Mehrere Clubs der Regionalliga Nordost haben die Unterstützung des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) zur Reform der Aufstiegsregelung in die 3. Liga eingefordert. Der NOFV soll den Antrag der Vereine auf Einberufung eines außerordentlichen DFB-Bundestages unterstützen, hieß es in einem offenen Brief. Dort soll über eine andere Aufstiegsregelung abgestimmt werden.
Zu den Unterstützern der Reform zählen neben dem FC Energie Cottbus der Chemnitzer FC, der FC Carl Zeiss Jena, der 1. FC Lok Leipzig und Chemie Leipzig sowie Rot-Weiß Erfurt. Sie haben dazu eine Petition ins Leben gerufen.

NOFV-Präsident Hermann Winkler im Interview

Das Präsidium des NOFV hatte in einer Sitzung am 14. Oktober beschlossen, den Antrag nicht zu unterstützen. Im Interview erklärt NOFV-Präsident Hermann Winkler die Hintergründe und stellt ein klärendes Gespräch in Aussicht.

Hermann Winkler, die Aufstiegsregelung zur 3. Liga bleibt das große Ärgernis im Fußball-Osten. Ostdeutsche Vereine haben eine Petition gestartet – weil sie vom Nordostdeutschen Fußballverband enttäuscht sind. Wie konnte es so weit kommen?

Wir stehen zu 100 Prozent auf der Seite der Vereine. Ich empfinde die Aufstiegsregelung als Ungerechtigkeit und Wettbewerbsverzerrung. Allein wenn man an die Kaderplanung oder die Sponsorengewinnung denkt – die Vereine aus den Staffeln mit direktem Aufstiegsrecht haben einen großen Vorteil. Wir kämpfen deshalb bereits seit Monaten für eine Änderung.

Ein konkreter Vorwurf im offenen Brief der Vereine: Der Verband lege die Hände in den Schoss und schaue zu, wie sich die seit 2019 bestehende Übergangsregelung manifestiere. Was haben Sie konkret für eine faire Aufstiegslösung getan?

Ich habe im April bei der Klausurtagung des DFB im Dortmunder Fußballmuseum gefordert, dass dieses Thema dringend in dieser Legislatur erneut auf die Tagesordnung müsse.

Und?

Ich wurde abgeschmettert. Mir wurde deutlich mitgeteilt, dass es von vielen Seiten kein Interesse an einer Veränderung gebe. Das war hart. Für mich war es das Zeichen, dass es aktuell nicht genügend Unterstützer gibt und wir weiter Lobby-Arbeit betreiben müssen.

Wie viele Unterstützer benötigen Sie, um eine Veränderung zu erreichen?

Sehr, sehr viele. Salopp gesagt ist das Stimmverhältnis im DFB-Bundestag aktuell 240 Stimmen West zu 22 Stimmen Ost.

Aktuell steigen die Meister der Regionalliga Südwest und West direkt auf – Nord, Bayern und Nordost müssen sich indes zwei Aufstiegsplätze teilen. Ist da eine gemeinsame Allianz möglich?

Selbst das würde noch nicht für eine Mehrheit im Bundestag reichen. Dafür ist der Westen einfach zu stark. Außerdem habe ich festgestellt, dass in Bayern und auch im Norden nicht alle Vereine eine Veränderung anstreben. Mein Eindruck ist, dass sich viele Clubs und Funktionäre mit der aktuellen Lösung abgefunden haben.

Gespräche mit dem Fußball-Landesverband Bayern

Das klingt hoffnungslos.

Naja, der Weg ist halt wirklich sehr weit. Aber wir wollen ihn gemeinsam mit unseren Vereinen gehen. Ich strebe jetzt Sondierungsgespräche mit dem neuen bayrischen Verbandspräsidenten Christoph Kern, um auszuloten, was mit ihm möglich ist.

Der Wunsch der ostdeutschen Vereine ist es, einen außerordentlichen DFB-Bundestag zur Neuregelung der Aufstiegsregelung einzuberufen. Sie sagen, dass das aktuell nicht zielführend sei. Warum nicht?

