Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz muss die katholische Kita „St. Mauritius“ in Heimersheim vorerst weiterhin geschlossen bleiben. Knapp 700 Kilometer entfernt – im Lübbener Ortsteil Lubolz – laufen derweil die letzten Vorbereitungen für den Abtransport von jeder Menge Spielsachen, die dort kürzlich bei einer überaus erfolgreichen Spendenaktion für den Kindergarten gesammelt wurden.
„Der Transport könnte schon diese Woche stattfinden“, sagt Marina Schnell, Initiatorin des Spendenaufrufs. Das Gebäude der Kita in Heimersheim – einem Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler – sei immer noch nicht von Statikern begutachtet worden; es ist fraglich, ob es nach dem Hochwasser noch standsicher ist und der Kindergarten im jetzigen Haus überhaupt wieder öffnen kann. Allerdings habe sich inzwischen eine andere Möglichkeit ergeben, wo die vielen Spielsachen vorerst untergebracht werden können. „Eine Firma vor Ort stellt uns dafür einen Lagerplatz zur Verfügung“, berichtet die Lubolzerin Marina Schnell.
Die 32-Jährige hatte nach der Flutkatastrophe von ihrem Bruder, der seit einigen Jahren in der Nähe von Heimersheim wohnt, gehört, wie schwer der Kindergarten von dem Hochwasser getroffen wurde. Das Interieur muss wohl vollständig entsorgt werden, sagt Marina Schnell, die selbst Mutter von zwei Kindern im Kindergartenalter ist. Einrichtungsgegenstände und Spielsachen sind völlig durchnässt und mit Schlamm überzogen.

Zwei Unternehmen aus Lubolz versprechen Hilfe für den Transport der Spielsachen

Die Lubolzerin wollte unbedingt helfen. Mit ihrem Hilferuf für den Kindergarten ist sie zu Hause im Spreewald auch sogleich auf offene Ohren gestoßen – und auf so große Resonanz, dass nun statt der erwarteten zwei Kartons gleich zwei Paletten voll mit Spielzeug zusammengekommen sind. Innerhalb weniger Stunden war eine Transporterladung erreicht.
Weil zunächst jedoch unklar war, wann aus Heimersheim grünes Licht für den Abtransport kommt, und zudem auch noch gar kein Transporter zur Verfügung stand, musste das Spielzeug zunächst im Keller Eltern in Lübben untergebracht werden. Nach der Berichterstattung auf lr-online haben sich inzwischen zwei in Lubolz ansässige Unternehmen gemeldet und bereit erklärt, den Transport kostenlos zu übernehmen.
Eine dieser beiden Firmen ist die agri service GmbH für Agrartechnik; sie verfügt über einen Fuhrpark, der Transporter, Pritschenwagen und Anhänger umfasst. „Wir würden diese tolle Initiative gern mit der Bereitstellung eines Fahrzeugs und auf Wunsch auch eines Fahrers unterstützen“, sagt Jan Vasco Bringmann von agri service. „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man in so einem Fall hilft.“ Auch in Brandenburg wüssten viele Menschen aus eigener Erfahrung, welche Schäden Hochwasser anrichten könne.

Die Hochwasserschäden in Heimersheim sind immens und überall sichtbar

Die Schäden in Heimersheim sind immens. Der 3000-Einwohner-Ort liegt am Unterlauf der Ahr, kurz vor der Mündung in den Rhein. 1,80 Meter hoch stand das Wasser dort. Durch das Hochwasser wurde die Uferbefestigung weggerissen, Straßen wurden unterspült, Keller und Häuser liefen voll.
Seit einigen Tagen sind in der Gegend auch 100 Helfer aus dem Bereich der Leitstelle Lausitz im Einsatz; die Feuerwehrleute, Katastrophenschützer und Notfallseelsorger stammen aus Cottbus und den Landkreisen Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Elbe-Elster. Sie sind Teil eines insgesamt 250-köpfigen Kontingents, das Brandenburg nach einer offiziellen Hilfsanfrage aus Rheinland-Pfalz zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe in die Hochwassergebiete im Westen Deutschlands entsendet hat.
Dahme-Spreewald ist mit rund zehn Einsatzkräften und sechs Fahrzeugen vor Ort. Nach Angaben des Landkreises werden die Einsatzkräfte bis voraussichtlich Mitte August in der Gegend um Bad Neuenahr unter anderem beim Abpumpen von verschmutztem beziehungsweise ölhaltigem Wasser helfen und bei Räumarbeiten.

Medienhaus startet eigene Spendenaktion

Die Lausitzer Rundschau und die Märkische Oderzeitung haben einen Spendenaufruf für die Opfer der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gestartet.
Die Aktion ist eine Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland und den Bürgermeistern von Wriezen, Golzow und Letschin.
„Nach der riesigen Unterstützung, die die Menschen im Verbreitungsgebiet der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau bei den Hochwassern an Oder und Elbe 1997 und 2002 erfahren haben, gibt es jetzt die Gelegenheit, sich zu revanchieren. Das unterstützen wir von Herzen“, sagt LR-Geschäftsführer Tilo Schelsky.
Für Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Alle Details zur Spendenaktion "Wir helfen" finden Sie hier.