Regionalliga Nordost: Überflieger, Überraschung und Sorgenkind – die Bilanz zur Winterpause
Die Fußball-Regionalliga Nordost hat bis zum 19. Januar 2024 Winterpause. Dann geht die Jagd um den Titel und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga weiter. Schon zur Halbzeit zeichnet sich ab, dass einige Favoriten das große Ziel wohl nicht mehr erreichen können.
Dafür mischen Überraschungsmannschaften an der Tabellenspitze mit. Das ist die Halbzeit-Bilanz der höchsten Spielklasse im Nordostdeutschen Fußballverband NOFV.
Überflieger Greifswalder FC
Der Greifswalder FC überwintert als Tabellenführer und kann weitere Bestmarken verbuchen: Der GFC ist als einziges Team ungeschlagen, hat die meisten Treffer erzielt und die wenigsten Gegentore kassiert. Mit dem 2:0-Sieg beim Eilenburger FC fiel auch der Jahresabschluss positiv aus.
„Wir haben noch einmal das gemacht, was uns im gesamten Jahr 2023 ausgezeichnet hat, wir haben trotz der schwierigen Platzverhältnisse Vollgas gegeben und viel investiert“, erklärt Trainer Lars Fuchs. Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt in der vergangenen Saison ist Greifswald nun ein Anwärter auf den Aufstieg.
Erster Verfolger BFC Dynamo
Der BFC Dynamo ist als Tabellenzweiter der erste Verfolger von Tabellenführer Greifswald. Mit Rufat Dadashov (13 Tore) hat der BFC den besten Torschützen der Liga in seinen Reihen. Der Verein hat auch den überraschenden Trainerwechsel vom nach Aachen abgewanderten Heiner Backhaus hin zu Dirk Kunert gut verkraftet.
Kunert hat einen breiten Kader zur Verfügung, der auch die Leistungsdelle im November gut weggesteckt hat. „Wir sind jetzt oben dabei und wollen das auch am Ende sein“, sagt Kunert gegenüber dem rbb.
Titelverteidiger Energie Cottbus
Als Titelverteidiger ist Energie Cottbus der Gejagte und zur Winterpause doch selbst Jäger. Mit neun Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze steht der FCE auf Platz vier, hat aber zwei Spiele weniger absolviert als Spitzenreiter Greifswalder FC. Besonders stark zeigte sich die Mannschaft zwischen August und Oktober, neun Ligaspiele am Stück blieb man ungeschlagen, ehe die Luft ausging und nur noch ein Sieg aus fünf Spielen folgte.
Es gelte in der Winterpause gute Entscheidungen zu treffen und die Saison „hoffentlich mit dem großen Traum zu Ende zu bringen“, sagte FCE-Präsident Sebastian Lemke. Im Sommer 2023 war man daran in zwei Aufstiegsspielen gegen die SpVgg Unterhaching gescheitert.
Überraschungsteam Viktoria Berlin
Eine fast komplett neue Mannschaft musste Viktoria Berlin im Sommer zusammenstellen. Es war fraglich, wie stark der ehemalige Drittligist sein würde. Nachdem in der Generalprobe vor dem Ligastart nur ein mühsames 1:0 gegen Oberligist VfB Krieschow stand, hätte wohl niemand mit den Berlinern als Spitzenteam gerechnet.
Der 2:1-Heimsieg gegen Energie Cottbus zum Saisonauftakt ließ aber aufhorchen, insgesamt feierte die Viktoria in der Hinrunde acht Siege. In Sachen Effizienz ist der überraschende Tabellendritte meisterlich: Nur 23 Tore brauchte die Offensive rund um Rückkehrer Lucas Falcao, um 29 Punkte zu sammeln.
Spätstarter FC Carl Zeiss Jena
Nach fünf sieglosen Spielen zum Saisonauftakt fand sich Carl Zeiss Jena im Abstiegskampf wieder. „So eine Saison ist immer ein Marathon über 34 Spieltage, da wirst du immer eine Schwächephase haben, wir haben sie leider direkt zum Anfang bekommen“, erklärte Trainer René Klingbeil, als es wieder besser lief.
Nach dem Negativlauf feierten die Thüringer im Oktober und November vier Siege am Stück. Die Serie ungeschlagener Spiele dauerte zwischenzeitlich sieben Partien an. Zuletzt gab es mit den Heimniederlagen gegen Chemnitz (0:1) und Zwickau (2:5) aber wieder zwei Rückschläge bei der Aufholjagd.
Sorgenkind Lok Leipzig
In den zurückliegenden sechs Spielzeiten landete Lok Leipzig immer unter den besten sechs Teams der Regionalliga Nordost. Doch in dieser Saison sind die Sachsen ein Sorgenkind in der Regionalliga. Abstiegskampf ist angesagt: Mit erst vier Siegen steckt das Team von Trainer Almedin Civa im Tabellenkeller.
Der Stuhl des Cheftrainers wackelte im Herbst deshalb erheblich, er blieb aber im Amt. Kurz vor Weihnachten musste Civa allerdings seine Doppelfunktion abgeben. Der Ex-Cottbuser Toni Wachsmuth, der zuletzt dreieinhalb Jahre beim FSV Zwickau als Sportchef tätig war, übernimmt diese Aufgabe nun zu Jahresbeginn in Leipzig-Probstheida. Eine wichtige Personalentscheidung: Für Lok wird es darum gehen, den Kader zu verstärken. Er hat sich in der Breite bisher als nicht tauglich für den erhofften Titelkampf erwiesen.
Größte Enttäuschung Rot-Weiß Erfurt
In der Vorsaison waren die Thüringer als Aufsteiger der ärgste Konkurrent für Energie Cottbus im Titelkampf. Aus dem Überraschungsteam wurde nun die größte Enttäuschung der Hinrunde. Dabei hatte Trainer Fabian Gerber seine Mannschaft namhaft verstärkt. Der Ex-Cottbuser Maximilian Pronichev wurde inzwischen aber wieder aussortiert, auch der aus Cottbus gekommene Malcolm Badu überzeugte nicht vollends.
Nach der abschließenden 2:3-Niederlage bei Hansa Rostock II schimpfte Gerber: „Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben gedacht, es reicht mit ein bisschen weniger. Das funktioniert nicht in der Regionalliga.“ Er forderte von seinen Spielern für die Weihnachtstage: „Jeder Einzelne sollte sich hinterfragen, ob er wirklich alles investiert hat.“










