Die Verkaufsgespräche zum einzigen ostdeutschen Haribo-Werk sind gescheitert. Die Geschäftsführung des Süßwaren-Herstellers teilte mit, sie habe entschieden, die Verkaufsverhandlungen um die Immobilie des Werks in Wilkau Haßlau (Westsachsen) zu beenden.
Laut einer Mitteilung von Haribo vom Montag, 1. März, will das Unternehmen nun mit der Stadtverwaltung der Kleinstadt nahe Zwickau über eine anderweitige Entwicklung des Firmengeländes sprechen.
„Nachdem kein Kaufangebot für das Areal abgegeben wurde, halten wir es für richtig, die Fläche im Sinne der Bürger zu nutzen“, sagte Haribo-Chef Hans Guido Riegel laut Mitteilung.

Haribo verhandelte mit Katjes über das Werk in Sachsen

Zuletzt hatte es Kaufverhandlungen mit dem Haribo-Wettbewerber Katjes gegeben. Das Unternehmen hatte sein Interesse an einer Übernahme des Betriebs bekundet. Ende Februar hatten sich Vertreter von Katjes und Haribo in Wilkau-Haßlau getroffen und das Werk besichtigt.
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Zwickau

Haribo hatte das Werk Ende 2020 geschlossen und die Produktion eingestellt. Von einst rund 150 sind laut dem Unternehmen noch 119 Mitarbeiter verblieben, für die ein Sozialplan entwickelt worden sei. Knapp 80 Mitarbeitende hätten entweder eine neue Anstellung gefunden oder gingen in den Ruhestand.
„Wir sind aufgrund der positiven Lage am Arbeitsmarkt in der Region sehr zuversichtlich, dass wir zeitnah die meisten Mitarbeitenden wieder in neue Anstellungen bringen – das zeigt die Entwicklung der letzten beiden Monate sehr deutlich“, sagte Haribo-Chef Riegel.
Das Süßwaren-Unternehmen hat den Beschäftigten in Sachsen nach eigenen Angaben außerdem Arbeitsplätze in anderen Haribo-Werken angeboten. Dies hat nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Maik Pörschmann bisher jedoch kein Beschäftigter angenommen, wie Pörschmann der Lausitzer Rundschau sagte.

Gewerkschaft gibt Haribo die Schuld am Scheitern des Verkaufs

Das Scheitern des Verkaufs sei allein Haribo anzukreiden, sagte Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Lißner erläuterte laut einer Mitteilung der NGG, dass das Unternehmen über Jahre Gewinne aus dem Standort herausgezogen, aber Investitionen unterlassen habe.
„Das macht ungeheuer wütend. Ein Unternehmen, dessen Eigentümer zu den reichsten Deutschen gehört, radiert mit einem Federstrich über hundert Jahre Süßwarentradition aus“, sagte Lißner demzufolge. Der Gewerkschafter kündigte einen Arbeitsmarktgipfel für die Haribo-Beschäftigten an, an dem auch der Bürgermeister von Wilkau-Haßlau, Stefan Feustel (CDU), teilnehmen soll.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, mutmaßte, dass die Investorengespräche reine Hinhaltetaktik der Haribo-Geschäftsführung gewesen seien, „um den Protest kleinzuhalten und die Situation schönzureden“. Zimmermann, deren Wahlkreis in Zwickau ist, sagte, es sei noch immer nicht zu fassen, dass ein profitabler Standort einfach so geschlossen werde, weil Haribo Modernisierungskosten scheue.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kritisierte die Entscheidung von Haribo. „Wir haben eine kooperative, lösungsorientierte Haltung von Haribo erwartet“, schrieb Dulig auf Twitter. Hier sei eine Chance vertan worden. Dulig hatte sich für die Übernahme des Werks durch Katjes eingesetzt.
Der Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber warf Dulig vor, mit seinen Äußerungen zu Katjes Anfang Februar falsche Erwartungen geweckt zu haben. „Etwa zwei von drei Beschäftigten arbeiten bereits in neuen Jobs“, sagte Körber. Er sei zuversichtlich, dass nun auch für die verbliebenen 39 Mitarbeitenden ein Angebot in der Region gefunden werde.

Haribo-Chef: Werksgelände in Sachsen wird weiterentwickelt

Körber lobte, das Haribo weiter Verantwortung in Wilkau-Haßlau trage. So habe sich das Unternehmen bereiterklärt, zwei Jahre lang die Gewerbesteuerausfälle auszugleichen. Der Bundestagsabgeordnete verwies außerdem auf das Angebot von Haribo, das Werksgelände in Wilkau-Haßlau gemeinsam mit der Stadt weiterzuentwickeln. Laut Haribo-Chef Riegel stehen dabei ökonomische Interessen des Unternehmens „ausdrücklich nicht im Vordergrund“.