Haribo in Sachsen
: So wehren sich Beschäftigte gegen die Werksschließung

In der Stadt Wilkau-Haßlau, Standort des Süßwaren-Herstellers Haribo, organisieren Bürgermeister, Gewerkschafter, Politiker und Beschäftigte Widerstand gegen die Werksschließung. Der Stadtverwaltung geht es nicht nur um die Arbeitsplätze.
Von
dpa, oht
Wilkau-Haßlau
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Haribo in Sachsen: Hier werden Goldbären der Marke Haribo verarbeitet. Schon zu DDR-Zeiten wurden in Wilkau-Haßlau Gummibärchen - auch für den West-Export - hergestellt. Das Foto stammt aus dem Jahr 2001.

Wolfgang Thieme/dpa

Gegen die angekündigte Schließung des Haribo-Werks im sächsischen Wilkau-Haßlau bei Zwickau formiert sich Widerstand. Am Donnerstag, 12. November, will der Bürgermeister der Stadt gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sowie weiteren lokalen Akteuren beraten.

„Die unternehmerische Entscheidung, den Standort zu schließen, ist für uns nicht nachvollziehbar“, teilt Bürgermeister Stefan Feustel mit. Die Stadträte unterstützten seine Forderung, die Arbeitsplätze am hiesigen Standort zu erhalten. „Die Entscheidung Haribos ist definitiv eine Fehlentscheidung“, sagt Feustel.

Nun soll es bei der Beratung in Wilkau-Haßlau darum gehen, wie der einzige Haribo-Standort im Osten Deutschlands erhalten werden kann. „Wir wollen verschiedene Kräfte sammeln und bündeln. Wenn wir gemeinsam aktiv werden, gibt es die Möglichkeit, das Werk zu retten“, sagte NGG-Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner.

Haribo in Sachsen: Treffen gegen Werkschließung im Rathaus

Das Treffen zur Rettung von Haribo in Sachsen findet im Rathaus von Wilkau-Haßlau statt. Ihre Teilnahme zugesagt haben demnach unter anderem der Vorsitzende des DGB Südwestsachsen, Ralf Hron, und die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die Zwickauer Kreisvorsitzende des DGB hatte die Pläne mit Bekanntwerden scharf kritisiert.

Das Werk binnen weniger Wochen inmitten der Corona-Krise zum Jahresende zu schließen, sei ein Schock für die ganze Region, sagte Zimmermann. Betroffen sind rund 150 Beschäftigte. Ihnen hat Haribo einen Sozialplan sowie den Wechsel auf Arbeitsplätze in den Westen in Aussicht gestellt.

Nach Angaben des Bürgermeisters soll die Produktion von Sachsen nach Grafschaft in Rheinland-Pfalz ausgelagert werden. Einen Umzug 450 Kilometer weit entfernt in den Westen hält Feustel laut Mitteilung für unzumutbar und nach eigenen Angaben keinesfalls für sozialverträglich.

Haribo: In Wilkau-Haßlau geht es auch um Steuereinnahmen

Haribo ist einer der letzten größeren Arbeitgeber in der Kleinstadt Wilkau-Haßlau mit rund 10.000 Einwohnern. An dem Standort in Sachsen wurden schon in der DDR Gummibärchen hergestellt und in den Westen geliefert. Der Betrieb war volkseigen und hieß Wesa. 1990 ging der Betrieb dann an Haribo.

Für die Stadt Wilkau-Haßlau hat die Werksschließung von Haribo finanzielle Folgen. Haribo sei einer der größten Gewerbesteuerzahler in der Stadt, teilt der Bürgermeister mit: „Zukünftig klafft eine riesige Lücke im städtischen Haushalt.“

Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Bonn und bislang fünf Standorten in Deutschland will das ostdeutsche Werk schließen, weil es nicht mehr wirtschaftlich sein soll. Für das Werk wären unverhältnismäßig hohe Investitionen nötig, um die Produktionsabläufe auf die künftigen Anforderungen auszurichten, hieß es bei Haribo.

Eine Online-Petition von Beschäftigten bei openPetition gegen die angekündigte Werksschließung in Sachsen hat bis zum 11. November mehr als 7800 Unterstützer gefunden.