Mehr als jeder zweite Flüchtling in der Europäischen Union ist zwischen 18 und 34 Jahre alt. Hochschulen spielen deshalb bei der Integration von Asylbewerbern eine besondere Rolle – und Deutschland schlägt sich dabei im Vergleich zu den anderen EU-Staaten gut. Das bescheinigt die Europäische Kommission der Bundesregierung in einer Untersuchung, auf die Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gegenüber der RUNDSCHAU hingewiesen hat. „Integration durch Bildung braucht einen langen Atem, aber sie kann gelingen“, sagte sie. „In Deutschland sind wir bei der Integration studierfähiger Flüchtlinge in die Hochschulen auf einem guten Weg.“

Die Europäische Kommission betont im „Eurydice“-Bericht, auf den sich die Ministerin bezieht, unter anderem, dass es in keinem zweiten EU-Staat ein so umfassendes Maßnahmenpaket gibt wie in Deutschland. Im Gegenteil: Die Autoren beklagen, „dass es in den meisten Ländern keinen speziellen politischen Ansatz zur Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in die Hochschulbildung gibt“. Allerdings benennen sie auch den Grund dafür: Kein weiteres EU-Land hat in den vergangenen Jahren so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Deutschland. Der Bundesrepublik bleibe deshalb gar nichts anderes übrig, als alle Bereiche aufzurufen, die der Integration dienen können.

Dass das Deutschland gut gelungen ist, hebt auch Karliczek mit Blick auf den Befund der EU-Kommission hervor. „Sie würdigt den umfassenden deutschen Ansatz und den im europäischen Vergleich herausragenden Umsetzungsstand“, betonte die Bildungsministerin. Unterdessen will Karliczek die Maßnahmen weiter ausbauen. Gemeinsam mit Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) hat sie für diesen Freitag 200 Experten ins Bildungsministerium eingeladen, um zu debattieren, wie Hochschulen die Integration Zugewanderter unterstützen können. Ziel ist ein breiter Beteiligungsprozess, dessen Ergebnisse Teil des „Nationalen Aktionsplans Integration“ werden wollen. „Und die Kommission sieht unseren Ansatz auch als Impuls für Initiativen anderer Staaten.“

Schon jetzt gibt es in Deutschland ein umfassendes Maßnahmenpaket, um studierfähige Flüchtlinge zu integrieren. So hat die Bundesregierung  für die Jahre von 2016 bis 2020 dafür 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit Erfolg: Laut Hochschulrektorenkonferenz haben bis zum Wintersemester 2018/2019 mindestens 10 000 Geflüchtete ein reguläres Studium aufgenommen.