Stellen Sie sich vor: Wir beantragen jetzt im November einen außerodentlichen Bundestag. Laut Satzung müsste der innerhalb von neun Wochen einberufen werden – vermutlich in einer großen Messehalle in Frankfurt am Main. So einen Bundestag vorzubereiten, das kostet viel Kraft, Zeit und Geld – und das alles, während gerade die Fußball-WM läuft. Ich glaube nicht, dass dies realistisch ist. Ich befürchte zudem, dass wir es innerhalb dieser neun Wochen auch nicht schaffen, einen mehrheitsfähigen Vorschlag auszuarbeiten und gleichzeitig in Sondierungsgesprächen die Mehrheit dafür abzusichern. Vor dieser Niederlage möchte ich uns bewahren.

Also ist es ein politisches Problem – und kein inhaltliches?

Ich glaube schon, dass es möglich ist, einen sinnvollen Vorschlag zu erarbeiten.

Aufstockung der 3. Liga als Wunschlösung

Haben Sie eine konkrete Idee?

Meine Wunschlösung wäre es, die 3. Liga auf 22 Teams aufzustocken und dann fünf Aufstiegsplätze für die fünf Regionalligen zu haben. Das wäre vom Spielplan her machbar, gleichzeitig könnten durch die zusätzlichen Spiele mehr Einnahmen generiert werden.

Klingt doch gut.

Ja, aber vom Drittliga-Ausschuss und den Vereinen ist dafür keine Mehrheit in Sicht. Es besteht die Sorge, dass die Liga dadurch zu sehr verwässert werde und die Qualität sinke.

Eine andere Lösung wäre es, nur noch vier Regionalligen zu haben. Wären Sie bereit, die heilige Kuh „Regionalliga Nordost“ zu schlachten?

Wir sind ja keine sturen Funktionäre und wollen gern vernünftig über jede Lösung diskutieren. Aber denken Sie bitte auch an die wunderbaren Derbys, die wir im Nordosten haben. Energie Cottbus gegen Lok Leipzig, das ist schon was. Ob das so schön wäre, wenn Energie hoch in den Norden fahren müsste?

Die Vereine und der NOFV wirken aktuell mehr wie Gegner, denn als Verbündete. Wie kommen Sie wieder zueinander?

Ich führe ja schon viele Gespräche und hätte mir gewünscht, dass die Vereine auch auf mein Angebot eingehen. Nach der NOFV-Präsidiumssitzung habe ich gemerkt, dass die Stimmung mies ist. Also habe ich einen Brief an die Clubs versendet, in denen ich noch einmal Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Als Reaktion kamen die öffentliche Petition und die Vorwürfe gegen den Verband. Und dennoch bin ich optimistisch, uns verbindet viel mehr als uns trennt.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben alle Regionalliga-Vereine eingeladen. Am 9. November in Landsberg wollen wir die Wogen glätten. Ich weiß, dass die Vereine ungeduldig sind und für sie viel an dieser Entscheidung hängt. Aber Fakt ist auch: Wenn wir uns im Osten zerstreiten und gegenseitig beschädigen, freut sich im konkreten Streit um die Aufstiegsregelung nur einer – der Westen.

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Aufstiegsregelung zur 3. Liga – 2024 steigt der Nordosten-Meister auf

Aktuell steigen nur die Meister der Staffeln West und Südwest direkt in die 3. Liga auf. Der dritte Aufsteiger wird im Rotationsprinzip zwischen den Ligen Nord, Nordost und Bayern vergeben. Die verbleibenden zwei Meister spielen den vierten Aufsteiger in einer Relegation mit Hin- und Rückspiel aus.
In der Saison 2022/23 müssen die Meister der Regionalliga Nordost und Bayern gegeneinander antreten. Im kommenden Spieljahr 2023/24 steigt der Meister aus dem Nordosten direkt auf.