Ausbildung in Forst: Neues Millionenloch macht den Zukunftscampus zur Zitterpartie

Das Oberstufenzentrum (OSZ) 1 in Forst soll zum Zukunftscampus Spree-Neiße um- und ausgebaut werden. Die Pläne sind spektakulär, die Kosten hoch. Jetzt ist ein neues Finanzloch entstanden. Was bedeutet das?
RBZ GP mbH Generalplanungsgesellschaft/ AGZ Zimmermann Arch. GmbH Dresden/Spree-Neiße-Kreis- Umbau des OSZ I in Forst zum „Zukunftscampus Spree‑Neiße“ gerät finanziell unter Druck.
- Neue Kostenschätzung liegt bei rund 108 Mio. Euro, zuvor waren 86 Mio. Euro veranschlagt.
- Finanzierung: 90 % durch JTF, Strukturstärkungsgesetz und Land, 10 % trägt der Kreis.
- Zeitdruck durch EU‑Frist: Bis 31. Dezember 2030 muss alles fertig gebaut und abgerechnet sein.
- Geplant sind LernFabriken, moderne Werkstätten, Doppelqualifizierung und teils denkmalgerechter Ausbau.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Vision wird zur Belastungsprobe: Der Umbau des Oberstufenzentrums (OSZ) I in Forst zum Zukunftscampus Spree-Neiße ist ein wichtiges Bildungsprojekt des Strukturwandels in der Lausitz. Doch hinter den Kulissen hat sich ein finanzielles Gewitter zusammengebraut. Hält das Versprechen einer erstklassigen Ausbildung dem enormen Kostendruck und dem Zeitrennen gegen EU-Fristen stand?
Hinter dem Zukunftscampus verbirgt sich ein revolutionäres pädagogisches Konzept für die Berufsausbildung im Spree-Neiße-Kreis: die LernFabrik. Für Azubis bedeutet das, der verstaubte Frontalunterricht hat ausgedient. In Forst entsteht eine Lernumgebung, die Theorie und Praxis untrennbar miteinander verschmelzen lässt. In Laboren und Werkstätten soll an Technik gearbeitet werden, die dem Standard der modernsten Industriebetriebe in Europa entspricht.
Dafür müssen fast zehntausend Quadratmeter Schulfläche modernisiert werden, teils unter strengem Denkmalschutz. Mehrere Gebäude sind prägend für die Geschichte der Tuchmacherstadt Forst und müssen daher unter Erhalt ihrer historischen Fassaden und Strukturen energetisch und technisch auf den neuesten Stand gebracht werden.
Ein weitgehend energieautarker Betrieb durch Photovoltaik und modernste Wärmepumpen ist geplant – um das Klima zu schützen und als Reallabor für die Schüler zu dienen. Campus-Atmosphäre wird durch ein neues Parkdeck und die Neugestaltung der Außenanlagen geschaffen. Der Charakter einer alten Schule verschwindet zugunsten eines modernen Bildungsparks.
Neue Chancen für Azubis mit Zukunftscampus in Forst
Besonders attraktiv für ehrgeizige Jugendliche ist das integrierte Modell der dualen Qualifizierung. In Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg sollen Auszubildende in fünf industriellen Kernberufen – Industriemechaniker/-in, Mechatroniker/-in, Anlagenmechaniker/-in (Industrie), Elektroniker/-in für Betriebstechnik und Konstruktionsmechaniker/-in – parallel zu ihrem Facharbeiter auch die Fachhochschulreife erwerben können.
Durch das Modell dieser Doppelqualifizierung sparen Jugendliche wertvolle Zeit. Wer eine Ausbildung in einem der industriellen Kernberufe beginnt, kann nach drei Jahren nicht nur voll im Job durchstarten, sondern hat auch die Hochschulreife in der Tasche. Das nimmt den Druck von der frühen Entscheidung zu Studium oder Lehre.
Die enge Vernetzung mit Schwergewichten der regionalen Wirtschaft wie der Deutschen Bahn, der Leag und EnviaM garantiert, dass hier nicht am Bedarf vorbei ausgebildet wird. Unternehmen aus dem Metall- und Elektrosektor der Region sind ebenso fest in das Konzept eingebunden. Das Signal an die Familien ist klar: Wer hier lernt, muss die Heimat nicht verlassen, um im Berufsleben gut Fuß zu fassen und Karriere zu machen.
