Die Schreckensbilder haben sich tief in die Köpfe der Menschen gebrannt; die Anteilnahme ist riesengroß, von überall kommen Hilfsangebote für die Flutopfer in den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
Auch aus dem Spreewald rollt eine Welle der Solidarität auf die teils völlig zerstörten Regionen im Westen Deutschlands zu, während dort die Rettungs- und Aufräumarbeiten unter teilweise sehr schwierigen Bedingungen unvermindert weitergehen.

Landkreis Dahme-Spreewald bietet Landräten in Rheinland-Pfalz Hilfe an

Die enorme Hilfs- und Spendenbereitschaft – „die ebenso aus unserer Region kommt“ – stärke die Zuversicht der Menschen vor Ort ungemein, ist Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge (SPD) überzeugt. Man habe beiden Landräten der Landkreise Ahrweiler und Euskirchen (Rheinland-Pfalz) Hilfe angeboten, berichtet er.
Eigentlich sollten am Sonntag auch 25 Helfer und sieben Fahrzeuge vom Deutschen Roten Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und der Johanniter-Unfallhilfe aus dem Landkreis in die Katastrophengebiete aufbrechen. Im Laufe des Freitags aber hatte das Gemeinsame Lagezentrum des Bundes und der Länder mitgeteilt, dass Rheinland-Pfalz die Anforderung weiterer Unterstützungskräfte bis auf Weiteres zurückgezogen hat.
Die Einsatzkräfte aus Dahme-Spreewald gehören zu einer Medizinischen Task Force des Landes. Sie werden normalerweise für Einsätze im Zivilschutz vorgehalten, können aber auch für die bundeslandübergreifende Katastrophenhilfe eingesetzt werden, wie Landrat Loge erklärt.
Mit ihnen sollten am Sonntag insgesamt rund 200 Einsatzkräfte aus Brandenburg in die Hochwassergebiete entsendet werden. Bereits am Mittwoch war eine Brandschutzeinheit des Landes dorthin aufgebrochen.

Helfer vom THW sichern die noch vorhandene Infrastruktur ab

Seit einigen Tagen in den Katastrophengebieten im Einsatz sind auch Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW). Der Landesverband hat unter anderem Kräfte aus Dahme-Spreewald entsendet. „Es geht vor allem darum, die noch existierende Infrastruktur am Laufen zu halten, um Schlimmeres zu verhindern, und kaputte Infrastruktur wieder aufzubauen“, sagt THW-Landesbeauftragter Sebastian Gold. „Das ist enorm wichtig, damit sich die Situation für die Menschen schrittweise spürbar verbessern kann.“
Die Einsatzkräfte wüssten aus eigener Erfahrung, was ein solches Unwetterereignis für die Menschen bedeutet. In den Hochwasserlagen 2013, 2002 und 1997 hätten die Helfer aus dem Landesverband wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen gewonnen. „Damals hat uns das THW aus allen Bundesländern unterstützt, und wir haben diese Hilfe sehr gebraucht“, sagt Gold. Jetzt ein Stück weit in den Katastrophengebieten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen helfen zu können, sei eine große Aufgabe.
Die THW-Helfer aus Dahme-Spreewald sind aktuell in Altenahr im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler im Einsatz. Dort berichten Anwohner von Schutt, Chaos und Verwesungsgestank – und vermuten, dass noch nicht alle Leichen aus den teils völlig verwüsteten Häusern geborgen wurden.

Das Verständnis der Arbeitgeber für Freistellungen bei Einsätzen ist sehr gut

Die Spreewälder haben den Auftrag, zunächst Geröll und Bäume aus einem Hotel im Stadtkern zu beseitigen. Danach soll sich ihr Einsatz auf den gesamten Stadtkern ausdehnen. Unter anderem auf Facebook berichten die THW-Helfer von diesem Einsatz, der voraussichtlich am 28. Juli endet.
Saskia Grote von der THW-Regionalstelle Frankfurt (Oder), die unter anderem für Dahme-Spreewald mit dem Ortsverband Lübben zuständig ist, versichert, dass Einsatzkräfte, die zum Beispiel an ihre Belastungsgrenze kommen, schnellstmöglich abgelöst werden. „Das funktioniert reibungslos“, sagt sie.
Grote berichtet auch, dass das Verständnis der Arbeitgeber für Freistellungen bei Einsätzen sehr gut sei. „Gerade bei solch großen Schadenslagen sehen auch sie, dass die ehrenamtliche Tätigkeit im THW wichtig und auch nötig ist.“ Die Freistellung für Hilfseinsätze ist gesetzlich geregelt; die Arbeitgeber bekommen vom Bund die Lohnfortzahlungen ersetzt.

Medienhaus startet eigene Spendenaktion

Die Lausitzer Rundschau und die Märkische Oderzeitung haben einen Spendenaufruf für die Opfer der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gestartet.
Die Aktion ist eine Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland und den Bürgermeistern von Wriezen, Golzow und Letschin. „Nach der riesigen Unterstützung, die die Menschen im Verbreitungsgebiet der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau bei den Hochwassern an Oder und Elbe 1997 und 2002 erfahren haben, gibt es jetzt die Gelegenheit, sich zu revanchieren. Das unterstützen wir von Herzen“, sagt LR-Geschäftsführer Tilo Schelsky.
Für Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021