Hund in Cottbus: Schäferhund Richard hat seine Brille – endlich schmerzfrei sehen

Schäferhund Richard lebt im Tierheim Cottbus. Jetzt trägt er eine Brille.
Luise MösleFreudig springend und schwanzwedelnd begrüßt Richard den Tierpfleger Jürgen Niche in seinem Zwinger. Der 6-Jährige Schäferhund-Mix lebt im Tierheim in Cottbus und freut sich über jeden Ausgang. Geduldig lässt er sich von Niche sein Geschirr überstreifen.
Genauso bereitwillig lässt sich der Schäferhund seine neue Brille über die Schnauze ziehen. Und die ist alles andere als nur ein schickes Accsessoire. Vorsichtig schließt der Pfleger noch den Riemen hinter Richards Ohren und schon sitzt das neue Hilfsmittel – mit dem der Hund beim Toben in der Sonne endlich wieder schmerzfrei sehen kann.
Die Brille ist extra für Richard angefertigt worden. Dafür haben die Tierpfleger seinen Kopf vermessen und die Daten an eine Firma, die sich auf die Herstellung von Hundebrillen spezialisiert hat, geschickt.

Die Doogle: eine Brille für Hunde, dunkel verglast, mit UV-Schutz 400.
Luise MösleRichard leidet an einer für Schäferhunde typischen Augenerkrankung: der Keratitis. Das ist eine Entzündung an der Horn- oder Bindehaut, die unheilbar ist. Der Hund ist deshalb zeit seines Lebens auf Therapie angewiesen – und dazu gehören auch die abgedunkelten Gläser auf der Nase. Sie schützen Richards Augen vor UV-Licht.
Über Richards Krankheit, die Keratitis, ist bekannt, dass sich das Immungewebe am Auge plötzlich gegen die Hornhaut und die Bindehaut richtet und so eine Entzündung auslöst. Die UV-Strahlen der Sonne können diese Entzündung begünstigen. UV-Schutz 400 ist deshalb für Richards Augen angesagt – beim Gassigehen und wenn die Sonne zu stark durch das Blätterdach über seinem Zwinger sticht.
Schluss mit dem Schattendasein für Hund Richard
„Oft zieht er sich auch selber in seine Bude zurück, wenn die Sonne zu sehr knallt“, erzählt Niche. Er leitet den Hundebereich im Tierheim Cottbus und kennt den energiegeladenen Schäferhund seit Anfang des Jahres 2023. „Irgendwie muss er schon merken, dass das besser für ihn ist. Ob ihm das Auge in der Sonne wirklich wehtut, kann er uns ja leider nicht sagen.“

Im Schatten vor seiner Hütte fühlt sich Richard auch ohne Brille wohl.
Jürgen NicheDie Zeiten, in denen Richard die Sonne meiden musste, sind jetzt vorbei. Er trägt seine Brille anstandslos. „Wir haben ihm die Brille einfach aufgesetzt. Erst hat er den Kopf geschüttelt. Ist ja logisch, er wusste nicht direkt, was das soll. Aber dann hat er sie gleich akzeptiert“, erzählt Niche.
Auch draußen beim Spazierengehen fällt auf: Die Brille ist für Richard zur Selbstverständlichkeit geworden. Viel spannender findet er die vielen Gerüche am Wegrand und natürlich seinenTierpfleger. Nur manchmal schüttelt er noch kurz den Kopf.
Konsequente Behandlung hilft Hund Richard
Neben der Brille bekommt Richard Augentropfen gegen die Keratitis – dreimal täglich. Auch die akzeptiere er nach ein paar Kuscheleinheiten ohne Probleme, erzählt Niche. „Man setzt sich hin, er kuschelt sich ein, legt den Kopf auf den Schoß und dann kann man ihm die Tropfen ins Auge träufeln.“
Noch gibt es keine Interessenten für den aufgeweckten Schäferhund, bedauert der Pfleger. Dabei seien die Kosten für die Keratitis sehr überschaubar. „Und die Brille können die neuen Besitzer ja direkt von uns übernehmen.“
Richard hatte das Glück, dass seine Krankheit im Tierheim schnell erkannt wurde. „Wenn die Keratitis nicht behandelt wird, und die Entzündung sich ausbreitet, kann es im schlimmsten Fall dazu kommen, dass das Auge entfernt werden muss“, erklärt sein Pfleger.

Gassigehen mit Brille: Der Tierpfleger Jürgen Niche unterwegs mit Schäferhund Richard.
Luise MösleWird die Keratitis, wie bei Richard, früh erkannt und konsequent behandelt, kann sie gut in Schach gehalten werden. „Bei Richard ist die Krankheit erst im Anfangsstadium, da kann man auf jeden Fall noch gut behandeln“, bestätigt auch Niche.
Zurück vom Gassigehen, streift der Tierpfleger dem Schäferhund die Brille vorsichtig wieder von der Nase. Der schüttelt den Kopf und springt dann ausgelassen in das kleine Planschbecken in seinem Zwinger. „Baden gehen mit Brille ist natürlich auch kein Problem“, fügt Niche hinzu.
Keratitis: Was ist das?
Der medizinische Fachausdruck für die Augenkrankheit lautet Keratitis superficialis chronica oder auch Keratitis pigmentosa. Es handelt sich dabei um eine entzündliche Erkrankung der Horn- oder Bindehaut, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Man geht davon aus, dass dabei das Immunsystem am Auge überreagiert und die Zellen der Hornhaut oder der Bindehaut angreift. Grundsätzlich können alle Hunderassen betroffen sein. Besonders häufig kommt die Krankheit aber bei Deutschen Schäferhunden vor.
Kontakt zum Tierheim Cottbus: 0355 7296412
