Zugegeben: Jedem stockt der Atem angesichts der Nachrichten vom Angriff russischer Streitkräfte auf die Ukraine. Diesem Schrecken folgt bei vielen Menschen der Reflex, schnell helfen zu wollen. Und das ist etwas ganz Wunderbares und zutiefst Menschliches. Dieser erste Impuls darf aber nicht in unüberlegten Aktionismus ausarten. Der wird weder der Lage, noch den Bedürfnissen der Menschen auf der Flucht oder im Krisengebiet gerecht.
Auf unsere Köpfe fallen keine Bomben. Wir haben also Gelegenheit, durchzuatmen und genau abzuwägen, was jetzt wirklich hilfreich ist. Und das sind eben nicht die Kleider und Spielsachen, mit denen vielerorts die Hilfsorganisationen überschwemmt werden. Von der polnisch-ukrainischen Grenze gibt es erste Berichte von zurückgekehrten Helfern, dass dort die Kleider auf wachsenden Haufen liegen bleiben.

Vertriebene aus der Ukraine werden länger in der Fremde bleiben

Gebraucht werden dagegen blutstillende Medikamente, Konserven, Taschenlampen und mobile Akkus zum Aufladen von Handys und Laptops. Die meisten Menschen dürften davon nicht allzu viel im Schrank haben. Ergo: Es hilft jeder Cent, der an internationale Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbände gespendet wird, aber auch an lokale Initiativen mit direkten Kontakten in die Ukraine. Jetzt muss nur jeder Einzelne entscheiden, wem er Vertrauen schenkt, dass das Geld auch bei den Bedürftigen ankommt.
Einfach das Portmonee zu öffnen, mag vielen als herzlos erscheinen. Wer das so sieht, kann sich mit Sicherheit in den nächsten Wochen und Monaten in seiner Heimatstadt engagieren, wenn es darum geht, den Geflüchteten vor Ort zu helfen. Denn vermutlich werden die Vertriebenen aus der Ukraine länger in der Fremde bleiben müssen, als es ihnen lieb ist.

Cottbus