Nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern frisches Wasser in neuen Aquarien. So oder so ähnlich könnte das Motto für den Neustart der Aquaristik- und Terraristik-Tage in Falkenberg an diesem Wochenende im Haus des Gastes lauten. Denn während diese Veranstaltung vor 20 Jahren aus der Falkenberger Aquarien-Arbeitsgruppe an Schulen entstanden ist, soll es sie nun (nach zwei Corona-Absagen) wieder geben, auch wenn die AG inzwischen Geschichte ist.
Für Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen und Altersklassen hatte Jens Helemann bis zum Frühjahr AG-Treffen angeboten – zunächst einmal pro Woche, später an zwei Tagen in Woche, plus einem Termin an der Ganztagsschule. Viel Zeit und Aufwand ist also in diese Treffen, gemeinsame Exkursionen und die Pflege des Equipments geflossen.

AG löst sich auf, IG gründet sich neu

Ein Aufwand, der sich vor allem nach dem Beginn der Pandemie und dem Bruch, der damit für die Aktivität der Gruppe einher gegangen ist, aber nicht mehr gelohnt habe, wie Helemann berichtet. Kinder und vor allem Eltern seien „durch Corona faul geworden“ in ihren Bemühungen um das Hobby geworden, sagt Jens Helemann. Er macht das unter anderem daran fest, dass weniger Eltern bereit gewesen seien, für Kinder eigene Aquarien anzuschaffen. Während der Pandemie seien dann auch weniger teilnehmende Kinder zu den AG-Treffen gekommen.
Weil dann auch noch wegen der Notwendigkeiten des Infektionsschutzes die jährlichen Aquaristik- und Terraristik-Tage in Falkenberg nicht mehr stattfinden konnten, habe der AG die Grundlage entzogen. Denn einerseits habe die viel zur Finanzierung des Angebots beigetragen, andererseits aber auch neue Interessenten zu der Gruppe gebracht. In den Jahren 2020 und 2021 fiel die Veranstaltung aus. Letztlich war, im Frühjahr dieses Jahres, die Auflösung der Schul-AG und Neuformierung einer Interessengemeinschaft von Erwachsenen die Folge des schwindenden und sich verlagernden Interesses. An deren Treffen hätten sich zu Beginn auch noch einige der Jugendlichen beteiligt, doch auch das Engagement der meisten von ihnen für das Thema habe sich in den folgenden Monaten bis hin zur nun anstehenden Neuauflage der Falkenberger Aquaristik- und Terraristik Tage jedoch verlaufen.

Monatliche Treffen und Experten-Vorträge zu Aquarien und Terrarien

Die nach Auflösung der AG neu gegründete Interessengemeinschaft Aquarien und Terrarien bringt nun bei ihren monatlichen Treffen mehr als 20 Menschen zusammen – und das nicht nur aus Elbe-Elster, sondern auch umliegenden Regionen. „Wir bemühen uns da um einen regen Austausch von Ideen und Wissen, und wollen zum Beispiel auch zunehmend Fachvorträge von Experten organisieren.“
Die Aquaristik und Terraristik-Tage in Falkenberg finden auf neuer Grundlage, aber weiterhin mit Jens Helemann als Haupt-Organisator, im Herbst 2022 wieder statt.
Die Aquaristik und Terraristik-Tage in Falkenberg finden auf neuer Grundlage, aber weiterhin mit Jens Helemann als Haupt-Organisator, im Herbst 2022 wieder statt.
© Foto: Daniel Roßbach
Unter der Ägide der neu gegründeten Interessengemeinschaft finden die Aquaristik- und Terraristik-Tage nun am kommenden Wochenende (29. und 30. Oktober) in Falkenberg im Haus des Gastes zum inzwischen 18. Mal statt. Aller Voraussicht nach sollen es auch nicht die letzten sein, sondern soll das Ereignis nach der Unterbrechung und Umstrukturierung wieder fest etabliert werden. „Wir ziehen das durch“, sagt Helemann.

Große Nachfrage nach Messe in Falkenberg

Die Nachfrage danach, dass es die Messe wieder gibt, war Helemann zufolge zumindest bei den Ausstellern groß. Das sind einerseits Händler in dem Bereich, aber auch andere Hobbyisten aus sechs Bundesländern. „Die am weitesten gereisten sind die Aquarienfreunde aus Stade“ tief in Niedersachsen, berichtet Helemann. Die meisten der circa 60 Aussteller haben sich ihm zufolge schon mit langem Vorlauf für die Veranstaltung angemeldet, viele von ihnen hätten immer wieder nachgefragt, ob und wann es das Event in Falkenberg wieder geben wird. Angeboten wird dabei neben exotischen Pflanzen auch Fischfutter für Aquarien. Und wenn gezüchtete Fische verkauft werden, könne bei der Messe auch das nötige Wissen über deren Haltung vermittelt werden um sicherzustellen, dass die Tiere in gute Obhut kommen.
Bei der Neuauflage der Aquaristik-Tage tritt die Interessengemeinschaft als Organisator auf, die Rolle des Veranstalters hat der Kultur- und Tourismus-Verein Falkenberg inne, in dem die IG Aquaristik Mitglied geworden ist, und in deren Vorstand Jens Helemann aktiv ist. Wie viele Besucher die Veranstaltung bei dem Neustart ins Haus des Gastes ziehen wird, ist Helemann zufolge noch nicht wirklich abzusehen. Wegen der gestiegenen Betriebskosten für das Haus muss der Eintritt von vier auf fünf Euro für Erwachsene (1,50 für Kinder ab 12 Jahre) erhöht werden. „Aber wir hoffen natürlich, dass viele Menschen kommen und sich in das Hobby vertiefen oder neu dafür begeistern können“, sagt Jens Helemann.
Falkenberg/Elster ist ein Pilgerort Fische und Nager locken Besucher

Falkenberg

Dieses Hobby ist für ihn dabei kein Selbstzweck, Aquarien und Terrarien dienen nicht nur dazu, faszinierend und schön auszusehen. Sondern sie spielen, wie Helemann sagt, auch eine Rolle bei der Erhaltung von Arten. Denn die eigentlichen Lebensräume von exotischen Pflanzen, Tieren oder Fischarten sind oft bedroht, viele Arten verschwinden in der Natur – und das oft sogar, ohne dass sie überhaupt bekannt und katalogisiert sind. „Wir wissen also gar nicht, was wir zum Beispiel durch Abholzung oder den Bau von Staudämmen verlieren.“ Die Herkunft vieler der für Europa exotischen Pflanzen liegt in Asien oder dem südamerikanischen Amazonas – wo ihre Zukunft aktuell auch vom Ausgang der anstehenden Präsidentschaftswahl abhängt. „Damit beschäftigen wir uns auch sehr“, sagt Helemann; „aus der Ferne, oder sogar vor Ort, wie Bekannte unserer Interessengruppe, die gerade in Brasilien waren.“