Update: Wir haben dieses Interview mit Erik Engelhardt am 5. Mai bei LR Online veröffentlicht. Am Montag (16. Mai) wurde sein neuer Verein bekanntgegeben. Erik Engelhardt wechselt von Energie Cottbus zum VfL Osnabrück in die 3. Liga.

Für die Fans des FC Energie Cottbus war es das Thema Nummer eins und deshalb viel diskutiert: Verlängert Torjäger Erik Engelhardt seinen Vertrag beim FCE und spielt damit auch in der kommenden Saison 2022/23 für Cottbus in der Fußball-Regionalliga Nordost? Oder verlässt er den FCE? Jetzt ist die Entscheidung gefallen!
Laut FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz hatte der Verein dem Angreifer für die mögliche Vertragsverlängerung ein Rekordangebot unterbreitet. Nun spricht der 24-Jährige exklusiv im Interview über seine Entscheidung, die Rolle von Trainer Wollitz und seinen Plan für die Zukunft.

Erik Engelhardt, Sie haben sich gegen das Vertragsangebot des FC Energie Cottbus entschieden und werden den Verein zum Saisonende verlassen. Was hat Sie dazu bewegt?

Man spielt Fußball, um das Größtmögliche anzustreben. Ich möchte jetzt den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen und in einer höheren Liga spielen. Es war keine Entscheidung gegen Energie Cottbus, sondern für die sportliche Perspektive.

Das heißt: Wäre Energie in dieser Saison aufgestiegen, dann wären Sie geblieben?

Na hundertprozentig, keine Frage. Ich fühle mich hier sehr wohl und weiß sehr zu schätzen, wie der Verein und die Fans mit mir umgehen. Ich habe hier das bisher schönste Jahr meiner Karriere erlebt. Meine Tochter wurde in dieser Zeit geboren, die Fans haben mich zum Energie-Fußballer des Jahres gewählt. Das bleibt für mich unvergessen.

Und dennoch gehen Sie ausgerechnet jetzt. Hat Ihnen Energie nicht genug Geld geboten?

Nein, mir wurde ein super Vertrag angeboten. Und das weiß ich auch sehr zu schätzen. Wer aber denkt, dass ich so eine Entscheidung vom Geld abhängig mache, der kennt mich schlecht. Klar spielt das eine Rolle, aber entscheidend ist, dass man als Fußball-Profi einfach genau die Karriereschritte abwägen muss. Wenn ich die sichere Variante gewählt hätte, wäre ich hiergeblieben. Aber ich will weiter vorankommen, es geht um das Sportliche.

Welche Ambitionen haben Sie denn?

Ich möchte eine Liga höhergehen und habe aber keine Lust, dann nur gegen den Abstieg zu spielen. Ganz ehrlich, die 3. Liga ist nicht das Ende meiner Pläne. Das soll nicht abgehoben klingen, aber als Fußballer hat man eben Ziele und auch Träume.

Wie hat Trainer Claus-Dieter Wollitz auf Ihre Absage reagiert?

Ich gebe zu, dass ich vor unserem Gespräch angespannt war und nicht wusste, wie er reagiert. Aber wir konnten dann sehr offen reden. Er hat eine andere Sicht auf die Dinge. Die akzeptiere ich, aber letztlich muss ich für mich und meine Familie entscheiden. Und mir war es auch wichtig, dass ich nicht pokere und Energie zappeln lasse. Deswegen habe ich mir diesen frühen Zeitpunkt der Entscheidung gesetzt – damit auch der FCE für die kommende Saison planen kann.

Wer hat Ihnen bei der Entscheidung zur Seite gestanden?

Ich habe mir vor allem von neutraler Seite einige Ratschläge geholt. Mein Berater hat natürlich einen wichtigen Anteil. Aber letztlich habe ich mit meiner Freundin im Kurzurlaub auf Rügen entschieden, wie es weitergehen soll. Es war gut, dass wir dort ein bisschen Abstand hatten. Es war keine einfache Entscheidung, die letzten Wochen waren echt schwierig. Gerade weil es ja aktuell der bisher schönste Moment meiner Karriere ist. Und ich bin auch nicht der Typ, der gerne umzieht. Aber jetzt ist es halt so.

Wo werden Sie kommende Saison spielen?

Natürlich gibt es schon Gespräche mit anderen Vereinen. Ich muss jetzt entscheiden, welchen Weg ich gehe. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Ich möchte im neuen Verein auch auf meine Spielzeit kommen, das muss ich mir natürlich wie in Cottbus wieder neu erarbeiten.

