Fürst Pückler war nie ein Kostverächter – weder in der Liebe, noch bei Speisen. Dazu schätzte er „Wein im Munde“, Gesellschaft und Unterhaltung. „Er liebte es, interessante Gäste an seiner Tafel zu versammeln.“ Das erzählt Dr. Simone Neuhäuser. Sie ist in der Branitzer Stiftung für Sammlung, Bibliothek und Archiv verantwortlich. Sie weiß um manches Gelage und prominenten Gast, weil Pückler von 1854 bis zu seinem Tod im Jahr 1871 Tafelbücher führte. Darin verzeichnete er minutiös die Namen der Gäste sowie die servierten Speise- und Getränkefolgen.

Auch wenn selbst oft genug knapp bei Kasse, ließ der Fürst für seine Gäste vielgängige Menüs auffahren, wobei der Champagner stets reichlich floss. „Dabei ließ Pückler Köstlichkeiten auftischen, die in den fürstlichen Gewächshäusern und Nutzgärten gediehen“, sagt die Kunsthistorikerin und fügt an: „Im Frühjahr gab es Spargel und Erbsen, im Herbst Palmkohl und Schwarzwurzel.“ Jedes Menü war gekrönt von einem beeindruckenden Dessert.

Cottbus: Als die Hohenzollern in Branitz zu Gast waren

„Die Prominenz der Gäste war vermutlich der Auslöser, die Branitzer Tafelbücher zu beginnen“, erklärt Simone Neuhäuser. Der erste Eintrag lautet: „Jahr 1854 während der Abwesenheit des Herrn Fürsten, 5. August 1854, Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Herr Hauptmann von Heinze (Höchstdessen Adjutant) Vier Offiziere vom Generalstabe.“ Prinz Friedrich Wilhelm, der Sohn Wilhelms und Augustas und spätere 99-Tage-Kaiser, bildete den Auftakt des hochherrschaftlichen Defilees in Branitz.

Cottbus

Der preußischen König Friedrich Wilhelm IV. besuchte am 3. Oktober 1854 Schloss Branitz. „Weder Pückler, der in Köln weilte, noch sein Geheimsekretär Billy Masser, der in Carolath zur Jagd geladen war, konnten ihn empfangen“, berichtet die Historikerin. Der Besuch war jedoch geplant. Der König drückte seine Bewunderung „über die hohe Kunst“ aus, mit welcher Pückler es verstehe, diesen „unbedeutenden Lagen den Reiz schöner Gegenden, ja: öden traurigen Feldern liebliche Wohnlichkeit zu verleihen.“

1862: Wilhelm I. und Königin Augusta tafeln bei Fürst Pückler

Am 8. August 1862 verzeichnet bereits der dritte Band des Tafelbuches König Wilhelm I von Preußen als Gast. Er war zum Déjeuner dînatoire geladen, wie die Kunsthistorikerin sagt. Heute ist für diese Mahlzeit eher die englische Bezeichnung üblich geworden. Nach dem Brunch führte Fürst Pückler seinen hohen Besuch durch Schloss und Park.

Zwei Jahre später stattete König Wilhelms Gattin, Königin Augusta, dem Fürsten einen Besuch ab. Sie sollte die einzige Königin in Branitz bleiben. Das Mittagsmenü bestand aus zehn Gängen und wurde von zehn verschiedenen alkoholischen Getränken begleitet. „Der eigentliche Höhepunkt des Tafelvergnügens war das Dessert“, verrät Simone Neuhäuser. „Zum Nachtisch gab es durchsichtige, wie Edelsteine glitzernde und wie Burgen mit Zinnen und Türmen geformte Gelees, Bonbons, frische Früchte, Kompott und Konfitüren, kleines Gebäck, die berühmte Ananas aus dem fürstlichen Gewächshaus und kostbar geformtes Eis.“

Berliner Lieferanten lassen Branitzer Köche im Stich

Beim Besuch von Carl Alexander Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, dem jüngeren Bruder von Königin Augusta, ließen die Fischlieferanten aus Berlin die Branitzer Köche im Stich, die Seezunge bestellt hatten. Also disponierten sie um – auf Karpfen aus den eigenen Gewässern. Laut der Historikerin lieferte die Branitzer Küche einen Karpfen-Gaumenschmaus ab – à la Chambord mit Krebsen, Trüffeln, Hahnenkämmen, Champignons, Karpfenmilch und Kalbsbries, ergänzt von frischem Spargel.

Carl Eduard Petzold war seit 1852 Parkinspektor in Muskau und häufiger Gast in Branitz. „Fürst Pückler schätzte Eduard Petzold als ebenbürtigen Gesprächspartner, der sich seit seiner Lehrlingszeit in Muskau zu einem anerkannten Gartenkünstler entwickelt hatte.“ Für beide Männer waren die Treffen daher neben dem Genuss, vor allem anregende Arbeitsgespräche.

Cottbus: Bei Fürst Pückler aßen auch die Gärtner fein

Sehr selten nur gab es das Feinste vom Hirsch, den gebratenen Rücken. Aber wenn Hofgärtner Otto Kindermann den Fürsten in Branitz besuchte, um Neuigkeiten von Pücklers Park in Babelsberg mitbrachte, dann sollte auch Obergärtner Bleyer zuhören. „Zum fachlichen Austausch gab es Champagner Bouzy und glutroten Bordeaux, Austern, Artischocken, Steinbutt oder Gänseleber und den täglichen gesunden Salat“, sagt Simone Neuhäuser. Für die Gärtner gab es nur das Beste.

Prof. Dr. Karl Koch verewigte Pücklers Namen im Reich der Botanik, indem er eine Pflanze nach ihm benannte. „Er suchte stets nach seltenen Bäumen für seinen Park und kümmerte sich auch um sein kulinarisches Wohlergehen, indem er ihm Erfurter Brunnenkresse zusandte“, berichtet Simone Neuhäuser. Dafür durfte der Professor Pfingsten 1870 mit Frau und Tochter für vier Tage in Branitz weilen und an der fürstlichen Tafel den feinen Geschmack von Hamburger Hühnern genießen.

Fürst Pückler verschrieb sich Champagner als Medizin

Unter den Gästen an des Fürsten Tafel befanden sich natürlich auch die Cottbuser Hautevolee. Dazu zählten Politiker und Gemeindevertreter, wie der Amtsrat und spätere Oberamtsrat Hubert und Oberbürgermeister Leopold Jahr, aber auch der Kreisgerichtsdirektor und spätere Oberstaatsanwalt Hartmann oder der Kreisrichter und spätere Kreisgerichtsrat Albert Mann, genauso wie Vertreter der verschiedenen Kirchengemeinden. Dazu gesellten Ärzte, Apotheker, Kaufleute, Künstler und Lehrer.

Zu den drei Ärzten, die Fürst Pückler seit dem Jahr 1856 und bis zu seinem Tode betreuten, zählte Dr. Richter aus Cottbus. Die Historikerin erzählt: „Der Arzt sollte Pückler die Mittel verschreiben, die er selbst als geeignet vorschlug: Austern und Champagner.“ Bei einem eleganten Diner wurden dann auch beide „Medizinen“ gereicht.

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