Hund in Cottbus: Nach Leidensweg – Dobermann-Hündin Dana hat Chance auf neues Zuhause

Dobermann-Hündin Dana lebt im Tierheim Cottbus und kann plötzlich unkompliziert vermittelt werden.
Luise MösleNeugierig schnuppert die Dobermann-Hündin Dana an jedem Grashalm und Busch. Fremde bedenkt sie mit einem kurzen freundlichen Blick, nur um sich dann wieder ihrer interessanten Fährte zuzuwenden.
Sich so frei in der Natur umschauen zu können, ist nicht selbstverständlich für die fünfjährige Hündin. Bis Anfang des Jahres 2023 lebte sie noch in einer zu kleinen Wohnung in Berlin – gemeinsam mit ihren acht Welpen und zwei anderen Hunden.
„Dana kam im Frühling 2023 aus einer Beschlagnahmung zu uns“, erzählt Jürgen Niche, Leiter des Hundeteams im Tierheim Cottbus. Und die damals vierjährige Hündin war nicht allein. Sie brachte acht Welpen mit. Gemeinsam mit ihnen und zwei ausgewachsenen Rüden hatte die junge Hündin in einer Wohnung in Berlin gelebt. Unter prekären Umständen.
Dobermann-Hündin aus dem Ausland
„Einer der beiden Rüden, ein Rottweiler, war wahrscheinlich der Vater der Welpen“, erzählt Niche. Trotz ihres jungen Alters muss die Hündin schon einiges erlebt haben, schätzt Niche. „Sie hat nicht das erste Mal Welpen gehabt, das hat man ihr angesehen.“
Wo Dana vor der Zeit in den beengten Verhältnissen in Berlin gelebt hat, kann der Hundepfleger nur mutmaßen. „Sie ist definitiv aus dem Ausland angeschafft worden. Der Chip, den sie hat, kommt nicht aus Deutschland.“
Auch ein Hinweis auf eine Herkunft außerhalb von Deutschland: Danas Ohren und Schwanz sind kupiert, also abgeschnitten. Gerade Dobermänner sollen ohne Ohren und Rute gefährlicher aussehen. Allerdings ist die Praxis in Deutschland bereits seit den 80er-Jahren für die Ohren und den 90er-Jahren am Schwanz verboten.

Dobermann-Hündin Dana beim Ausflug mit Jürgen Niche, Leiter des Hundeteams im Tierheim Cottbus.
Luise MösleBei Dana ist kein professioneller Tierarzt am Werk gewesen, sagt Niche. „Es sieht aus, als seien ihr die Ohren einfach mit einer Schere abgeschnitten worden“, vermutet der Hundepfleger und zeigt auf die schrägen Ohrstummel der Hündin.
Danas acht Welpen haben mittlerweile ein neues Zuhause gefunden, einige innerhalb Brandenburgs, andere außerhalb. Nun wartet nur noch Dana auf neue Besitzer. Dank der neuen Hundeverordnung wird es jetzt leichter, die Hündin zu vermitteln.
Rasseliste: Ursache für das Leid von Hund Dana?
Als Dobermann stand Dana bis Ende Juni 2024 auf der Liste zwei der brandenburgischen Hundehalterverordnung. Das heißt, dass sie nur unter strengen Auflagen für den neuen Besitzer ein neues Zuhause finden hätte können. Es galt: Hunde der Liste zwei müssen mit ihrem Halter bei der zuständigen Ordnungsbehörde nachweisen, dass sie ungefährlich sind.

Nach ausführlicher Schnuppertour macht Dobermann-Hündin Dana eine Pause im Schatten. Wie alle Dobermänner hätte auch Dana eigentlich Schlappohren. Die wurden ihr aber abgeschnitten.
Luise MösleFür Dana hieß das konkret: Eine Vermittlung wäre nur möglich gewesen, wenn die Interessenten vorher einen Kompetenztest abgelegt hätten, erklärt Niche. „Die Gutachten für den Wesenstest macht bei uns jemand von der Polizei“, beschreibt Niche weiter. „Der Gutachter kommt dann und macht einen Spaziergang mit dem Hund und den Interessenten. Dabei müssen verschiedene Alltagssituationen bewältigt werden, zum Beispiel an Fahrradfahrern vorbeigehen.“
Nicht nur deshalb ist Niche froh, dass das Land Brandenburg das Hundehaltergesetz angepasst hat. „Aus meiner Sicht hat diese Rasseliste keinen Sinn gemacht“, erklärt Niche. „Wie beißauffällig ein Hund ist, kann man nicht an der Rasse festmachen, das zeigen die Statistiken.“
Er hofft, dass mit der Abschaffung der Liste auch der illegale Handel mit den Listenhunden zurückgeht. Gerade über die Internetplattform Ebay sei durch das Verbot ein florierender Markt für illegale Hunderassen entstanden. „Wenn dann das Ordnungsamt mitbekam, dass ein Halter illegal einen Listenhund hält, dann wurde der, wie Dana, beschlagnahmt und landete im Tierheim“, erklärt Niche. Er hofft, dass Schicksale, wie das von Dana, durch die neue Verordnung in Zukunft seltener vorkommen.
Neue Hundehalterverordnung in Brandenburg – das ändert sich
Bis Ende Juni 2024 umfasste die Hundehalteverordnung Brandenburg eine Liste von Rassen, die als gefährlich eingestuft waren und deshalb nicht oder nur eingeschränkt gehalten werden durften.
Rassen der Liste eins durften nicht gehalten werden. Dazu zählten unter anderem American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier und Bullterrier.
Rassen der Liste zwei durften nur unter Auflagen gehalten werden. Dazu zählten unter anderem Dobermänner, Rottweiler und Bullmastiff.
Die neue Verordnung stuft Hunde nicht mehr aufgrund ihrer Rasse, sondern aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich ein, zum Beispiel nach einem Angriff auf einen Menschen.
Interessenten für Dana oder andere Hunde des Tierheims Cottbus können sich unter folgender Nummer melden: 0157-58 51 32 65.

