Bärbel Bas, Merz und die CDU: Was ist vor dem Rücktritt vorgefallen?

Bundestag - Haushaltswoche: 08.09.2026, Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, l) begrüßt Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, zur Sitzung des Bundestags zu Beginn der Haushaltswoche.
Kay Nietfeld/dpaDer Rücktritt von Bärbel Bas als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende am Montag (12. Oktober) wirft auch Fragen zum Verhältnis zwischen der Sozialdemokratin und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf. In ihrer Rücktrittserklärung beklagt Bas anhaltende öffentliche Angriffe, die auch aus den Reihen des Koalitionspartners gekommen seien. Merz persönlich erwähnt sie in diesem Zusammenhang allerdings nicht.
Dass es zwischen dem Kanzler und seiner bisherigen Arbeitsministerin politische Spannungen gab, ist bereits seit längerer Zeit bekannt. Im Dezember 2025 kritisierte Merz Äußerungen von Bas über Arbeitgeber scharf. Im September 2026 forderte zudem ein einflussreicher CDU-Politiker öffentlich ihren Rücktritt. Ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Auseinandersetzungen und ihrer jetzigen Entscheidung ist jedoch nicht belegt.
Warum gab es Streit zwischen Friedrich Merz und Bärbel Bas?
Ein öffentlich bekannt gewordener Konflikt zwischen Merz und Bas ereignete sich Anfang Dezember 2025. Auslöser war eine Rede der SPD-Politikerin auf dem Bundeskongress der Jungsozialisten (Jusos) in Mannheim.
Bas berichtete dort von ihrem Auftritt beim Deutschen Arbeitgebertag. Dabei habe sie deutliche Ablehnung gespürt, als sie sich für die Absicherung des Rentenniveaus eingesetzt habe. Ihr sei bei der Veranstaltung besonders deutlich geworden, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“, erklärte die SPD-Vorsitzende.
Die Äußerung löste scharfe Kritik aus der Wirtschaft und von Unionspolitikern aus. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warf Bas vor, zum Kampf gegen Arbeitgeber aufzurufen. Auch die Junge Gruppe der Unionsfraktion kritisierte die Aussagen.
Am 2. Dezember 2025 berichteten mehrere Medien, dass sich auch Bundeskanzler Merz in einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion deutlich gegen Bas positioniert habe. Unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung hieß es, Merz habe ihre Aussagen als „inakzeptabel“ bezeichnet.
Die Kritik des Kanzlers bezog sich damit auf die Äußerungen von Bas über die Arbeitgeber. Die SPD-Politikerin hatte ihren Auftritt später erläutert und betont, dass sie sich für Menschen eingesetzt habe, die nach einem langen Arbeitsleben auf eine verlässliche Rente angewiesen seien.
CDU-Politiker Christian von Stetten forderte Rücktritt von Bärbel Bas
Im September 2026 verschärfte sich die Auseinandersetzung zwischen der Arbeitsministerin und Teilen der Union erneut. Am 11. September forderte Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, öffentlich den Rücktritt von Bas.
Von Stetten warf der SPD-Politikerin vor, notwendige Reformen zu verschleppen. Besonders kritisierte er die aus seiner Sicht unzureichenden Fortschritte bei der Bürgergeldreform.
Auch die Doppelrolle von Bas als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende stellte der CDU-Abgeordnete infrage. Das Vorhaben, gleichzeitig Regierungsmitglied und Vorsitzende der aus seiner Sicht reformunwilligen SPD zu sein, sei gescheitert, erklärte er.
Aus der SPD kam deutlicher Widerspruch. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt warf der Union ein „Dauerfeuer gegen Bärbel Bas“ vor. Sie forderte den Koalitionspartner auf, sich stärker auf die Gemeinsamkeiten innerhalb der Bundesregierung zu konzentrieren.
Die Kritik an Bas blieb nicht auf diesen Vorfall beschränkt. Bereits im Dezember 2025 hatte von Stetten die Ministerin wegen ihrer Äußerungen auf dem Juso-Bundeskongress als „Fehlbesetzung“ bezeichnet.
SPD kritisiert Angriffe der Union nach Bas-Rücktritt
Nach der Rücktrittsankündigung erhielt Bas Rückendeckung aus ihrer Partei. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte den Umgang der Union mit der bisherigen Arbeitsministerin.
Schwesig bezeichnete die Angriffe angesichts des persönlichen Trauerfalls von Bas als „unmenschlich“ und „rücksichtslos“. Sie sprach ihrer Parteikollegin zugleich ihr Mitgefühl aus.
Auch SPD-Co-Chef Lars Klingbeil äußerte Respekt für die Entscheidung von Bas. Die Auseinandersetzungen über ihre Amtsführung hatten die Zusammenarbeit zwischen den Regierungsparteien bereits vor ihrem Rücktritt belastet.
