Corona-Impfstoff
: Brandenburg soll zum Impfstart 10 000 Dosen erhalten

Die EU-Kommission hat den Corona-Impfstoff von Biontech zugelassen. Brandenburg will bald mit den Impfungen beginnen. Es wird aber zunächst nur die Hälfte der ersten Lieferung verwendet.
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DPA, jk
Potsdam
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„Ich denke, es ist eine gute Zahl, dass wir überhaupt in das Impfen einsteigen können“, sagte Michael Ranft, Staatssekretär im Gesundheitsministerium. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Soeren Stache

Mit rund 10 000 Impfdosen will Brandenburg am 27. Dezember mit den ersten Impfungen in Pflegeheimen und Krankenhäusern beginnen - soweit es bei der Auslieferung nicht zu Verzögerungen kommt. Das bestätigte das Gesundheitsministerium.

„Ich denke, es ist eine gute Zahl, dass wir überhaupt in das Impfen einsteigen können“, sagte Michael Ranft, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, im rbb-Inforadio. Es werde fest davon ausgegangen, dass Stück für Stück die Tranchen, die das Land Brandenburg erhalte, stiegen.

Nach Angaben des Ministeriums sollen damit zunächst 5000 Brandenburger und Brandenburgerinnen geimpft werden. „Solange wir nicht sicher wissen, dass wir eine zweite Lieferung bekommen, müssen wir 50 Prozent des Impfstoffs zurückhalten, damit wir, wie vorgesehen, zwei Mal impfen können“, sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse.

Erste Corona-Impfungen in Pflegeheimen

Erste Termine für Pflegeheime stehen bereits; am 27. soll ein mobiles Impfteam in einem Heim im Landkreis Oberspreewald-Lausitz Bewohner und Mitarbeitende impfen, anschließend ist dann ein Heim im Havelland und eines in Cottbus an der Reihe, bevor dann Krankenhäuser im schwer vom Coronavirus betroffenen Süden des Landes die Nächsten sind.

Anfang Januar sollen dann die Impfzentren in Cottbus und Potsdam an den Start gehen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes Brandenburg wird ab dem 4. Januar dann die Online-Terminvergabe für Pflegeheime freigeschaltet werden. Von einer Impfung beim Hausarzt geht Ranft Ende des ersten, Anfang des zweiten Quartals aus.

Aus Sicht des Hartmannbundes Brandenburg sollten Ärzte früher gegen das Coronavirus geimpft werden. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass Ärztinnen und Ärzte, die Corona-Patienten versorgen und damit potenziell Multispreader darstellen, nun erst mit nachgeordneter Priorität geimpft werden sollen“, so der Vorsitzende Hanjo Pohle.

Corona-Infektionen in Brandenburg angestiegen

Auch am Montag stiegen die Corona-Infektionen landesweit wieder. Innerhalb von 24 Stunden wurden 805 neue Fälle nach Ministeriumsangaben gemeldet, nach 707 Infektionen am Sonntag. Insgesamt kamen 18 neue Todesfälle im Land hinzu. Damit starben seit März 771 Menschen im Zusammenhang mit Corona. Hotspot bleibt der Süden Brandenburgs.

Trotz Verlegungen von Corona-Patienten nach Berlin und Sachsen-Anhalt bleibt die Lage in den Krankenhäusern in Südbrandenburg angespannt. „Wir sind schon wieder am Limit“, sagte Anne Holzschuh, Sprecherin am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, der Deutschen Presse-Agentur. Den Angaben zufolge werden in der Klinik derzeit 64 Covid-Patienten behandelt, davon 16 auf der Intensivstation.

Auch im Klinikum Niederlausitz ist die Situation weiter kritisch, wie Sprecherin Kristin Dolk bestätigte. Die Zahl der Covid-19-Patienten stieg demnach von 43 auf durchschnittlich 45 Patienten pro Tag. Beide Krankenhäuser haben Hilfeaufrufe nach freiwilligen Helfern gestartet.

EU-Kommission erteilt Corona-Impfstoff von Biontech Zulassung

Die EU-Kommission erteilte dem Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer die Marktzulassung. „Heute fügen wir dem Kampf gegen Covid-19 ein wichtiges Kapitel hinzu“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel. Zuvor hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) grünes Licht für die Zulassung gegeben. Damit steht dem Beginn der Impfungen in der EU nichts mehr im Wege.

In Deutschland sollen die ersten Dosen am 27. Dezember gespritzt werden. Bis dahin soll das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut die Impfchargen prüfen und freigeben. Die erste Lieferung von Impfdosen von Biontech soll am 26. Dezember in Deutschland eintreffen. Erwartet werden 151 125 Impfdosen, wie die Berliner Gesundheitsverwaltung mitteilte, nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Gesundheitsministerkonferenz informiert hatte.

Impfstoff soll auch gegen Corona-Mutation wirken

EMA-Direktorin Emer Cooke sagte in Amsterdam: „Das ist wirklich eine historische wissenschaftliche Leistung.“ Sie warnte aber davor, dass der Wendepunkt der Pandemie noch nicht erreicht sei. Die Behörde rechne aber damit, dass der Impfstoff auch gegen die neu aufgetretene Coronavirus-Variante wirksam ist. „Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen Beweis für die Annahme, dass der Impfstoff nicht gegen die neue Variante wirken könnte“, sagte die Direktorin. Darüber müssten aber noch mehr Informationen gesammelt werden.

Der Impfstoff ist bereits unter anderem in Großbritannien, den USA und Kanada zugelassen. Er hat nach Angaben der EMA eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent und wird für Personen ab 16 Jahren empfohlen. Nach Angaben der EMA wurden bereits rund 270 000 Personen mit dem Stoff geimpft, und es habe bislang nur vereinzelt Fälle von allergischen Reaktionen gegeben, meist mild.