Hund bei Plessa
: Herzlos – Welpe am Baum angebunden und zurückgelassen

Das Schicksal vom ausgesetzten „Mops Manfred“ hat die Gemüter bewegt. Ein Jahr später gibt es einen gleichen Vorfall. Ein Welpe wurde bei Plessa einfach an einem Baum angebunden.
Von
Frank Claus
Plessa
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Ein Staffordshire-Terrier-Welpe ist am Ortsausgang von Plessa in Richtung Lauchammer gefunden worden. Er ist wie schon "Mops Manfred" am Baum angebunden zurückgelassen worden.

Ein Staffordshire-Terrier-Welpe ist am Ortsausgang von Plessa in Richtung Lauchammer gefunden worden. Er ist wie schon „Mops Manfred“ am Baum angebunden zurückgelassen worden.

Amt Plessa/G. Schrey

Er sitzt da wie ein Häufchen Unglück im Eingangsbereich des Plessaer Amtsgebäudes. Und kann trotzdem glücklich sein. Er wurde nämlich am Donnerstag (4. Juli), vermutlich sogar sehr schnell, nachdem er ausgesetzt wurde, gefunden. Er ist ein Staffordshire Terrier, ein drei bis vier Monate alter Welpe. Er war an einem Baum angebunden. Unweit hinter dem Ortsausgang Plessa in Richtung Lauchhammer in einem Seitenweg der B169.

Gegen 7 Uhr, so berichtet Julia Steglich aus dem Ordnungsamt des Amtes Plessa, sei die Polizei von einem Anrufer, der im besagten Seitenweg seine Notdurft verrichtete, informiert worden. Die Polizisten seien zum Fundort gefahren und hätten den kleinen Racker zuerst mit auf die Wache genommen und kurz nach Dienstbeginn im Amt nach Plessa gebracht. Denn in solchen Sachen sei das Amt zuständig.

Welpe bei Plessa ausgesetzt – die Kraft der sozialen Medien

Was dann passiert, macht auch Amtsdirektor Göran Schrey sprachlos. „Wir haben in unserem Instagram-Kanal aufgefordert, uns Hinweise zum Besitzer des Tieres zu geben. Danach haben sich die Reaktionen unter dem Eintrag überschlagen und die Telefone sind fast explodiert“, berichtet er. Viele Interessenten hätten erklärt, das Tier sofort übernehmen zu wollen. Göran Schrey glaubt, dass dies vor allem auch auf die traurig blickenden Augen des Hundes zurückzuführen sein könnte.

„Da sieht man mal die Kraft der sozialen Medien und von Bildern“, sagt er und ist auch betroffen: „Da wird sich scheinbar ganz schnell entschieden, einen Hund aufzunehmen. Ob er ins Familiengefüge passt, ob die Haltungsbedingungen stimmen, welcher Aufwand und welche Kosten entstehen – ich glaube nicht, dass die Interessenten bei solchen Blitzreaktionen das alles schon durchdacht haben.“

Göran Schrey, Amtsdirektor des Amtes Plessa.

Göran Schrey, Amtsdirektor des Amtes Plessa.

Göran Schrey, Amtsdirektor des Amtes Plessa. Zum zweiten Mal müssen sich seine Mitarbeiter um einen an einen Baum angebundenen, ausgesetzten Hund kümmern.

Manfred Feller

Gleiche Reaktionen habe es übrigens im Meißner Tierheim „aktion tier“ gegeben, mit dem das Amt Plessa einen Vertrag hat. Weil im Instagram-Kanal des Amtes Plessa zunächst nur geschrieben wurde, dass der Hund einem Meißner Tierheim übergeben wurde, hätten Interessenten in Meißen und Umgebung gleich bei mehreren Tierheimen Sturm geklingelt. „Und eben auch bei uns“, berichtet Katrin Aßmann vom Vorstand des Plessaer Vertragstierheimes in Meißen. Später hat das Amt Plessa den Hinweis auf das Tierheim bei Instagram gelöscht.