Angebote zur Berufsorientierung sollen es zudem auch den Schülern erlauben, schon früh in hochmodernen Laboren mit Robotik und Digitalen Zwillingen, also perfekten Kopien von Maschinen und Geräten am Computer, zu experimentieren – Technik zum Anfassen, die den Übergang in den Beruf erleichtert. Aber das alles kostet erst einmal Geld, viel Geld.
Die Kosten für den Zukunftscampus in Forst explodieren
Und über diesen glänzenden Aussichten schwebt jetzt ein dunkler Schatten. Bislang ist der Schulum- und -neubau mit Internat mit 86 Millionen Euro kalkuliert worden. Doch neue Zahlen aus der aktuellen Planungsphase zeigen, die Kosten sind nun auf rund 108 Millionen Euro nach oben geschnellt. Das hat Kreis-Finanzdezernent Carsten Billing bestätigt.
Und die Mehrkosten von jetzt 22 Millionen Euro können noch weiter steigen. Die Pläne befinden sich erst in der Leistungsphase 2 bis 3. In der Sprache der Bauherren bedeutet das: Man ist gerade erst dabei, von einer groben Kostenschätzung zu einer detaillierten Kostenberechnung überzugehen. Und da die finale Ausführungsplanung noch aussteht, sind auch weitere Preissteigerungen nicht ausgeschlossen.
Warum ist das brisant? Das Finanzierungspaket ist hochkomplex. 90 Prozent der Investitionskosten sollen durch den europäischen Just Transition Fund (JTF), aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen (Strukturstärkungsgesetz) und Landesmitteln, mit denen Brandenburg die Finanzlücke zur Höchstförderung schließt, gedeckt werden. Zehn Prozent muss Spree-Neiße selbst tragen. Das Problem: Förderungen beziehen sich oft auf eine feste Maximalsumme. Wenn die Kosten steigen, wächst das Risiko, dass der Landkreis zumindest die Differenz allein stemmen muss. Und das gilt nach dem jüngsten teuren Schulbau für die Gesamtschule Spree-Neiße in Kolkwitz als unmöglich.
Erschwert wird die Situation durch einen extremen Zeitdruck. Die EU-Gelder aus dem JTF-Topf unterliegen einer harten Abrechnungsfrist: Bis 31. Dezember 2030 muss das gesamte Projekt nicht nur fertig gebaut, sondern auch bis auf den letzten Cent abgerechnet sein. Das lässt kaum Spielraum.
Spree-Neiße muss jetzt nachverhandeln, damit Bund und Land dringend benötigte Nachschläge gewähren.
Die LernFabriken in Spree-Neiße – zwei starke Bildungsstandorte im Kreis
Der Zukunftscampus am Oberstufenzentrum I (OSZ I) in Forst: Dieses Projekt konzentriert sich auf die schulische Erstausbildung junger Menschen. Projektträger ist hier der Landkreis Spree-Neiße. Am Oberstufenzentrum in Forst wird die „LernFabrik“ etabliert, in der Auszubildende in modernen Werkstätten auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vorbereitet werden.
Das Innovatorium Lausitz in Spremberg: Das Innovatorium befindet sich direkt im Industriepark Schwarze Pumpe (ISP) und ist als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Qualifizierung konzipiert. Projektträger ist hier die ASG Spremberg, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Spremberg und der Gemeinde Spreetal. Der Fokus der spezialisierten Ausbildungs- und Weiterbildungsstätte für Fachkräfte liegt auf der praxisnahen Schulung direkt am Industriestandort, um den sofortigen Bedarf der Firmen vor Ort an hochqualifiziertem Personal zu decken. Für den Bau und die Ausstattung sind rund 15,6 Millionen Euro veranschlagt, die ebenfalls maßgeblich aus Mitteln der Strukturförderung im Kohleausstieg der Lausitz finanziert werden sollen.











