Hiphop-Ball in Berlin
: Ballkleid, Frack und 150 Künstler - so läuft die Premiere ab

InterviewIm Roten Rathaus wird Berlins erster Hiphop-Ball gefeiert. Sajeh Tavassoli berichtet im Interview, wie sie Wiener Tradition mit urbanem Lebensgefühl verbindet. Alles zu Preisen, Essen und Dresscode.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Blick von oben auf den Wiener_Hip_Hop_Ball". In Berlin wird die Veranstaltung erstmals am 15. November 2025 im Roten Rathaus Premiere feiern.

Blick von oben auf den Wiener Hiphop-Ball. In Berlin wird die Veranstaltung erstmals am 15. November 2025 im Roten Rathaus Premiere feiern.

Hannes Winkler

Sajeh Tavassoli hat mit der Vorbereitung für den ersten Hiphop-Ball in Berlin, der am 15. November 2025 stattfindet, alle Hände voll zu tun. Aber für ein Interview über die ungewöhnliche Veranstaltung im Roten Rathaus nimmt sich die 37-jährige Wienerin mit iranischen Wurzeln gerne viel Zeit und bietet sofort das Du an.

Denn dass man in Berlin mit dem Duzen gerne Augenhöhe herstellt, ist nicht das Einzige, was der Hiphop-Ball-Gründerin an der Stadt gefällt, in die sie vor fünf Jahren selbst gezogen ist. Im Interview berichtet Sajeh Tavassoli, wie sie mit ihrer verrückten Idee gesellschaftliche Grenzen aushebeln will.

Hallo Sajeh, Du bringst den ersten Hiphop-Ball nach Berlin. Gibt es einen Dresscode?
Ja, so wie beim Wiener Opernball tragen die Gäste traditionelle Ballkleidung wie Smoking, Frack und Ballkleid, allerdings mit Sneakern an den Füßen. Wir wollen klassische Eleganz mit urbanem Streetstyle kombinieren.

Hiphop-Ball in Berlin – Flying Steps tanzen Walzer

Gilt das auch für die Musikmischung auf dem Ball?
Dort geht es in erster Linie um Hiphop, aber im klassischen Rahmen einer Ballveranstaltung nach Wiener Art. Es gibt eigentlich nur einen Moment, in dem es klassische Musik gibt. Das ist der Eröffnungstanz. Der wird etwas ganz Besonderes. Bei der Eröffnungszeremonie im Roten Rathaus findet eine Weltpremiere des urbanen Walzertanzes statt.

Also müssen die Ball-Gäste vorher üben?
Nein, der Eröffnungstanz wird von 22 Nachwuchstänzern und der Flying Steps Academy gemeinsam mit zwölf Violinisten der Deutschen Sinfonietta aufgeführt. Die Flying Steps haben dafür extra in der Elmayer-Tanzschule, der ältesten Tanzschule Österreichs, Walzer tanzen gelernt. Danach haben die künstlerischen Leiter Elemente aus beiden Welten kombiniert.

In Wien gibt es den Hiphop-Ball schon seit 2016. Wie kamst Du auf die Idee?
Ich bin zwar in Wien mit der Ballkultur aufgewachsen, Strauß, Mozart und Beethoven sind dort eigentlich immer um dich herum. Doch ich hatte trotzdem das Gefühl, nie wirklich dazuzugehören und dass es für diese Ballkultur einen gesellschaftlichen Zugangscode gibt. Hiphop dagegen war eine universelle Sprache, die mich in meiner Jugend aufgefangen hat. So hatte ich 2015 die Idee, die traditionelle Wiener Ballkultur mit meiner eigenen kulturellen Identität zu verknüpfen.

Der Hiphop-Ball ist in Wien inzwischen sehr beliebt.
Ja, zu unserer fünften Auflage in diesem Jahr kamen 1500 Gäste. Dabei war es anfangs gar nicht so einfach, ein Palais zu finden, das Hiphop überhaupt diesen Raum gewähren wollte. Der ist dazu knapp. In Österreich gibt es rund 450 Bälle, gefühlt jeder macht einen, von den Jägern über die Hebammen bis zu den Bäckern.

Sajeh Tavassoli ist die Gründerin des Hiphop-Balls in Wien. Nun startet sie die erste Auflage in Berlin.

Sajeh Tavassoli ist die Gründerin des Hiphop-Balls in Wien. Nun startet sie die erste Auflage in Berlin.

