Rheinland-Pfalz hat gerufen, Brandenburg rückt an. Kurz nach sieben Uhr am Donnerstagmorgen (5. August) macht sich von Schwarzheide aus der erste Tross der südbrandenburgischen Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten auf den mehr als 600 Kilometer langen Weg. Eine halbe Stunde später folgt der zweite Abmarsch. Insgesamt sind damit 100 Kameradinnen und Kameraden mit 30 Fahrzeugen aus dem Einzugsgebiet der Leitstelle Lausitz mit den Landkreisen Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, der Stadt Cottbus und der Flughafenfeuerwehr des BER unterwegs.

Schlimme Bilder aus Rheinland-Pfalz

Am Nürburgring treffen sie dann auf die Einsatzkräfte aus dem nördlichen Brandenburg. „Unsere Kameraden sind zu 95 Prozent Angehörige der freiwilligen Wehren im Süden Brandenburgs. Wir sind schon gespannt, was uns erwartet. Zwar ist schon einige Zeit seit der Flut vergangen, doch die Bilder zeigen noch immer eine sehr schlimme Lage. Unser Verband löst die Kameraden aus dem Saarland ab“, so Verbandsführer Thomas Lehmann von der Berufsfeuerwehr Cottbus.
Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Bildergalerie Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Sein Kollege Andre Dreßler ist schon voraus gefahren und hat die Lage sondiert. „Wir werden vor allem Öl aus angeschlagenen Ölbehältern pumpen, Müll beräumen und unterstützend tätig sein beim Aufbau der Infrastruktur“, so Andre Dreßler.
Die südbrandenburgische Einheit wird am Nürburgring untergebracht. Sie muss jeden Morgen noch gut eine Stunde bis zu ihrem Einsatzort Rech fahren. Dort angekommen, dauert die Arbeitszeit von 8 Uhr morgens bis zur Dunkelheit.
Der Landkreis Elbe-Elster stellt für diese Hilfe zwei Komponenten zur Verfügung. „Das sind die Logistikkomponente und ein Hilfeleistungszug. Insgesamt sind es zehn Fahrzeuge mit 36 Kameraden“, so Kreisbrandmeister Steffen Ludewig, der die Einheit am Donnerstagmorgen vor Ort in Schwarzheide verabschiedet hat.

Freistellung auch in Elbe-Elster nicht immer einfach

Ein Problem, das nicht nur die Feuerwehrleute aus Elbe-Elster haben, ist die Freistellung von ihrem Arbeitgeber. „Wir hatten gehofft, die Kameraden über einen längeren Zeitraum freigestellt zu bekommen. Doch das ist ein Kraftakt. Nun machen wir zwei Wechsel am 8. und am 11. August. Generell abgelehnt hat die Freistellung kein Arbeitgeber“, so Steffen Ludewig, der innerhalb von drei Tagen eine schlagkräftige Truppe aus Freiwilligen aufbauen musste. Er dankt deren Familien, die das Opfer auf sich nehmen.
Motiviert fahren auch die Hochwasserhelfer aus Herzberg nach Rheinland-Pfalz. Sie bestätigen, dass es für viele nicht einfach sei, sich von der Arbeit loszueisen. „Die Freistellung ist das Problem. Viele Betriebe finden die Katastrophenhilfe zwar eine gute Sache, doch wenn es ernst wird, dann wird es schwierig. Von 15 Kameraden im Katastrophenschutz haben gerade einmal drei frei bekommen“, berichtet Aron Trippner von der Herzberger Wasserwacht.

