahren Probleme vor Ort sind, lässt sich daraus leicht ablesen. Darauf stehen ganz oben Medikamente, medizinische Hilfsmittel, Kompressen und Lebensmittelkonserven. „Aber auch Taschenlampen, Powerbanks – also mobile Akkus – , Damenhygiene-Artikel und Babynahrung werden gebraucht“, zählt Denis Kettlitz auf.
Die Partnerstadt Saporischschja der Cottbuser Parkbahner liegt ganz in der Nähe der umkämpften Gebiete in der Südukraine.
Die Partnerstadt Saporischschja der Cottbuser Parkbahner liegt ganz in der Nähe der umkämpften Gebiete in der Südukraine.
© Foto: DPA, QUELLE: u. a. dpa, Rochan Consulting, Institute for the Study of War, Ukrainische Behörden
Um den Ernst der Lage in Saporischschja zu verstehen, reicht ein Blick auf eine Landkarte, auf der der aktuelle Frontverlauf eingezeichnet ist (siehe Grafik). Saporischschja liegt am Dnepr im Süden der Ukraine. Die derzeit stark umkämpften Städte Cherson und Melitopol sind 300 beziehungsweise nur 125 Kilometer entfernt. Die Lage für die 750.000 Einwohner von Saporischschja wird täglich schwieriger.

Die beste Hilfe für die Ukrainer ist die Geldspende

Deshalb muss der Transport schnell auf den Weg gehen. Samstag um 5 Uhr ist Abfahrt in Cottbus. Aber auch die Fahrzeuge kosten. Sie brauchen Diesel. Dazu kommen Maut-Gebühren. Denis Kettlitz: „Und wir hören, dass es selbst in der Ukraine kaum noch Diesel gibt, weshalb wir jetzt überlegen, ob wir zusätzliche Kanister mit auf den Weg schicken.“ Dafür brauchen die Parkbahner Geld. Ihr Spendenkonto ist innerhalb weniger Tage auf 4500 Euro angewachsen. Und genau das sei auch die beste Hilfe derzeit, betont Denis Kettlitz.
Ähnliche Einschätzungen kommen von der Caritas Cottbus. Regionalleiter Markus Adam unterstreicht: „Geldspenden sind im Moment das Effektivste, weil wir gezielt das einkaufen können, was in den Einzelfällen gebraucht wird.“ Er liefert gleich ein Beispiel: So habe die Caritas ein Anruf von einem Helfer erreicht, der in Polen mehrere Ukrainer in sein Auto geladen hat, in drei Stunden in Cottbus ankommt, um danach weiter in Richtung Osnabrück zu fahren. „Er hat eine ältere gehbehinderte Frau dabei und braucht einen Rollstuhl“, erzählt Markus Adam. „Also gehen wir zum nächsten Sanitätshaus und besorgen einen.“

Kleiderlager der Wohlfahrtsverbände sind bis an den Rand gefüllt

Der Regionalleiter betont: „Wir können im Moment nicht verlässlich sagen, was gebraucht wird. Das ist individuell sehr unterschiedlich.“ Seine Kollegin Susanne Riepe ergänzt: „Geld klingt im ersten Moment nicht herzenswarm, aber es hilft wirklich.“ Auch das Kleiderlager der Caritas sei bis an den Rand gefüllt. Mehr passe einfach nicht hinein.
Private Sammelaktionen von Kleidung, Bettwäsche und Spielsachen seien gut gemeint, aber nicht zielführend. Die Enttäuschung bei den Lausitzern, deren Angebote auf keinem Hilfstransport mitgenommen werden, weil sie nicht wirklich gebraucht werden, ist schon groß.
Kommentar zu Spenden für die Ukraine Mit dem Herzen, aber nicht kopflos

Cottbus

Markus Adam gibt auch deshalb einen kleinen Hilfskompass: „Wer gern den Menschen vor Ort in Cottbus helfen will, sucht sich am besten vertrauensvolle Partner aus. Das können die Wohlfahrtsverbände sein, aber auch Initiativen, die man persönlich kennt.“
Wer direkt im Krisengebiet in der Ukraine, aber auch den Nachbarländern helfen will, sollte sich an die internationalen Hilfsorganisationen wenden. Auch dort sei jeder Cent wichtig. „Oder aber man kennt private Initiativen, die einen direkten Kontakt in die Ukraine haben und bei denen man sicher sein kann, dass die Hilfsgüter auch von A nach B kommen.“

Zugewandtheit und Gastfreundschaft im Alltag ebenso wichtig

Susanne Riepe von der Caritas lenkt den Blick weiter. „Geld und Sachspenden sind das eine, aber man kann auch zu den Menschen gehen und ihnen im Alltag helfen und einfach zuhören.“ Das klinge simpel, sei aber nicht zu unterschätzen. Unter psychischer Belastung leideten auch ältere Menschen, die selbst den Krieg erlebt haben und sich nun ängstigen. Die Berichte aus der Ukraine reißen aber auch bei Geflüchteten aus anderen Krisengebieten, wie etwa Syrien oder Afghanistan, alte Wunden auf. Markus Adam: „Gastfreundschaft und ein zugewandtes Miteinander sind deshalb genauso wichtig.“
Über die Lage in der Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

Auch die Stadt Cottbus bittet um Geldspenden

Auch aus Sicht der Stadt Cottbus ist momentan Geld die beste Unterstützung für Hilfsprojekte in der Ukraine und für Ukrainer auf der Flucht. Das erklärt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Auf der Internetseite www.cottbus.de finden sich die Projekte, die von der Stadt unterstützt werden. Der Stadtsprecher ergänzt: „Was sich an Bedarfen ergibt, wenn tatsächlich mehrere Hundert Menschen nach Cottbus kommen, werden wir dann sehen und gegebenenfalls unsere Aufrufe präzisieren.“