Max Röder

In Berlin habt ihr es gleich ins Rote Rathaus geschafft.
Ja, darüber bin ich sehr froh und stolz. In Berlin sind die Leute so offen, gefühlt jeder hat Bock auf etwas Innovatives. Ich hatte das Glück, meine Idee bei einer Veranstaltung des Capital Clubs dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner persönlich vorstellen zu dürfen, und der war vom ersten Moment an begeistert. Dann hatte ich noch ein Treffen mit ihm, nun ist er Schirmherr des 1. Berliner Hiphop-Balls.

Kommen auch Promis, die sonst auf dem Wiener Opernball zu Gast sind?
Der österreichische Opernsänger Daniel Serafin hat sich angekündigt. Schon zur ersten Auflage haben wir Anmeldungen aus London und Paris. Auch Prominente aus dem Sportbereich werden da sein, wie zum Beispiel Basketball-Olympia-Siegerin Svenja Brunckhorst. Der Basketball-Verband will im Rahmen des Hiphop-Balls sein Maskottchen für die Frauen WM 2026 in Berlin vorstellen.

Hiphop-Ball Berlin – 150 Künstler und zwei Ballsäle

Was erwartet die Besucher noch?
Das Showprogramm in den zwei Ballsälen wird von 150 Künstlern gestaltet, darunter zehn Rapper aus ganz Deutschland. Die Musik bietet alle Facetten des Hiphops und reicht von Soul bis Afro-Beats. Jeder Musiker wird auf den Bühnen seine ganz eigene Geschichte erzählen. Im Wappensaal gibt es zudem eine Graffiti-Ausstellung.

Im Roten Rathaus ist Platz für bis zu 600 Gäste. Wie wird der Altersdurchschnitt sein?
Beim klassischen Wiener Opernball liegt das Alter bei 50 bis 55 Jahre plus. Unsere Kernzielgruppe ist zwischen 28 und 40 Jahre alt. Doch Hiphop bietet für alle Generationen etwas, schließlich ist die Musikrichtung auch schon 50 Jahre alt.

Also kann man sich auf eine lange Nacht einstellen?
Der Ball geht von 19.30 Uhr bis zwei Uhr. Ab 23 Uhr bis sechs Uhr morgens gibt es noch eine After-Show-Party mit drei Dance-Floors im nahen Bricks Club, in die die DJs mitziehen und die nur 25 Euro Eintritt kostet. So können wir das zahlungskräftige und das weniger zahlungskräftige Publikum zusammenbringen.

In den Ball-Kartenpreisen von 150 Euro aufwärts ist ja Essen und Trinken nicht enthalten…
Auch beim Wiener Opernball muss man die Getränke und das Essen extra bezahlen. Beim Berliner Hiphop-Ball kann man zwar vorher noch ein exklusives Dinner dazubuchen, doch auf dem Ball selbst wird es nur Snacks wie Popkorn und Brezeln geben. Die Leute sitzen ja nicht. Bei uns wird eigentlich die ganze Zeit nur getanzt.

Tanzen in Berlin – Sneakers statt Pumps

Dabei machen sich dann auch die Sneakers ganz gut…
Ja, beim Wiener Opernball kann man Falt-Ballerinas bekommen oder man hat ein Wechselpaar Schuhe in der Tasche. Beim Hiphop-Ball dagegen habe ich öfter gerade von den Frauen gehört: „Ich habe schon den ganzen Abend getanzt und mir tun die Füße nicht weh.“

Zur Person

Sajeh Tavassoli wurde 1988 in Teheran, Iran, geboren. Im Alter von fünf Jahren floh sie mit ihren Eltern aus politischen Gründen nach Wien in Österreich. Sie studierte an der Universität Wien Internationale Entwicklung und wollte eigentlich bei der UN anheuern.

Doch dann landete Sajeh Tavassoli beim deutschen Sportartikelhersteller adidas, wo sie über ein Jahrzehnt für das Marketing und die Entwicklung neuer Brands, aber auch für Social Media und Kommunikation zuständig war.

Dieses Handwerk hilft ihr bei der Entwicklung des Hiphop-Balls, den sie langfristig auch in weitere Großstädte bringen will. Mit ihrem fünfeinhalbjährigen Sohn lebt die 37-Jährige in Berlin-Reinickendorf.