In der Corona-Pandemie sind Schnelltests zum Nachweis einer möglichen Corona-Infektion derzeit sehr gefragt – der Lausitzer Forscher Professor Frank Hufert sieht deren Nachweistauglichkeit allerdings kritisch.
Antigenschnelltests, bei denen unterschiedliche Virusproteine nachgewiesen werden, hätten den Nachteil, dass sie wenig sensitiv seien, sagt der Virologe an der BTU in Senftenberg. „Ich sehe diese Antigentests sehr kritisch, weil diese es weder in der Leistung bringen noch die Regularien erfüllen.“
Diese Art von Schnelltests könnten das Risiko minimieren – wie effektiv, sei aber unklar. PCR-Tests hingegen hätten eine Verlässlichkeit im Nachweis von nahezu 100 Prozent, weil sie hochgradig sensitiv und sehr spezifisch seien.

BTU-Forscher entwickeln eigenen Corona-Schnelltest

Hufert und sein Team haben an der Brandenburgisch-Technischen-Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg einen molekularen Coronavirus-Schnelltest entwickelt, der ähnlich wie ein PCR-Test funktionieren soll. Hufert selbst spricht von „PCR-Testqualität to go“.
„Wir arbeiten mit einer Technologie, die Gene nachweist – genau so wie beim PCR-Test“. Sein System basiert auf einem isothermen Verfahren, es braucht also keine verschiedenen Temperaturen wie ein PCR-Test, der aufgrund des notwendigen energieintensiven Thermocyclings für schnelles und dezentrales Screening vor Ort schwierig umsetzbar ist.

Corona-Schnelltest soll gleiche Qualität wie PCR-Test haben

„Wir brauchen ein Verfahren, mit dem wir in der Lage sind, sehr schnell einen Schnelltest machen zu können, der genau so gut ist wie der PCR Test und den ich auch in Handygröße einsetzen kann“, so Hufert, der seit 2014 Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Virologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg und zeitgleich Mitglied der Fakultät für Naturwissenschaften an der BTU in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) ist.
Am Dienstag, 20. April, sind in Oberspreewald-Lausitz acht neue Corona-Fälle gemeldet worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neu-Infektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner, liegt bei 186. Insgesamt sind jetzt 6727 nachgewiesene Corona-Fälle in OSL bekannt, davon 382 aktuelle. Seit dem Beginn der Pandemie vor einem Jahr sind 260 Menschen aus dem Landkreis mit oder an Corona verstorben.

66 aktuelle Corona-Fälle in Senftenberg

Im Senftenberger Krankenhaus werden aktuell 16 Covid-19-Patienten behandelt, davon fünf intensivmedizinisch. Ein Mensch muss laut dem Intensivregister Divi beatmet werden.
Die meisten aktiven Corona-Fälle verzeichnet derzeit Senftenberg. Dort sind aktuell 66 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. In Lübbenau gibt es 59 aktive Corona-Fälle, in Lauchhammer und im Amt Ortrand je 47, in Calau 39, in Schwarzheide 28, in Vetschau 24, im Amt Altdöbern 21, im Amt Ruhland 19, in der Gemeinde Schipkau 15 und in Großräschen neun.
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Und wie sieht es mit der Genehmigung solcher entwickelter Tests aus?

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gehören diese Art Tests zu den sogenannten In-vitro-Diagnostika (IVD). Ein solches Medizinprodukt muss in Europa – anders als ein Arzneimittel – kein behördliches Zulassungsverfahren durchlaufen, wie das Institut mitteilte. Es durchlaufe ein sogenanntes Konformitätsbewertungsverfahren, an dessen Ende die sogenannte CE-Kennzeichnung steht. Damit erklärt der Hersteller, dass das Produkt den geltenden Anforderungen genügt. Für die Tests zur Laienanwendung müssen die Hersteller vorher Prüfstellen wie Tüv oder Dekra hinzuziehen. Es müsse nachgewiesen werden, dass die Produkte die einschlägigen Sicherheits- und Leistungsanforderungen erfüllten.