Schluss, aus, vorbei. Zu Weihnachten hat sich die ARD von Commissario Brunetti getrennt – und damit auch Uwe Kockisch von seiner vielleicht bekanntesten Figur. Gleichzeitig verschwindet damit auch ein Teil des vielleicht berühmtesten Cottbusers von der Bildschirmfläche.

22-mal als italienischer Kommissar

Wobei – das Ende von Brunetti ist freilich nicht das Ende von Kockisch. Es wäre doch sehr vermessen, einen Schauspieler mit einer derart umfänglichen Filmografie auf diese eine berühmte Rolle zu reduzieren. Aber immerhin: 22-mal hat Uwe Kockisch in der Donna Leon-Reihe den introvertierten Kommissar aus Italien gegeben – deutlich länger als sein Vorgänger Joachim Król. Das soll mal jemand nachmachen.

Leseratten müssen sich übrigens nicht von dem Kommissar verabschieden. Im Mai, so kündigt der Verlag an, wird ein neuer Fall aus der Feder der US-amerikanischen Bestellerautorin Donna Leon erscheinen. Nur als Filmversion mit Uwe Kockisch wird es ihn nicht mehr geben.

Lange erfolgreich im deutschen Fernsehen

Kockisch ist zwar nicht der einzige berühmte Sohn der Lausitzmetropole, der einzige aber, der so lang so großen Erfolg im Fernsehen verbuchen kann. Polizeiruf, Tatort, Spreewaldkrimi, Weißensee – der 1944 in Cottbus geborene Schauspieler kann Rollen in so ziemlich allen Formaten vorweisen, die sich zu Erfolgsausstrahlungen mausern. Nicht schlecht für jemanden, der eigentlich Tagebaumaschinist werden sollte, 1961 sogar im Gefängnis landete, nachdem er versucht hatte, mit einem Kutter die DDR zu verlassen.

Vielleicht war das auch ein wichtiges Erlebnis – dann zumindest, wenn es um seine spätere Schauspielkarriere ging. Nach der Haft brauchte Kockisch Arbeit, fand Hilfe beim Cottbuser Theater. Kockisch wurde Nachtpförtner, dann wurde er zum Statisten. Eine Bewerbung an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch – immerhin eine der renommiertesten im Land – scheiterte. Eine zweite war erfolgreich. Kockisch wurde Schauspieler und ist bis heute eins der bekanntesten Gesichter im deutschen Film – und das, obwohl er einen großen Teil seiner Karriere eigentlich vielmehr als Italiener verbracht hat. Brunetti eben.

Kockisch hat viel gemeinsam mit Brunetti

Mit Letzterem – so viel ist bis heute bekannt über Kockisch – hat sein Darsteller sogar einige Gemeinsamkeiten. Kockisch lässt lieber die Rollen, die er verkörpert, für sich sprechen, gibt selten Interviews, erscheint selten auf Galas und Partys, auf denen sich viele seiner Schauspielkollegen die Klinke in die Hand geben und vor den Kameras positionieren.

Nein, Kockisch, der in diesem Monat stolze 76 Jahre alt wird, ist eher ein ruhiger Zeitgenosse – im Film wie im Leben. Vor gut einem Jahr hat er der Rundschau in einem Interview erzählt, dass seine Bindung zu Cottbus immer noch vorhanden ist, auch wenn er bereits als junger Mann die Stadt verlassen hat. Er lese alles, was er über Cottbus finden könne. Von einem Bruder, der noch in Cottbus lebe, erfahre er Weiteres.

Seinen Lebensmittelpunkt hat er derweil in die Ferne verlegt. Kockisch hat sich in Madrid ein neues Zuhause aufgebaut. In Zukunft, so berichtet zumindest die Bild-Zeitung, will Kockisch den Wohnort wechseln und Venedig zu seinem neuen Hauptwohnsitz machen. Die Stadt, so sagte er der Zeitung in einem Interview, habe ihn in den vergangenen Jahren als Commissario Brunetti in ihren Bann gezogen.

Dass er seiner Heimatstadt dennoch treu bleibt, hat Kockisch unter anderem 2018 bewiesen, als er Jurymitglied beim Cottbuser Filmfestival war. Erstaunt hat er sich im Gespräch mit Rundschau-Redakteur Peter Blochwitz über die Qualität der Filme gezeigt. Als Cineast sei er „echt begeistert über die Qualität und die Vielfalt“ der Filme beim Festival. Kockisch schlug vor, noch mehr Preise als die vorgesehenen zu verleihen, sodass alle Filme, die einen Preis verdient hätten, auch einen bekommen könnten.

Das Theater als eine Cottbuser Perle

Zehn Jahre vor seiner Tätigkeit als Jurymitglied beim Filmfestival war er auch Uwe Kockisch, der dem Cottbuser Staatstheater zum 100. Geburtstag gratulierte. Schließlich, so bestätigte der Schauspieler noch einmal gegenüber der Rundschau, habe er dem Theater viel zu verdanken. Damals zeigte sich Kockisch begeistert von dem, was aus dem Großen Haus und dem Schillerpark geworden war, nachdem er nach einem einjährigen Engagement am Cottbuser Staatstheater die Bühne verlassen hatte. „Das Haus an sich ist ja schon `ne Perle, aber das Drumherum, der Theaterplatz, das ist ja eine Inszenierung“, schwärmte Kockisch damals gegenüber der LR.

Demnächst soll es ein Wiedersehen mit Uwe Kockisch in der ARD geben – zwar nicht als Kommissar in Venedig, aber in dem Fernsehfilm „Martha und Tommy“. Kockisch spielt darin einen Ex-Boxer und teilt sich den Bildschirm unter anderem mit Senta Berger. Ende Oktober des vergangenen Jahres waren die Dreharbeiten dafür gestartet.