Elbe-Elster

Kameraden aus Elbe-Elster wollten längst helfen

Wie der 46-Jährige, so hat sich auch Chris Kabierske sofort gemeldet. Viele seien ungeduldig gewesen, weil lange keine Anforderung aus dem Katastrophengebiet gekommen war. „Wir warten schon, um helfen zu können. Hoffentlich ergeht es uns nicht so wie einem Kumpel von mir aus Potsdam-Mittelmark. Er war vor vier Wochen mit anderen dort. Sie haben nur herumgestanden. Das demotiviert. Mit unserer Schmutzwasserpumpe sollen wir laut erstem Befehl verunreinigtes Wasser fördern“, berichtet der 49-jährige Herzberger, der den Gerätewagen Logistik steuert.
Für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind Kameraden aus Vetschau, Senftenberg, Lauchhammer und von der Notfallseelsorge mit dabei. „Ein Gefahrstofffahrzeug vom Dekon P, ein Tanklöschfahrzeug und ein Tragkraftspritzenfahrzeug werden auf den Weg geschickt. Dazu gehören 14 Feuerwehrangehörige“, verrät OSL-Kreisbrandmeister Tobias Pelzer.

Personal vor Ort in den Katastrophengebieten wird gewechselt

Persönlich verabschiedete Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich seine Kameraden um den stellvertretenden Stadtwehrführer Joachim Schönmuth. „Mit etwas gemischten Erwartungen machen wir uns auf die Reise. Wir wissen nicht, was uns erwartet“, sagt der 58-Jährige. Für ihn war es kein größeres Problem, seine Kameraden frei zu bekommen. „Schwierigkeiten bereitet die Freistellung der Kameraden über eine längere Zeit. Dies umgehen wir damit, dass wir dreimal unser Personal wechseln – am 8., 11. und am 15. August“, so Joachim Schönmuth.
Mit drei Zwischenstopps werden die Feuerwehrleute aus dem Süden Brandenburgs in ihren geschlossenen Verbänden zwischen zwölf und 14 Stunden unterwegs sein, bis sie den Bereitstellungsraum Nürburgring erreicht haben. Der erste Tankstopp war bereits an der Raststätte Auerswalder Blick bei Chemnitz.
Brandenburgs Kontingent besteht aus 250 Einsatzkräften und etwa 50 Fahrzeugen. Im „Gepäck“ sind hauptsächlich technische Komponenten mit Pumpen und Stromaggregaten. Aber auch eine Gefahrstoffeinheit zur Beseitigung von Ölschäden und verschmutztem Wasser sowie eine Versorgungseinheit und Führungskräfte gehören dazu.

Brandenburg will Aufbauhilfe in Katastrophengebieten leisten

Im Vorfeld hatte Brandenburgs Innenstaatssekretär Dr. Markus Grünwald gesagt, dass mit dem neuerlichen Einsatz ein Systemwechsel einhergehe. Am Anfang seien Einheiten für kurzfristige Hilfen in das Katastrophengebiet beordert worden. „Jetzt leisten wir Aufbauhilfe, und das wollen wir effektiv und effizient machen“, sagt er zu der nun längeren Unterstützung.

Brandenburg hilft Unwetter-Opfern

Die Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen unter die Haut. In Brandenburg lösen die weinenden Menschen vor ihren zerstörten Häusern Erinnerungen an die Hochwasser von 1997 und 2002 aus. Damals gab es eine bundesweite Welle der Solidarität, die die Not der Menschen gelindert hat. Jetzt ist es Zeit, davon etwas zurückzugeben. Deshalb rufen die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland zu einer Spendenaktion „Wir helfen“ auf.
Die Spendenbereitschaft aus der Region ist weiter sehr hoch. Auf dem von Landrat Gernot Schmidt (SPD, Märkisch-Oderland) eingerichteten Spendenkonto sind schon weit über 700.000 Euro eingegangen.
Zuspruch erhält die Kampagne auch von Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos): „Ihren Aufruf als LR und MOZ, gemeinsam mit dem Landkreis MOL zu spenden, unterstütze ich ausdrücklich und bin dahingehend auch unterwegs, um dafür zu werben und selbst auch (privat wie dienstlich) einen Beitrag zu leisten. Mittlerweile helfen Geldspenden den Menschen vor Ort zielgerichtet am ehesten, was auch nachvollziehbar ist.“ Der Kreisausschuss wolle in Kürze darüber beraten, ob eine direkte finanzielle Unterstützung für die betroffenen Gebiete auf den Weg gebracht werden soll. Heinze sei zuversichtlich, dass es dafür eine Mehrheit geben werde.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Alle Details zur Spendenaktion "Wir helfen" finden Sie hier.