Brandenburg-Tag 2023 in Finsterwalde
: Erfolg oder Misserfolg? So lautet eine erste Bilanz

Zwei Tage lang war Finsterwalde die Hauptstadt des Landes Brandenburg. Mehr als 100.000 Besucher haben hier ein schwungvolles, fröhliches Fest gefeiert. Haben sich die monatelangen Vorbereitungen gelohnt?
Von
Sven Hering,
Frank Claus,
Jürgen Weser
Finsterwalde
Jetzt in der App anhören

Mehr als 100.000 Besucher zog es am Wochenende zum Brandenburg-Tag nach Finsterwalde.

VRS

Begeisternd und mitreißend – so hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke die beiden Festtage in Finsterwalde bezeichnet. „Die Stadt präsentierte sich großartig und sangesfreudig“, ergänzte er.

Brandenburg habe sich auf seinem Landesfest in seiner ganzen Vielfalt gezeigt – bodenständig und innovativ. „Die Aufbruchsstimmung und den Gestaltungswillen – all das konnte man in Finsterwalde erleben.“

Finsterwalder Bürgermeister dankt für Unterstützung

Bürgermeister Jörg Gampe war ebenfalls sehr zufrieden: „Wir sind froh und stolz, dass wir die vielfältigen Facetten unserer Stadt und des gesamten Landes mehr als 100.000 Gästen präsentieren durften“, sagte er. „Überall hat die Musik gespielt und dabei eine große Zahl an Melodien und Klängen zusammengebracht, die gemeinsam ganz wunderbar nach Sängerstadt und Brandenburg klingen.“ Er danke allen Unterstützern und Helfern, dass sie dieses Festwochenende ermöglicht hätten.

Auch am Sonntagnachmittag hatten sich noch einmal lange Schlangen, vor allem bei Getränken und Speisen gebildet. Die Finsterwalder Brandenburg-Tag-Besucher übten sich in Geduld. Die Gastronomen freuten sich über die Kundschaft. Doch wie lief für sie das Geschäft über das gesamte Wochenende?

Kassensturz bei Gastronomen steht noch aus

„Das werden wir sehen, wenn wir den Kassensturz gemacht haben“, sagte ein Finsterwalder Anbieter. Die Abrechnung stehe noch aus. Das große Geschäft – so eine Zwischenbilanz nach einigen Gesprächen am vergangenen Wochenende – werden viele nicht gemacht haben. Er sei froh, wenn am Ende eine Null stehe, erklärte zum Beispiel ein anderer Getränkeanbieter.

Zu Bestaunen gab es beim Brandenburg-Tag eine ganze Menge – auch für die Einheimischen.

VRS

Ein kleines Abenteuer war der Ausflug nach Finsterwalde für Richard Rau, Inhaber einer Craft-Brauerei aus Mölln in Schleswig-Holstein. „So weit südlich waren wir noch nie“, berichtete er. Seine mobile Brauerei mit den kupferfarbenen Kesseln und dem 30 Meter langen Tresen war ein echter Hingucker. Das zog offenbar besonders viele Gäste an. Das Böhmische Schwarzbier, so erzählt er, war am ersten Tag schon ausverkauft. Bei ihm brummte offenbar das Geschäft.

Damit sich die Kleinbrauer der Brandenburger Bierstraße und Direkterzeuger beim Brandenburg-Tag präsentieren konnten, waren sie vom Brandenburger Agrarmarketingverband pro agro finanziell unterstützt worden.

Viele Geschäfte blieben am Sonntag geschlossen

Die Möglichkeit, auch am Sonntag ihre Geschäfte zu öffnen, nutzten viele Finsterwalder Ladeninhaber hingegen nicht. Doch das war keine Überraschung, sondern schon im Vorfeld von ihnen angekündigt worden. Die Leute kämen zum Feiern in die Stadt und wollen nicht mit Einkaufstüten durch die Festbereiche schlendern, hieß es zur Begründung.

Die Stimmung in der Stadt war ausgelassen.

VRS

Beim Festempfang der Landesregierung zum Brandenburg-Tag wurde hingegen Lob in den höchsten Tönen gespendet. Kathrin Schneider als Chefin der Brandenburgischen Staatskanzlei hob besonders die „bemerkenswerte Arbeit des Organisationsteams in Finsterwalde“. Die Messlatte für den nächsten Brandenburg-Tag 2025 hängt hoch, nahm Perlebergs Bürgermeister Axel Schmidt mit nach Hause.

Vergleich mit dem Sängerfest

Einen Vergleich mit dem Sängerfest haben die Organisatoren im Vorfeld bewusst vermieden. Doch gerade für Finsterwalder drängt sich dieser förmlich auf. Jens Conrad (52) arbeitet beim Sängerfestverein mit, der beim Brandenburg-Tag mit einem Bierwagen und Souvenirstand präsent war, mit den Vorbereitungen aber nichts zu tun hatte. „Der Brandenburg-Tag ist perfekt organisiert, die haben auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten“, sagte er. Von der Fläche sei das Fest etwa doppelt so groß wie das Sängerfest. Was die Besucher betrifft, halte es sich die Waage, so seine Einschätzung. „Für uns als Sängerfestverein ist es gut, weil wir vergleichen und uns Anregungen holen können. Was können wir selbst zukünftig ändern und verbessern?“

Aus Sicht der Polizei lief der Brandenburg-Tag völlig unproblematisch ab. Das erklärte Polizeisprecherin Ines Filohn. „Es war ein friedliches und sehr ruhiges Fest.“ Die Ordnungshüter hatten an beiden Tagen Präsenz auf dem Festgelände gezeigt.

Versteigerung bringt 5000 Euro

Ein voller Erfolg war das Landesfest für die Tafel und das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser. Im Rahmen des Brandenburg-Tages waren in der Sparkasse Elbe-Elster Protokollgeschenke, die die Landesregierung in den vergangenen Jahren erhalten hatte, versteigert worden. Die Versteigerung zog viele Interessierte an. Der Erlös aus der Versteigerung von rund 5000 Euro geht an die beiden Vereine.