Air Defender 23 beendet: Bleiben die US-Kampfflugzeuge in Europa zurück?

Ein F-16 Kampfflugzeug der US Air Force startet am Rande eines Pressetermins zum Abschluss des Luftwaffen-Manöver Air Defender 2023 auf dem Luftwaffenstützpunkt in Jagel.
Daniel Reinhardt/dpa1808 Flüge – so lautet die Bilanz des Groß-Manövers Air Defender 23 nach zwei Wochen im Luftraum über Deutschland. Rund ein Drittel davon fand laut Angaben der Bundeswehr im Übungsraum Ost statt, also über Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
250 militärische Flugmaschinen, vom Transporter bis zum Kampfjet, hatten die 25 beteiligten Nato-Staaten dafür nach Deutschland gebracht. Rund 100 davon wurden direkt aus den USA eingeflogen, was das Manöver zur „größten Verlege-Übung von Luftstreitkräften seit Bestehen der Nato“ gemacht hat.
Air Defender 23: So fällt die Bilanz aus
Nun sind die Übungen nach zwei Wochen abgeschlossen – zur Zufriedenheit der deutschen Luftwaffe, die das Groß-Manöver ausgerichtet hat. „Wir haben ein starkes Zeichen an uns selber gesetzt, dass wir in der Lage sind, dieses Bündnis zu verteidigen“, erklärte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, zum Abschluss am Freitagmorgen.
Mehr als 90 Prozent aller Übungsflüge seien wie geplant durchgeführt worden. Das sei für eine Übung dieser Größenordnung ein hervorragendes Ergebnis. Ursache für nicht durchgeführte Flüge war in den meisten Fällen das Wetter. „Flugsicherheit steht immer an erster Stelle“, so Gerhartz.
Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages zeigt sich zufrieden. „Deutschland hat seiner geografischen Lage und seiner wirtschaftlichen Kraft entsprechend geführt und gezeigt, dass es Fähigkeiten besitzt, auf die auch die Partner zurückgreifen können“, so Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP).
Air Defender 23: Was wird mit den US-Flugzeugen?
Doch was wird nun aus den am Manöver beteiligten Flugzeugen? Kritiker hatten im Vorfeld betont, Air Defender 23 diene nur als Tarnung, um weiteres Militär von Amerika nach Europa zu verlegen. Dem widerspricht nun die Bundeswehr. „Die Flugzeuge der beteiligten Nationen, die ihre Flugzeuge nach Deutschland verlegt haben, fliegen heute und am Wochenende wieder nach Hause“, erklärt ein Sprecher am Freitag auf Nachfrage.
Bleiben wirklich keine US-Flugzeuge in Deutschland oder Osteuropa zurück? „Keine. Es fliegen alle wieder zurück in die USA“, so der Sprecher des Kommandos Luftwaffe in Berlin.
Air Defender 23: Das hat nicht funktioniert
Bleibt die Frage, was das Manöver gebracht hat, außer der von den Linken im Vorfeld angeprangerten Luftverschmutzung. Die Übung solle als Signal an die Menschen in Deutschland und die Partnernationen gewertet werden, dass sie sich auf die Verteidigungs- und Einsatzfähigkeit der Luftstreitkräfte verlassen können, so Luftwaffeninspekteur Gerhartz. „Wir müssen üben, um die unterschiedlichen Fähigkeiten zum Einsatz bringen zu können. Das kann nicht simuliert werden.“
Gehakt habe es unter anderem bei der Datenkommunikation der beteiligten Nato-Partner. „Das sogenannte Link 16 ist essenziell für den Einsatz von modernen Luftstreitkräften“, erklärt ein Sprecher der Luftwaffe. „Da haben wir ein, zwei Tage gebraucht, bis am Ende alle in diesem Datenlinkverbund waren“, ergänzt Gerhartz.
Eine weitere Lektion sei zudem gewesen, dass jeder Flugplatz für die Luftwaffe wichtig sei. Um die für das Manöver über den Atlantik eingeflogenen US-Maschinen aufnehmen zu können, waren die militärischen Ausweichflugplätze Hohn in Schleswig-Holstein und Lechfeld in Bayern genutzt worden. „Und das hat uns allen noch mal gezeigt: Wir dürfen diese beiden Flugplätze nicht aufgeben. Diese beiden Flugplätze, sowohl Hohn wie auch Lechfeld, müssen wir entsprechend behalten“, sagte Gerhartz.
So reagiert Russland auf Air Defender 23
Und wie hat Russland auf das Groß-Manöver vor seinen Grenzen reagiert? Einige der Flüge waren in den vergangenen Tagen schließlich auch bis Litauen und Polen gegangen, also bis in die Nähe des russischen Hoheitsgebietes. Der Luftwaffen-Chef berichtet von einem russischen Spionageschiff, das in der Ostsee beobachtet worden sei. Ein Aufklärungstornado des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ habe dieses während der Übung entdeckt. „Das Schiff lag in internationalen Gewässern, aber eben so in einer Reichweite zu unserem Übungsgebiet, dass man hätte gewisse Frequenzen abhören können“, sagte Gerhartz.
Die Übungsteilnehmer hätten darum „gewisse Trainingsfrequenzen benutzt und nicht die Frequenzen, die wir sonst im Ernstfall benutzen würden“. Er sagte: „Wenn am Ende eine wesentliche Erkenntnis da war, dann war es die Erkenntnis, dass wir einsatzbereit sind.“
Offiziell hatte das Manöver nichts mit Russland oder dem aktuellen Krieg in der Ukraine zu tun. Allerdings klang das Szenario der Übung, in dem ein „östliches Militärbündnis“ die Nato bedroht, in einen neutralen Staat in Osteuropa einmarschiert und schließlich Teile Ostdeutschlands besetzt, schon sehr danach, dass man sich eben doch auf einen Konflikt mit Russland vorbereitet.
Air Defender 23: Nur der Auftakt für weitere Manöver?
US-Botschafterin Amy Gutmann sieht das auch als ein Signal an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was dies in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein“, so Gutmann.
FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Air Defender 23 daher auch als exemplarisch für die Zukunft der Nato. Nötig seien weitere gemeinsame Übungen, um zu trainieren, wie das eigene Territorium gegen mögliche Angriffe Russlands oder anderer Aggressoren zu verteidigen sei. „Das sollte in Zukunft auch alle anderen Teilstreitkräfte betreffen. Wir sind endlich in der Realität angekommen“, so Strack-Zimmermann.

