Wann öffnet der Flughafen Berlin-Brandenburg?

Der aktuelle Termin für die Eröffnung des neuen Flughafens BER in Schönefeld ist der 31. Oktober. Zehn Tage zuvor will der Bund das neue Regierungsterminal nutzen. Lufthansa und Easyjet sollen die ersten Airlines sein, die am BER landen.

Eine Feier soll es zur Eröffnung nicht geben – sowohl wegen der Pandemie als auch wegen der langen Pannengeschichte des Bauprojekts.

Flughafen Berlin-Brandenburg BER-Probebetrieb mit echtem Bombenalarm

Schönefeld

Wie lange hat sich die BER-Eröffnung verzögert?

Die Planungen für einen neuen Großflughafen für Berlin und das Brandenburger Umland, der die drei bestehenden Airports in Tegel, Tempelhof und Schönefeld ersetzen sollte, begannen nach der Wende in den frühen 1990-er Jahren. 2003 scheiterte der Versuch, das Projekt zu privatisieren und 2007 fertig zu stellen. Beim ersten Spatenstich, der 2006 erfolgte, wurde die Eröffnung des Flughafens für den Herbst 2011 geplant.

Von diesem Termin wurde im Juni 2010 abgerückt, als klar wurde, dass bis dahin nicht alle Anforderungen an den Flughafen erfüllt würden.

Die Serie von entdeckten Mängel und Verzögerungen begann dann spätestens im Frühjahr 2012, als kurz vor dem neuen geplanten Eröffnungsdatum die Probleme mit der Brandschutzanlage bekannt wurden, die fortan zum Synonym für das Projekt wurden.

Was waren die Probleme beim Bau des BER?

Der Flughafen gehört zu den größten Gebäuden Europas und verlangt ein umfassendes Brandschutz-Konzept und komplexe technische Anlagen. 2012 waren die Grund zur Verschiebung der Eröffnung, weil sie nicht für Tests bereit waren. In der Folge wurden immer neue fehlerhafte bauliche Lösungen insbesondere für die Verkabelung des Flughafens bekannt.

Neben dem Thema Brandschutz wies der BER aber auch andere bauliche Mängel auf, unter anderem eine mangelhafte Notstromversorgung und störungsanfällige IT-Infrastruktur.

Und auch innerhalb des Trägerunternehmens, der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, sowie den beteiligten politischen Stellen in Berlin und Brandenburg kam es immer wieder zu Verwerfungen, was sich nicht zuletzt darin äußerte, das während der Bauphase dreimal der Vorstand der Gesellschaft ausgewechselt wurde.

Darüber hinaus musste auch das Kürzel für den Flughafen geändert werden: Die geplante Abkürzung BBI (Berlin-Brandenburg International) war bereits vom indischen Flughafen Bhubaneswar belegt.

Wie viele Passagiere soll der BER abfertigen können?

Die bisher fertig gestellten Terminals 1 und 2 des Flughafens sollen eine Kapazität von 34 Millionen Reisenden pro Jahr haben. Außerdem werden die Abfertigungsanlagen des bisherigen Flughafens Schönefeld auf absehbare Zeit als Terminal 5 des BER weiter betrieben und sollen eine Kapazität von 12 Millionen Passagieren haben.

Am BER sind außerdem Erweiterungen geplant: die Terminals 3 und 4. Deren Bau ist aber erst für das Ende der 2020-er Jahre (Terminal 3) beziehungsweise noch gar nicht konkret terminiert.

Welche Folgen hat die Corona-Pandemie für den BER?

Durch das verringerte Aufkommen von Flugreisenden werden die Kapazitäten des neuen Flughafens in der Pandemie weniger stark ausgelastet als anderweitig der Fall gewesen wäre – aktuell werden in Berlin 25-30 Prozent weniger Flugreisende gezählt als im Vorjahr.

Aber wie die gesamte Luftfahrt-Branche ist auch die Berliner Flughafen-Gesellschaft von der Krise getroffen. Ihr Chef Engelbert Lütke Daldrup kündigte am 28. August an, 400 Arbeitsstellen zu streichen und 50-60 Millionen Euro in diesem und 200 Millionen im nächsten Jahr einzusparen.

Wie ist der Flughafen aus der Lausitz erreichbar?

