Air Defender 23: Bundeswehr weitet Manöver nach Osten aus – was steckt dahinter?

Ein Kampfflugzeug A10 der US-Airforce überfliegen bei einem Medientag zum Internationalen Luftwaffen-Manöver „Air Defender 2023“ den Fliegerhorst. Nun sollen A10-Flugzeuge auch nach Litauen fliegen.
Karl-Josef Hildenbrand/dpaEs ist die größte Verlegungsübung von Luftstreitkräften seit Gründung der Nato. Air Defender, begonnen am 12. Juni, hatte bereits im Vorfeld für zahlreiche Spekulationen gesorgt. Proben Deutschland und die 24 anderen teilnehmenden Staaten hier wirklich nur die Luftverteidigung? Angesichts von 250 beteiligten Flugzeugen, 100 davon direkt aus den USA eingeflogen, und rund 10.000 Teilnehmern vermuteten Kritiker schon vor dem Start mehr dahinter.
Nun gibt es offenbar neuen Grund für solche Spekulationen. Denn die Planer des Manövers haben mitgeteilt, dass die Übungen in dieser Woche nach Osten ausgeweitet werden. Am Dienstag (20.6.), Mittwoch und Donnerstag würden jeweils sechs Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 zu Starts und Landungen nach Litauen einfliegen, teilte die Luftwaffe in Berlin mit. Zum Wochenstart seien zudem vier Maschinen vom Typ F-16 und jeweils zwei F-15 und Eurofighter sowie ein Tankflugzeug über Polen geflogen.
In den ursprünglichen Ankündigungen für das Manöver war von drei gesperrten Lufträumen über Deutschland gesprochen worden, in denen die Übungen stattfinden sollten: Nord, Süd und Ost – alle über Deutschland beziehungsweise Nord- und Ostsee.
Air Defender 23: Das wird geübt
Ziel von Air Defender 23 ist es, „Luftkriegsoperationen im europäischen Luftraum“ zu trainieren. Dabei sollte die Luftstreitkräfte der Nato-Partner in einem fiktiven Szenario trainieren, das sich ungefähr so liest: Die Nato wird von einem „östlichen Militärbündnis Occasus“ angegriffen, das Teile Ostdeutschlands bereits mithilfe einer privaten Söldner-Organisation besetzt hat und nun in Richtung Ostsee vorzudringen versucht.
Das Baltikum oder Polen waren in diesem Szenario nichts als Teil der Übung definiert. Allerdings hatte die Bundeswehr im Vorfeld bereits angekündigt, dass es such tägliche Missionen mit Hin- und Rückflügen nach Südost- und Nordosteuropa geben werde.
Air Defender 23: Nato-Länder in Osteuropa bitten um Ausweitung
Dass diese nun offenbar intensiviert werden, hat einen Grund: Östliche Nato-Partner hätten um ein solches Signal der Rückversicherung und des militärischen Zusammenhalts gebeten, erklärte die Bundeswehr gegenüber der Nachrichten-Agentur DPA.
Die Bundeswehr hatte bisher stets den defensiven Charakter der Übung betont. „Sie ist keine Reaktion auf den im vergangenen Jahr gestarteten völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine“, so ein Sprecher der Bundeswehr.
US-Botschafterin Amy Gutmann hatte allerdings Air Defender 23 bereits im Vorfeld auch als ein Signal an den russischen Präsidenten Wladimir Putin interpretiert. „Es würde mich sehr wundern, wenn irgendein Staatsoberhaupt der Welt nicht zur Kenntnis nehmen würde, was dies in Bezug auf den Geist dieses Bündnisses, das heißt die Stärke dieses Bündnisses, zeigt. Und das schließt Herrn Putin ein“, so Gutmann.
Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe: „Es ist gut, dass wir zeigen, wir sind stark, wir können uns verteidigen, um das ganz klare Signal zu senden: Nato-Territorium ist einfach die rote Linie.“
Air Defender 23: Das passiert in Brandenburg
Brandenburg ist in den bisherigen Manövertagen seit dem 12. Juni wie angekündigt vor allem Überflugsland gewesen. Auch am Dienstag konnte man auf Luftüberwachungs-Apps mehrere Militärmaschinen wie Aufklärer und Transportflugzeuge beobachten, die Teil des Bundeslandes überquerten, zum Teil in Richtung Polen.
Insgesamt sind in der ersten Woche bereits über 1000 Flüge im Zusammenhang mit dem Manöver durchgeführt worden. Luftwaffen-Inspekteur Gerhartz: „Es hatte am Anfang hier und da auch geknirscht. Unterschiedliche Ausbildungsstände, sprachliche Herausforderungen und auch die Technik musste erstmal ans Laufen kommen.“ Deutlich werde, Air Defender 2023 habe für alle Beteiligten einen operativen, logistischen und menschlichen Mehrwert.
Die Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr sind am BER vergleichsweise gering ausgefallen. Nur vereinzelt kam es zu Verspätungen.