Weihnachtsgänse sind trotz ihrer gestiegenen Preise in diesem Jahr offenbar ein begehrtes Gut. Wer fürs Fest noch eine Gans aus heimischen Gefilden auf dem Teller haben möchte, sollte sich sputen. Denn auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz gibt es nur noch wenige gefrostete Gänse im Hofladen. Bestellungen übers Internet oder Telefon können gar keine mehr angenommen werden, so Hofleiter Rainer Tosch. 400 Mastgänse waren hier im Oktober geschlachtet worden. „Wir hatten eine große Nachfrage, deshalb mussten wir unser Bestellportal schließen“, so Tosch. Offenbar zelebrierten die Menschen in diesem Jahr wieder größere Familienfeste, bei denen die Gans quasi als Geschenk auf den Tisch komme: „Denn die Leute haben auch größere Gänse verlangt.“
Und das trotz der gestiegenen Preise – denn auch der Biohof Auguste sah sich gezwungen, den Kilopreis auf 22 Euro zu erhöhen. Im Vorjahr hatte noch der Preis von 16 Euro gehalten werden können. „Es ging nicht anders, denn auch die Futter- und Personalkosten sind immens gestiegen“, so der Hofleiter. Die Tiere werden vom Brüten bis zum Schlachten in Kolkwitz aufgezogen. Auf dem Hof, der zur Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand gGmbh gehört, arbeiten Menschen mit Behinderung.

Welche einheimischen Alternativen es zur Weihnachtsgans gibt

Um die Kunden ausreichend bedienen zu können, habe der Hof seine Palette erweitert: mit Enten, Rindfleisch, Broiler und Bruderhähnen. „Gerade die Ente hat sich auch als Weihnachtsessen etabliert – davon haben wir noch ausreichend da.“ 400 Enten habe der Hof geschlachtet. Das Kilo koste ebenfalls 22 Euro.
Biohof-Mitarbeiterin Annette Schol mit einer tiefgefrorenen Gans. Auf der Tiefkühltruhe liegen Alternativen für die Festtage, die alle vom Biohof Auguste Kolkwitz stammen: neben der Gans, Ente, Broiler, Bruderhahn, Rinder-Rumpsteak und Rinderknacker (v.l.).
Biohof-Mitarbeiterin Annette Schol mit einer tiefgefrorenen Gans. Auf der Tiefkühltruhe liegen Alternativen für die Festtage, die alle vom Biohof Auguste Kolkwitz stammen: neben der Gans, Ente, Broiler, Bruderhahn, Rinder-Rumpsteak und Rinderknacker (v.l.).
© Foto: Michael Helbig
Auch die Bruderhähne – die männlichen Hühnerküken dürfen nicht mehr getötet werden – werden im Hofladen verkauft, bratfertig im Ganzen oder als Hälften. „Sie haben hier 90 Tage ein wunderbares Leben auf dem Biohof gehabt, dreimal so lange wie ein gewöhnliches Masthähnchen, und schmecken sehr gut“, sagt Annette Schol vom Hofladen.
Nur noch ein paar wenige Enten sind aktuell auf dem Biobauernhof von Anica Gullasch in Babow (Gemeinde Kolkwitz) zu holen. Die Gänse sind alle schon vorreserviert. 19 Euro kostet hier das Kilogramm. „Wir haben uns den Preisen anderer Anbieter angepasst. Eine Bio-Gans kann nicht günstiger sein als Tiere, die unter weniger guten Umständen aufwachsen und geschlachtet werden“, sagt die Landwirtin.

Wie sieht es auf dem Biobauernhof in Babow aus?

