Natürlich hatte Marina Schnell auf Zuspruch gehofft. Ihr schwebten so etwa zwei Kartons voll mit Spielzeug vor, als sie vor Kurzem im Lübbener Ortsteil Lubolz einen Spendenaufruf startete. Ihr Anliegen: Hilfe für einen vom Hochwasser völlig verwüsteten Kindergarten im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz.
Und die kam prompt. Am Ende stieß Marina Schnell auf so große Resonanz, dass nun statt der angepeilten zwei Kartons gleich zwei Paletten zusammengekommen sind. „Die Leute kamen mit großen Autos und haben kistenweise Spielzeug gebracht“, berichtet sie. Innerhalb weniger Stunden war eine Transporterladung erreicht.
Unterstützung kam insbsondere vom SV Blau-Weiß Lubolz, dem Verein, in dem Marina Schnell selbst aktives Mitglied ist, und von der Dorfgemeinde in Lubolz, wo sie mit ihrer Familie wohnt. Das Engagement sei tatsächlich aber weit über die Lubolzer Bereitschaft hinausgegangen, sagt sie. „Die Spendenbereitschaft war überwältigend“, lautet ihr Fazit nach der großen Anteilnahme von so vielen Menschen.

Wie sollen die vielen Sach-Spenden vom Spreewald nach Bad Neuenahr-Ahrweiler kommen?

Gleichwohl steht die 32-Jährige nun vor einem logistischen Problem. Wie sollen die vielen Sachen vom Spreewald nach Bad Neuenahr-Ahrweiler kommen? „Wir hatten eigentlich geplant, dass wir das Spielzeug nach und nach mitnehmen, wenn wir mal wieder in Richtung Rheinland fahren“, sagt Schnell. „Doch bei der Menge, die zusammengekommen ist, würden wir dafür wohl ein Jahr brauchen.“
Schnells Bruder Christian Haase sagt, für den Transport wäre ein Transporter nötig. Er hofft nun auf weitere Hilfe – „zum Beispiel in Form einer Transporter-Miete; jede Hilfe ist willkommen“, sagt er.
Haase war vor einigen Jahren nach Köln gezogen, nur rund 60 Kilometer entfernt von besagtem Kindergarten in Heimersheim, einem Ortsteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der 34-Jährige kennt den Kindergarten über Bekannte, deren Kinder dort betreut werden. „Leider hat die Flutkatastrophe den Kindergarten unserer Freunde schwer getroffen, sodass er aktuell nicht mehr betrieben werden kann“, sagt Haase. „Das gilt selbstverständlich auch für die Spielsachen und Geräte dort.“
Das Interieur muss wohl vollständig entsorgt werden. Marina Schnell zeigt Fotos, auf denen die völlig durchnässten und mit Schlamm überzogenen Einrichtungsgegenstände der Kita zu sehen sind.
Das Interieur des Kindergartens in Heimersheim (Rheinland Pfalz) muss wohl komplett entsorgt werden.
Das Interieur des Kindergartens in Heimersheim (Rheinland Pfalz) muss wohl komplett entsorgt werden.
© Foto: Marina Schnell

Die Schäden am Kindergarten in Rheinland-Pfalz sind immens und überall sichtbar

Heimersheim liegt am Unterlauf der Ahr, kurz vor der Mündung in den Rhein. 1,80 Meter hoch stand das Wasser in dem 3000-Einwohner-Ort nach der Unwetterkatastrophe. Die Uferbefestigung wurde weggerissen, Straßen wurden unterspült, Keller und Häuser liefen voll. Die Schäden sind immens und überall sichtbar.
Meteorologe zu Unwetter und Klimawandel „Was wir sehen, passt ins Bild“

Berlin

Doch wenigstens stehen die Häuser in Heimersheim noch. An Ober- und Mittellauf der Ahr wurden hingegen viele Gebäude weggerissen oder sind jetzt einsturzgefährdet. In Altenahr stand das Wasser bis zu fünf Meter hoch, die Menschen kletterten zum Teil auf die Dächer.

Ist das Kindergarten-Gebäude noch standsicher?

Ob der Heimersheimer Kindergarten in seinem jetzigen Gebäude wieder betrieben werden kann, steht indes noch in den Sternen. Zunächst müssen Gutachter in das Gebäude, um zu entscheiden, ob es noch standsicher ist. Erst danach ist überhaupt an einen Weiterbetrieb zu denken. „Deshalb warten wir aktuell noch auf einen möglichen Termin für den Abtransport der Spenden“, sagt Marina Schnell, die selbst Mutter zweier Kinder im Kindergartenalter ist.
In der Zwischenzeit lagert das gespendete Spielzeug noch im Keller der Eltern in Lübben. Plüschtiere, Puppenwagen, Tretroller oder Spiele – alles in guter Qualität, wie Marina Schnell erzählt – „und teilweise noch nagelneu verpackt“.

Hilfe willkommen

Wer die Spendenaktion für den Transport der Spielsachen in den Heimersheimer Kindergarten unterstützen möchte, meldet sich bitte per E-Mail: spreewald@lr-online.de
Auch die Lausitzer Rundschau und die Märkische Oderzeitung haben einen Spendenaufruf für die Opfer der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gestartet.
Die Aktion ist eine Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland und den Bürgermeistern von Wriezen, Golzow und Letschin.
„Nach der riesigen Unterstützung, die die Menschen im Verbreitungsgebiet der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau bei den Hochwassern an Oder und Elbe 1997 und 2002 erfahren haben, gibt es jetzt die Gelegenheit, sich zu revanchieren. Das unterstützen wir von Herzen“, sagt LR-Geschäftsführer Tilo Schelsky.
Für Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Alle Details zur Spendenaktion "Wir helfen" finden Sie hier.