Auf einem Foto, das Sabine Delloch auf ihrem Handy gespeichert hat, schaut die kleine Maja noch ein wenig verschüchtert in die Kamera. Dabei grenzt es fast an ein Wunder, dass das Kätzchen überhaupt noch lebt. Denn Maja wurde, gerade einmal zehn Wochen alt, in einer Gartenanlage gefunden. Entkräftet lag sie da, neben ihren toten Geschwistern. Irgendjemand hatte die Kätzchen dort ausgesetzt, berichtet die Chefin des Tierschutzvereins Finsterwalde.
„Maja war voll mit Würmern und sehr krank“, so Sabine Delloch. „Die Kleine wurde vom Verein Senftenberg gesichert und kam dann auf die Pflegestelle unseres Finsterwalde Vereins.“ Mehr tot als lebendig sei sie da gewesen.
Doch die aufwendige Hilfe, die der kleinen Maja zuteilwurde, sollte Erfolg haben. „Alle zwei Stunden hat sie die Flasche bekommen, auch in der Nacht, das bedeutete Wecker stellen und aufstehen“, beschreibt Sabine Delloch die vergangenen Wochen.

Katze soll 2023 vermittelt werden

Inzwischen ist Maja 16 Wochen alt und könnte vermittelt werden. Anfang des nächsten Jahres möchte der Tierschutzverein ein neues Zuhause für Maja finden. Am liebsten wäre es ihr, so sagt Sabine Delloch, wenn sich ein Katzenfreund finden würde, der auch noch den kleinen Willy bei sich aufnimmt. „Die beiden sind wie zwei Geschwister. Es wäre schön, wenn man sie nicht trennen müsste“, betont sie.
Weil es in Finsterwalde kein Tierheim gibt, übernehmen die Tierschützer die Pflege von Fundtieren. „Wir arbeiten mit Pflegestellen, das sind Privatleute oder Vereinsmitglieder, die sich bei sich zu Hause um die Tiere kümmern“, erklärt Sabine Delloch.
Einen vollen Terminkalender hat Sabine Delloch, die Chefin des Finsterwalder Tierschutzvereins.
Einen vollen Terminkalender hat Sabine Delloch, die Chefin des Finsterwalder Tierschutzvereins.
© Foto: Henry Blumroth
Für die nächsten Monate rechnet die Tierschützerin damit, dass der Arbeitsaufwand noch ansteigen wird. „Es ist jetzt schon nicht einfach. Einige haben sich zu Corona-Zeiten mit viel Homeoffice-Zeit Tiere zugelegt. Jetzt merken sie, dass die Tiere stören“, erklärt Sabine Delloch. „Und mit der neuen Gebührenordnung für Tierärzte stören sie noch mehr.“

Abenteuerliche Ausreden der Tierhalter

So hat es der Tierschutzverein Finsterwalde mit zum Teil abenteuerlichen Ausreden zu tun, wenn sich Leute von Hund oder Katze trennen wollen. „Erst zuletzt meldete sich bei uns eine ältere Dame. Ihr Mann sei verstorben, er hatte zwei Katzen, um die sich nun jemand kümmern müsse, sagte sie. Auf unsere Frage, warum sie das nicht übernehme, haben wir als Antwort bekommen: Ich lehne das Erbe ab“, so Sabine Delloch.
In einem anderen Fall hätte eine junge Frau behauptet, dass der Nachbar verstorben sei und zwei Katzen versorgt werden müssten. „Bei solchen Begründungen weiß ich, dass es nicht die Katzen vom Nachbarn waren, sondern die eigenen. Die Leute erfinden mitunter die unmöglichsten Ausreden.“
In Doberlug-Kirchhain haben Tierschützer vor wenigen Tagen einen schwarzen Kater eingesammelt. Dieser sei wochenlang auf einem Supermarkt-Parkplatz gesehen worden. „Jetzt hat sich unsere Kollegin erbarmt und die Katze mit zum Tierarzt genommen. Wie sich herausstellte, ist das Tier ausgesetzt worden“, berichtet Sabine Delloch.

Kosten wachsen einigen Tierhaltern über den Kopf

„Es ist eine ganz traurige Zeit geworden“, ergänzt sie. „Früher gab es mal Einzelfälle, aber dann konnte man die Tiere auch schneller vermitteln.“ Heute würden die gestiegenen Kosten für Futter oder Tierarzt einigen Haltern über den Kopf wachsen. „Das ist das Traurige. Die Tiere, die am letzten Glied an der Kette hängen, bleiben auf der Strecke“, so die Chefin des Tierschutzvereins.
Willy soll nach dem Jahreswechsel in liebevolle Hände vermittelt werden. Am liebsten zusammen mit dem Kätzchen Maja.
Willy soll nach dem Jahreswechsel in liebevolle Hände vermittelt werden. Am liebsten zusammen mit dem Kätzchen Maja.
© Foto: Sabine Delloch
Doch es gibt auch Dinge, die ihr immer wieder neue Kraft geben und Mut machen. „Viele Bürger haben uns in der schwierigen Zeit mit Spenden unterstützt, da geht es um finanzielle Zuwendungen, aber auch um Futter, Decken, Hundeartikel“, so Sabine Delloch. Auf einen Aufruf eines Hundesalons, verbreitet unter der eigenen Kundschaft, hätten viele Leute reagiert und zum Teil nagelneue Hundedecken abgegeben.

Finsterwalder Verein sucht aktive Mitstreiter

74 Mitglieder zählt der Tierschutzverein Finsterwalde aktuell, ein Großteil davon sei aber passiv. Beim aktiven Kern handle es sich um eine Handvoll Mitstreiter. „Hier könnten wir noch gern Unterstützung gebrauchen“, so die Vereinschefin. Aber die ehrenamtliche Arbeit sei mit viel Freizeit verbunden. Gerade die Leute, die arbeiten gehen, könnten diese Zeit oft nicht aufbringen. „Ich bin jetzt Rentner, also dachte ich, jetzt kann ich ein bisschen ruhiger treten. Ich trete stattdessen doppelt so viel wie vorher“, erklärt Sabine Delloch.
Doch wenn dabei traurige Schicksale in ein glückliches Ende gewandelt werden können, wie bei der kleinen Maja, dann lohne sich dieser Aufwand allemal, sagt sie.