In dem mit dem Öko-Label „Bioland“ zertifizierten Bauernhof haben die 350 Gänse und Enten tagsüber freien Ausgang auf der großen Wiese, nur nachts kommen sie in den Stall. Die meisten Kunden von Anica Gullasch sind Stammkunden, die ihre Ware schon Monate im Voraus vorbuchen. „Dabei können sogar Wünsche geäußert werden: ob groß, klein, frisch, gefroren, männlich, weiblich oder nur Teilstücke wie Keulen oder Brust“, sagt sie. Nur braten muss der Kunde das Fleisch selbst. Noch vor einigen Jahren gab es einen Bratenservice in Zusammenarbeit mit dem Slawischen Hof in Eichow. Doch das sei heute nicht mehr möglich.
Ebenfalls ausverkauft sind die Gänse des Geflügelhofs Jämlitz von Heike Flieger, und das schon seit rund drei Wochen. Wer dennoch eine Gans aus Jämlitz möchte, kann es im Hofladen des Gutes Neu Sacro in Forst versuchen. „Noch haben wir einige Gänse da, die im Ganzen gekauft werden müssen“, so Objektmanagerin Sylvia Müller. Der Preis bewege sich um die 20 Euro pro Kilo. Diese können auch bestellt werden.

Was kosten die polnischen Gänse?

Da deutsche Weihnachtsgänse in diesem Jahr ein rares, aber vor allem teures Gut sind, weichen viele Kunden aufs polnische Federvieh aus. Die Preise schwanken angesichts unterschiedlicher Qualitäten sehr. Ein Forster Einwohner bezieht sie seit Jahren von einem gut bekannten Züchter aus Nieder Ullersdorf (Mirostowice Dolne) in der Woiwodschaft Lebus. „Sie war nicht billig“, sagt die Forster Hausfrau. Für knapp 100 Euro war das stattliche Exemplar eine echte „Liebhaber-Edition“: „Sie wurde extra für uns aufgezogen und wuchs auf dem Anwesen wie in einem Gänseparadies auf. Das ist uns wichtig!“
Am vergangenen Mittwoch suchte eine Kundin aus Forst auf dem Markt in Zasieki vergeblich nach einer Gans. Obwohl die Händlerin mit ihren Lieferanten telefonierte: Eine Gans war Fehlanzeige. Vorrätig waren Pekingenten für 28 Euro und frische Flugenten für 18 Euro je Stück. Auf der sicheren Seite ist, wer seine Weihnachtsgans in Forst, in der Bahnhofstraße im Geschäft für polnische Spezialitäten, bestellt. „Elf Euro je Kilogramm kostet sie bei uns“, so Inhaberin Jadwiga Olejnik.
Tobias Raak, Küchenleiter des Gutes Neu Sacro in Forst, mit einem Gänsegericht.
Tobias Raak, Küchenleiter des Gutes Neu Sacro in Forst, mit einem Gänsegericht.
© Foto: Marcel Laggai

Gänsetaxi und Gans to go

Wer die Gans nicht selbst zubereiten und sie trotzdem zu Hause essen möchte, kann sie auch bestellen: Beim Gut Neu Sacro in Forst gibt es das Gänsetaxi – allerdings nicht zu den Feiertagen. Am 25. und 26. Dezember gibt es die Gans to go, also zum Abholen auf dem Gut Neu Sacro bis jeweils elf Uhr. Noch könne laut Objektmanagerin Sylvia Müller vorbestellt werden, allerdings sei der 25. Dezember fast voll. Die Gans könne im Ganzen, aber auch nur Brust oder Keule bestellt werden. Eine Portion Gänsebraten mit Beilagen koste als Gans to go genauso viel wie im Restaurant, wo derzeit 28,50 Euro zu zahlen sind. Allerdings werde das vermutlich in den nächsten zwei Wochen noch etwas teurer, so Sylvia Müller, der Preis solle jedoch unter 30 Euro bleiben. Bei einer Bestellung im Gänsetaxi, die zu den anderen Tagen möglich ist, kommen noch die Transportkosten dazu, um Umkreis von Forst fünf Euro, bis Cottbus etwas mehr. Das Restaurant im Gut Neu Sacro ist seit Oktober zu den Feiertagen ausgebucht.