Die Anreise zum neuen Flughafen soll so wenig wie möglich mit dem Auto erfolgen. Von Beginn an sollen 60 Prozent der Passagiere mit öffentlichen Verkehrsmitteln ankommen, später 70 Prozent. Doch auch die Erreichbarkeit des BER mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es Probleme. So ist der Schönefelder Airport zunächst nur mit einer IC-Verbindung an den Fernverkehr angeschlossen (auf der Strecke Rostock-Berlin-Dresden, die auch durch Elbe-Elster führt).

Einen ICE-Halt gibt es zunächst nicht, die Betreiber haben das gefordert, die Deutsche Bahn will aber zunächst die Resonanz auf der IC-Strecke abwarten. Ansonsten verweist die Bahn auf die Anbindung des Berliner Hauptbahnhofs an den Fernverkehr, von wo eine Regional-Express-Linie (RE 9) in etwa 30 Minuten zum Flughafen fährt.

Aus Cottbus und der Lausitz insgesamt ist der BER damit nicht direkt zu erreichen – mit Ausnahme von Elsterwerda und Doberlug-Kirchhain, deren Bahnhöfe an die IC-Linie angebunden sind. Von überall sonst kommend muss man dort oder in anderen Berliner Bahnhöfen umsteigen.

Auch an das Berliner U-Bahn Netz ist der Flughafen nicht angeschlossen – die U7 fährt auch bisher nicht nach Schönefeld, sondern nur Rudow, wo man in Busse umsteigen muss. Eine Verlängerung der Linie wird diskutiert.

Die Linien der Berliner S-Bahn zum Flughafen Schönefeld wird zum BER verlängert, unklar ist noch, welche Konditionen für Fahrten zwischen den Terminals gelten. Für den Bahnhof Schönefeld bedeutet das eine Herabstufung zum reinen S-Bahnhof.

Aus verschiedenen Teilen Berlins fahren Busse zum BER.

Für den Autoverkehr ist der Flughafen über die A113 zu erreichen, der Anschluss dafür liegt nördlich des Autobahndreiecks Waltersdorf, zu dem die A13 und A15 aus der Lausitz führen.

Was passiert mit den anderen Berliner Flughäfen?

Schon die Schließung des Flughafens Tempelhof geschah 2006 im Rahmen der Neuplanung der Berliner Flughäfen.

Die Schließung des Flughafens Tegel wurde dagegen mit der Eröffnung des BER immer wieder verschoben und ist nun für den 10. November geplant. Nach dem Einbruch der Zahl der Flugreisenden hatte es in diesem Jahr auch Überlegungen für eine vorzeitige Schließung gegeben, die aber verworfen wurden.

Schönefeld wird als Teil des BER weiter genutzt.

Welche Kritik gibt es an dem Flughafen-Standort?

In der Standortsuche für den neuen Flughafen fiel nach einem kontroversen Prozess die Entscheidung dafür 1996 auf Schönefeld. Dabei hatten vorangehende Untersuchungen dem Standort in den Aspekten der Lärm/Umweltbelastung und technischen Flughafenplanung schlechteste Noten ausgestellt haben.

Insbesondere wegen der Lärmbelastung durch den Flugverkehr protestierten Einwohner der betroffenen Orte. Sie hatten mit juristischen Verfahren gegen die Planung, den Bau und die Eröffnung des Flughafens aber keinen Erfolg.

Für von erhöhtem Fluglärm Betroffene gibt es die Möglichkeit, den Schallschutz in ihren Häusern verbessern zu lassen, wobei die Flughafengesellschaft die Kosten dafür übernimmt. Von den 26 000 Berechtigten Haushalten haben aber bis Mitte August erst 22 000 entsprechende Anträge gestellt, bei einem noch deutlich kleineren Teil sind die Arbeiten dafür bisher abgeschlossen worden.

Was passiert beim BER-Probebetrieb?

Flugzeuge starten und landen am BER in dem Testbetrieb noch nicht. Dafür werden die Abfertigungs-Abläufe von Beschäftigten des Flughafens und der Airlines sowie freiwilligen Komparsen getestet.

Anfang August wurde die Sicherheitszone der Abfertigung einer tiefgreifenden Durchsuchung unterzogen (sogenanntes Cleaning).