Das Stadion der Freundschaft hat eine besondere Wirkung auf viele Spieler. Welche Rolle spielen Stadion und Umfeld für Sie bei der Auswahl des neuen Arbeitgebers.

Eine sehr, sehr große. Ich habe bisher in Nürnberg, Rostock und Cottbus in Vereinen mit langer Tradition und großer Fanunterstützung gespielt. Das ist mir sehr wichtig. Und ich hätte es auch gern mal erlebt, wie es ist, wenn das Stadion der Freundschaft ausverkauft ist. Schon mit 5000 Zuschauern ist das ja eine überragende Atmosphäre, die ich nie vergessen werde.

Bei Energie haben sie sich innerhalb kurzer Zeit zum Publikumsliebling entwickelt. Haben Sie Sorge, dass es beim neuen Club anders läuft?

Nein. Es ist klar, dass ich mir alles neu erkämpfen muss. Aber die Zeit in Cottbus war sehr lehrreich für mich. Ich kam als No-Name, weil ich Rostock kaum gespielt habe und nicht im Fokus stand. Dann wurde mir hier aber von Beginn an der Rücken gestärkt, das hat mir extrem geholfen.

Welche Rolle hat Trainer Wollitz für Sie gespielt?

Eine entscheidende. Wenn man ihn nur aus den Medien kennt, dann denkt man, das ist ein „verrückter Vogel“. Aber ich kann sagen: das ist ein herzensguter Mensch. Als ich ihn zum ersten Mal in Cottbus getroffen habe, hat er mit mir ein echt gutes Gespräch geführt. Seine Aura macht viel aus, das war einer der Gründe, warum ich zu Energie gekommen bin.

Wie lief die tägliche Zusammenarbeit ab?

Der Trainer hat mir von Beginn an Mut zugesprochen und mir auch gesagt, was ich verbessern muss. Ich habe in diesem Jahr fußballerisch sehr viel gelernt. Aber das Menschliche war fast noch wichtiger.

Wie meinen Sie das?

Ich rechne dem Trainer vor allem seine Loyalität hoch an. Er hat uns Spieler nie im Stich gelassen und war vor allem auch in schweren Momenten immer an unserer Seite. Er ist wirklich ein top Mensch. Am Spielfeldrand schießt er vielleicht ab und an über das Ziel hinaus, aber ich würde ihn auf keinen Fall ändern wollen. Er soll auf jeden Fall so bleiben wie er ist, dieser Trainer ist extrem wichtig für Energie Cottbus.

Mit welchen Reaktionen der Fans rechnen Sie nun?

Das ist schwer zu sagen. Sicherlich werden sie enttäuscht sein. Ich hoffe aber, dass viele Fans auch Verständnis für meine Entscheidung haben oder sie zumindest respektieren. Ich habe immer alles für Energie Cottbus gegeben und mich nie hängen lassen. Ich bin mir sicher, dass der Verein einen guten Nachfolger finden wird. Und ich bin fest davon überzeugt, dass Energie Cottbus in naher Zukunft seine Erfolge feiern wird.

Laut Trainer Claus-Dieter Wollitz hat Energie Cottbus dem Angreifer ein Rekordangebot unterbreitet.
Laut Trainer Claus-Dieter Wollitz hat Energie Cottbus dem Angreifer ein Rekordangebot unterbreitet.
© Foto: Michael Taeger

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Die Tabelle der Regionalliga Nordost

Der Spielplan in der Regionalliga für Energie Cottbus

  • Hertha BSC II (A/8. Mai)
  • Chemie Leipzig (H/15. Mai)

So liefen die Punktspiele von Energie Cottbus

So liefen die Pokalspiele von Energie Cottbus

Das sind die Neuzugänge von Energie Cottbus

Das sind die Abgänge bei Energie Cottbus

  • Felix Brügmann (VSG Altglienicke)
  • Dominik Pelivan (Chemnitzer FC)
  • Florian Brügmann (Chemie Leipzig)
  • Tim Stawecki (Brandenburger SC Süd)
  • Felix Geisler (VfB Krieschow)
  • Rico Gladrow (Tennis Borussia Berlin)
  • Marcel Hoppe (Carl Zeiss Jena)
  • Mario Crnicki (Ziel unbekannt)
  • Adrian Jarosch (Union Fürstenwalde)
  • Iven Löffler (FC Lößnitz)
  • Nils Stettin (Sportfreunde Lotte)
  • Yannik Frick (Pont Donnaz Hone Arnadt/4. Liga Italien)
  • Patrick Storb (Heider SV)
  • Jeremy Postelt (Union Fürstenwalde)

Das waren die Testspiele von Energie Cottbus