Tiere in Finsterwalde
: Hilfe in der Not – das waren die emotionalsten Rettungsaktionen

Emotionaler Einsatz für Tiere in Not: Die Chefin des Finsterwalder Tierschutzvereins blickt auf das Jahr zurück. Das Schicksal eines Labradors und der Fund mehrerer Katzen hat sie dabei besonders berührt.
Von
Sven Hering
Finsterwalde
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Diese Katzen wurden auf dem ehemaligen Flugplatz in Schacksdorf entdeckt. Der Tierschutzverein versorgt sie regelmäßig mit Futter.

Roland Pöschk

Manchmal kann Sabine Delloch schlecht einschlafen. Weil sie ein besonders schlimmes Schicksal nicht aus dem Kopf bekommt. Oder weil mal wieder ein Schreiben in ihren Briefkasten geflattert ist, in dem ihr ein Gerichtsverfahren angedroht wird.

Dann überlegt die Chefin des Tierschutzvereins Finsterwalde ganz kurz, ob sie das Ganze nicht einfach hinschmeißen sollte. Doch diese Option, so sagt sie, gibt es nicht wirklich. Weil ihr das Wohlergehen der Tiere eine Herzensangelegenheit ist. Aber auch, weil potenzielle Nachfolger nicht gerade Schlange stehen. „Da darf man sich nicht einschüchtern lassen. Gerade wenn man sich für etwas einsetzt, ist das nun mal so“, sagt sie.

Labrador aus Elsterwerda sorgte für Schlagzeilen

Engagiert hat sie sich gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Helfern im abgelaufenen Jahr wieder für zahlreiche Tiere in Not. Schlagzeilen machte zum Beispiel ein Labrador in Elsterwerda, der nach Beobachtungen von Nachbarn nicht artgerecht gehalten worden sein sollte. Einer der Nachbarn hatte wegen mutmaßlicher Tierquälerei sogar Strafanzeige bei der Polizei gestellt.

Sabine Delloch hatte dort lange Zeit das Gefühl, dass sie zwar alles versucht habe, aber nicht helfen könne. „Das hat mich schon ganz schön mitgenommen“, berichtet sie. Nach einem Dreivierteljahr hatte sich ihr Einsatz dann doch noch ausgezahlt. „Das fragliche Tier beziehungsweise dessen Haltung stehen seit geraumer Zeit in Beobachtung und Bearbeitung durch das Veterinäramt. Da sich die Situation verschärft hat, ist leider die Wegnahme des Tieres erforderlich geworden. Der Hund wird in einem Tierheim untergebracht“, vermeldete der Landkreis Elbe-Elster.

Katzen auf dem ehemaligen Flugplatz Schacksdorf gefunden

Doch Sabine Delloch spricht auch von Zwischenfällen, die sich eher im Verborgenen abgespielt, sie dennoch emotional stark belastet haben. „Schlimm war eine Angelegenheit auf dem Flugplatz in Schacksdorf“, erzählt die 67-Jähre. „Dort habe ich zehn Katzen gefunden. Die sahen teils erbärmlich aus.“ Die Katzen seien kastriert und danach wieder ausgesetzt worden.

Sabine Delloch vom Tierschutzverein Finsterwalde.

Sven Hering

„Ein Kollege von uns fährt jetzt jeden Tag von Schönborn bis dahin und füttert sie“, ergänzt die Tierschützerin. Ein paar Styroporkisten seien hingestellt worden, in die sich die Tiere zum Schlafen zurückziehen könnten. Inzwischen hätten sich die Katzen deutlich erholt. „Jetzt sehen sie alle wieder gut aus.“

Tägliche Futterspende für Katzen in Doberlug-Kirchhain

Sabine Delloch spricht von einem weiteren Problemfall aus Doberlug-Kirchhain. Dort halte ein Mann mit psychischen Problemen mehrere Katzen. Diese seien durch Initiative des Tierschutzvereins inzwischen alle kastriert worden, damit sie sich nicht noch weiter vermehren.

„Da fährt unser Kollege auch jeden Tag hin, weil wir mitbekommen haben, dass der Besitzer seine Tiere nicht jeden Tag füttert.“ Manchmal bekämen die Katzen noch Reste vom Mittagessen des Besitzers aus einer Alu-Assiette. „Aber das ist doch kein Zustand für die Tiere“, so Sabine Delloch. Jetzt dürfen sich die Vierbeiner regelmäßig auf eine ordentliche Portion Katzenfutter freuen.

Ein Video zeigt die schöne Seite der Tierschutz-Arbeit

Doch ausgerechnet in diesem Fall, der Sabine Delloch emotional sehr bewegt, gibt es auch schöne Augenblicke. So berichtet die Tierschützerin von einem Video, das sie von ihrem Kollegen bekommen hat. „Darauf hat man gesehen, wie die Katzen schon angerannt kamen und unseren Mitarbeiter freudig begrüßt haben, als er aus dem Auto stieg.“ Der Fall zeige exemplarisch: Ohne die engagierten Mitstreiter wären viele Tiere sich selbst überlassen, erklärt Sabine Delloch.

Die Helfer des Tierschutzvereins Finsterwalde werden von den Katzen oft schon sehnsüchtig erwartet.

Roland Pöschk

Das Futter für derartige Hilfsaktionen stamme nicht selten aus Spenden. Entweder von anderen Tierheimen, die sich sehr gut gegenseitig unterstützen würden. Oder von Privatpersonen. Sabine Delloch: „Man muss ja sagen, trotz der hohen Kosten, die alle zu tragen haben, staune ich immer wieder, dass die Leute noch so viel übrig haben für die Tiere.“ Dafür gebühre ihnen ein großes Dankeschön.

Vermittlungssperre über den Jahreswechsel in Elbe-Elster

In den nächsten Tagen wird es für die Tierschützer etwas ruhiger zugehen. „Vermittlungen haben wir aktuell ausgesetzt, das machen wir schon seit einigen Jahren so“, sagt sie. Damit sollen unbedachte Weihnachtsgeschenke ausgeschlossen werden.

Wie geht es im nächsten Jahr für die Elbe-Elster-Tierschützer weiter? Auf jeden Fall hat sich Sabine Delloch ein Gespräch mit Finsterwaldes Bürgermeister Jörg Gampe vorgenommen. Beim letzten Kreistag des Jahres vor wenigen Tagen hatten sich beide in Falkenberg zum ersten Mal persönlich kennengelernt. Die Stadt unterstützt den Tierschutzverein ihren Angaben zufolge mit jährlich 500 Euro. „Vielleicht gelingt es uns ja, dass die Summe ein wenig erhöht wird“, sagt sie.