Mit Hollywood hat dieser „Walk of Fame“ (Ruhmesweg) in Cottbus nichts zu tun. Es sind auch keine Sterne für Promi-Sternchen in den Gehweg eingelassen. Und dennoch gibt es ihn in der Lausitz-Metropole. Für Sportler. Wenn Johanna Melchior bei Stadtführungen mit Touristen aus aller Herren Länder fragt, worum es sich dabei handeln könnte, „wird in einer von zehn Gruppen auf Fußball getippt“.

Dafür könnte es zumindest einen Zusatzpunkt geben. Denn tatsächlich wird auf dem Weg des Ruhmes auch der einst im Cottbuser Stadtteil Sielow geborene Reinhard Lauck gewürdigt, der bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal mit der DDR-Auswahl Olympia-Gold gewann.

Idee zum Weg des Ruhmes hatte Deutsche Olympische Gesellschaft

Endgültig lüftet Johanna Melchior während ihrer Führung durch die Innenstadt das Geheimnis, wenn sie vom Altmarkt in die Berliner Straße zum historischen Rathaus kommt. Dann bietet sich den Touristen der Blick auf inzwischen 56 Gold-, Silber- und Bronze-Plaketten, die einen Durchmesser von 20 Zentimeter haben und in Platten auf dem Fußgängerweg eingelassen sind. Darauf sind Name, Sportart, Platzierung, Austragungsort und Jahr der Olympischen Spiele benannt, bei denen die Medaille gewonnen wurde. Die Idee zu dem Denkmal für Cottbuser Olympia-Medaillengewinner kommt von der Deutschen Olympischen Gesellschaft und ist 2006 umgesetzt worden.

„Die Idee spricht an“, gibt Pfarrerin Johanna Melchior, die seit zweieinhalb Jahren auch als Stadtführerin tätig ist, Eindrücke der Gäste wieder. Die hohe Anzahl der Plaketten löst zudem Erstaunen aus. Cottbus – eine Sportstadt Brandenburgs mit einstigem Sportclub, der 2008 zum Olympiastützpunkt mit Frankfurt (Oder) und Potsdam wurde. Alle Aktiven, die hier verewigt sind, müssen in Cottbus geboren oder für einen Verein der Stadt angetreten sein.

Christoph Harting ist der jüngste Stern auf dem Weg des Rumhes

Zuletzt waren dies 2016 der Diskuswerfer Christoph Harting sowie die paralympischen Athleten Martina Willing, Frances Herrmann, Jana Majunke und Alina Rosenberg. „Wenn ich erkläre, dass die Geschichte der Cottbuser Olympioniken von Gustav Schuft 1896 bis Christoph Harting 2016 reicht, dann verlangsamt sich oft das Schritttempo der Gruppe“, sagt die Stadtführerin. Jeder wolle einen bekannten Namen entdecken. So etwa den von Rosemarie Ackermann, die 1976 in Montreal Olympia-Gold im Hochsprung gewann und ein Jahr danach als erste Frau der Welt zwei Meter übersprang.

Solche Geschichten verbergen sich viele mehr auf dem Weg des Ruhmes: So dauert es 74 Jahre, bis nach Gustav Schuft in Athen (Gold im Riegenturnen am Barren und Reck) die Mittelstrecklerin Gunhild Hoffmeister (SC Cottbus) mit Silber und Bronze 1972 aus München zurückkehrte. In Moskau 1980 schürften die Radsportler Lutz Heßlich (Sprint) und Lothar Thoms (1000 Meter) sowie der Boxer Rudi Fink Gold. Eberhard Weise, der 1976 als Ersatzmann der 100-Meter-Sprintstaffel mit nach Montreal fährt, holt seine Olympiamedaille (Silber) 1984 in Sarajevo im Viererbob von Bernhard Lehmann, einem gebürtigen Großräschener.

Turner, Radsportler und viele mehr

Gleich drei Cottbuser Bahnrad-Verfolgern – Dirk Meier, Steffen Blochwitz und Roland Hennig –- gelingt 1988 der Sprung in den DDR-Vierer, der in Seoul zu Silber fährt. Bei den Turnern kommen Martina Jentsch, Dagmar Kersten und Ulrike Klotz mit Mannschaftssilber nach Hause. Und das Cottbuser Radsprint-Ass Lutz Heßlich bringt nach Moskau 1980 auch aus Südkorea – acht Jahre danach – Gold mit nach Cottbus.

Vier Jahre später läuft Stephan Freigang sensationell zu Marathon-Bronze in Barcelona. Und die erste paralympische Medaille sichert sich 1996 in Atlanta Gerd Franzka. Der sehbehinderte Leichtathlet holt Gold mit der 4mal 100-Meter-Staffel.

Wiege der Hartings stand in Cottbus

Die Wiege (auch die sportliche) der Diskus-Riesen Robert und Christoph Harting stand in Cottbus. Von ihnen steigt zuerst Robert 2012 in London auf das oberste Olympia-Treppchen. Dann folgt Christoph in Rio de Janeiro 2016 – sein Diskus fliegt im letzten Wurf zu Olympia-Gold.

Die Plakette von Christoph Harting ist die zunächst letzte auf dem Cottbuser „Weg des Ruhmes“. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hatte die Ehrung damals auch als eine Auszeichnung für die vielen Angehörigen, Trainer, Vereinsfunktionäre, Betreuer, Helfer und Sponsoren bezeichnet. „Diese Leistungen und die Einsatzbereitschaft über viele Jahre machen Cottbus stolz“, sagte das Stadtoberhaupt. Ein Cottbuser „Walk of Fame“, der nichts mit Hollywood, aber viel mit Identität und Alleinstellung einer Sportart Brandenburgs zu tun hat.