Haribo in Sachsen: Gewerkschaft startet Demo gegen Werksschließung

Haribo in Sachsen: Ein Ein LKW mit Haribo-Beschriftung fährt am Rathaus in Wilkau-Haßlau vorbei. Der Bürgermeister hat ein Plakat ans Rathaus gehängt. Er setzt sich für den Erhalt des Haribo-Werks in der Stadt ein.
Sebastian Willnow/dpaDie Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ruft zusammen mit Vertretern aus der Politik zu einer Kundgebung für den Erhalt des Haribo-Werks in Sachsen auf. Die Demo ist am Samstag, 21. November 2020, um 14 Uhr auf dem Kornmarkt in Zwickau unter Einhaltung der bestehenden Hygienebestimmungen geplant.
Anlass: Die Geschäftsführung des Süßwaren-Herstellers Haribo in Bonn will den einzigen ostdeutschen Produktionsstandort zum Jahresende 2020 dichtmachen. Dort arbeiten rund 150 Beschäftigte.
Die Kundgebung solle aus der Region das klare Signal zur Unternehmenszentrale in Grafschaft bei Bonn senden: Das Haribo-Werk in Wilkau-Haßlau müsse erhalten bleiben, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner laut Pressemitteilung.
Gewerkschaft: Haribo-Goldbär ist auch ein Sachse
„Der Goldbär ist auch ein Sachse“, sagt Lißner. Er spielt darauf an, dass in Wilkau-Haßlau seit mehr als 100 Jahren Süßwaren produziert werden. Zu DDR-Zeiten wurden dort Gummibärchen auch für den West-Export hergestellt. Seit 1990 befindet sich das ehemalige Wesa-Werk im Eigentum von Haribo.
Laut NGG unterstützen der Bürgermeister von Wilkau-Haßlau, Stefan Feustel (CDU), die Bürgermeisterin von Kirchberg, Dorothee Obst, die Bundestagsabgeordneten Carsten Körber (CDU) und Sabine Zimmermann (Linke) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und weitere Akteure den Kundgebungsaufruf.
Auch Vertreter aus der Landes- und Bundespolitik sind demach angefragt. Laut NGG hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in die Debatte um den Standort von Haribo in Sachsen eingeschaltet. Kretschmer habe bereits mit der Geschäftsführung des Süßwarenherstellers gesprochen. Als Nächstes wolle man auf die Eigentümerfamilie zugehen, sagte der Bürgermeister von Wilkau-Haßlau, Stefan Feustel.
Haribo-Werk: Land Sachsen macht Angebot an Eigentümer
Zuvor hatte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) an Haribo appelliert, die Schließung des Standortes abzuwenden. Er habe dem Geschäftsführenden Gesellschafter Guido Riegel angeboten, gemeinsam Alternativen zur Schließung zu erörtern, hieß es. So könne der Freistaat in den Bereichen Innovation und Investition unterstützen.
Nach Angaben des DGB hat Haribo am Standort Wilkau-Haßlau zuletzt rund 27 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Die Gewinne seien jedoch im Wesentlichen an den Stammsitz in Grafschaft abgeflossen. Zimmermann zufolge seien das 2018 rund 2,6 Millionen Euro gewesen.
Laut dem Betriebsrat bei Haribo in Wilkau-Haßlau ist „im Kern (...) an den Maschinen seit der Wende nichts passiert“. Das sagt der Betriebsratsvorsitzende, Maik Pörschmann. Dennoch seien alle Anlagen am kleinsten der fünf deutschen Haribo-Standorte voll im Einsatz.
So begründet Haribo die Werksschließung in Sachsen
Das Familienunternehmen hat die angekündigte Schließung damit begründet, dass das Werk nicht mehr wirtschaftlich sei. Den Mitarbeitern sind laut einer Unternehmenssprecherin sozialverträgliche Lösungen in Aussicht gestellt worden. Dazu zählt das Angebot, an einem der vier Standorte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz einen Job zu bekommen.
„Absolute Sauerei“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Lißner dazu und begründet seine Ablehnung damit, dass die betroffenen Beschäftigten dann mehr als 400 Kilometer entfernt von zu Hause arbeiten müssten.
Laut Bürgermeister Feustel ist Haribo einer der letzten größeren Arbeitgeber in Wilkau-Haßlau. Auch für die Stadtkasse wäre das Aus des Süßwaren-Werks ein herber Schlag: Etwa ein Drittel der Gewerbesteuereinnahmen von vier Millionen Euro zahle der Goldbären-Produzent.
Bei einer Online-Petition auf der Plattform openPetition für den Erhalt des Haribo-Standorts in Sachsen haben sich mittlerweile (Stand Freitagmittag, 13. November) mehr als 10.000 Unterstützer beteiligt.