Erinnerungen an „Mops Manfred“ sind wieder da

„Wir vermitteln in solchen Fällen generell keine Tiere“, sagt Göran Schrey, „dazu gibt es die Fachleute in den Tierheimen.“ Er erinnert an den Fall von „Mops Manfred“ fast genau vor einem Jahr. „Ich habe das Gefühl, die Tiere werden immer vor Urlaubsfahrten ausgesetzt, weil die Inhaber nicht wissen, wohin mit ihnen und sie die Kosten für eine Hundepension sparen wollen.“

Der etwa achtjährige „Mops Manfred“ war zwischen Plessa und Plessa-Süd von einem Spaziergänger gefunden worden. Dessen Hund hatte angeschlagen und sein Herrchen zum Artgenossen geführt. Der Fundort befand sich abseits eines Feldweges nicht einsehbar im Unterholz. „Der Hund wäre dort jämmerlich verreckt“, sagt der Amtsdirektor, der den Hund als Diensthabender am Wochenende zunächst mit sich nach Hause nahm.

Der gerettete Mischlingsrüde wird als sehr umgänglich charakterisiert.

Der gerettete Mischlingsrüde wird als sehr umgänglich charakterisiert.

Mops Manfred – zunächst hatte ihn Plessas Amtsdirektor übers Wochenende aufgenommen.

Göran Schrey

Das Tierheim hatte auch ihn übernommen, konnte ihn sogar vermitteln, bekam ihn aber wieder zurück. Der kleine Mopsmischling schnappte nach Füßen, die in seine Nähe kamen und reagierte aggressiv auf Hopfengetränke. Aufgrund seiner Reaktionen bei den Gasteltern vermutete Katrin Aßmann damals, dass der Mischling von einem Alkohol trinkenden Menschen geschlagen, aber vor allem bei jeder Gelegenheit getreten worden sei. „Und bei Bier und Bierflaschen sieht er rot“, sagte sie. Er habe sich auch nichts befehlen lassen.

Ausgesetzter Welpe bei Plessa ist ein genmanipuliertes Tier

Der kleine Staffordshire Terrier mit bläulicher Färbung, „damit ein genmanipuliertes Tier“, so Katrin Aßmann werde im Tierheim nun erst einmal begutachtet und „angeimpft“, wie sie sagt. Genmanipulierte Tiere können anfälliger für Krankheiten sein, müssen es aber nicht, erklärt die Mitarbeiterin. Erst nach geraumer Zeit kommen im Tierheim abgegebene Tiere auf die Online-Vermittlungsliste.

Bewerber müssen Formulare ausfüllen, ihre Eignung werde geprüft. „Sie dürfen nicht straffällig geworden sein“, nennt die Tierheim-Mitarbeiterin ein Kriterium. Zwar sei in Brandenburg seit dem 1. Juli die Rasseliste für Hunde abgeschafft worden – aufgeführt waren darin sogenannte Listenhunde, die als gefährlich galten – aber prüfe das Tierheim dennoch, ob ein vermittelter Hund artgerecht gehalten werden kann.

Dass Tiere ausgesetzt würden, komme immer wieder vor. Dabei sind die Strafen beim Aussetzen von Haustieren ziemlich hoch. Das Tierschutzgesetz, Absatz 3, regelt die Pflichten von Tierhaltern. Bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 25.000 Euro. Sollte ein Hund sogar verhungern, weil er an einen Baum angebunden wurde, sei der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt. Dann droht Haltern eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren.

Der American Staffordshire Terrier

Die Vorgänger des American Staffordshire Terriers wurden ehemals als Kampfhunde eingesetzt. Seriöse Züchter dieser Rasse legen seit jeher besonderen Wert auf gesunde Tiere mit einem einwandfreien Wesen. Die kräftigen Hunde benötigen eine konsequente und souveräne Führung, dann sind sie gutmütige und anhängliche Begleiter, die sich auch als Familienhunde eignen.

Gut sozialisierte und erzogene Hunde dieser Rasse sind gutmütig und ihrem Menschen gegenüber ausgesprochen anhänglich. Die aktiven Tiere erweisen sich in solchen Fällen als wunderbare Begleiter und Familienhunde, da sie eine sehr hohe Reizschwelle aufweisen und Kindern gegenüber absolut fürsorglich sind. Kinder sollten mit solchen kräftigen Hunden dennoch nie allein gelassen werden. Auf fremde Menschen reagieren sie in der Regel eher gleichgültig.

Quelle: Fressnapf