Störche in Kamenz: Storch trickst Stromversorger aus - Nest auf dem Strommast

Rebellischer Storch mag Strom: Ein Storchenpaar hat sich in einem Dorf bei Kamenz im Landkreis Bautzen im Nest auf einem Strommast niedergelassen.
Robert Michael/dpa- In Döbra bei Kamenz brütet ein Storch auf einem Niederspannungsmast – Partnerin ist da.
- Der Energieversorger setzte das Nest auf eine Nisthilfe um, doch der Vogel zog weiter.
- Sachsen Energie lässt das Paar nun brüten, da Störungen aktuell nicht erlaubt sind.
- Masten als Nistplätze sind verbreitet; im Kreis Bautzen gibt es 22 Storchenhorste auf Masten.
- Risiko besteht durch Kot und mögliche Brände, weitere Nisthilfen im Kreis sind geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein besonders hartnäckiger Storch im kleinen Kamenzer Ortsteil Döbra (Landkreis Bautzen) bereitet dem Energieversorger Sachsen Energie derzeit derbes Kopfzerbrechen. Bei Anwohnern hingegen sorgt der rebellische Vogel für Freude und Belustigung.
Das Tier, dem der Name „Gustav“ gegeben wurde, hatte einen Niederspannungsmast, an dem mehrere Freileitungen verlaufen, als idealen Ort für die Gründung einer Storchenfamilie auserkoren.
Energieversorger und Experten der Naturschutzbehörde hatten das Nest daraufhin zum Schutz von Tier und Stromleitungen auf eine sogenannte Nisthilfe, eine Art Mast mit kronenartiger Spitze, umgesetzt. Diese hat „Gustav“ aber verschmäht und sich kurzerhand den nächsten Strommast gesucht. Zuvor hatte „Tag24“ berichtet.
Storchenhorste auf Strommasten kommen häufiger vor
Mittlerweile hat der renitente Storch auch eine Partnerin gefunden, sodass der Familiengründung nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Das Tier solle nun dort bleiben, wo es jetzt ist, sagte Sachsen-Energie-Sprecherin Nora Weinhold. Da sie jetzt bereits brüteten, dürften die Störche nicht mehr gestört werden.
Dass Störche Masten besetzen, komme häufiger vor. Allein im Kreis Bautzen gebe es derzeit 22 Storchenhorste auf Strommasten, teilt der Energieversorger auf Anfrage mit. In jedem Fall wird einzeln entschieden, ob die Tiere gefahrlos auf den Anlagen bleiben könnten.
Nistplatz auf Mast kann für Störche gefährlich werden
Gefährlich sei der Nistplatz unter Umständen, weil der Vogelkot die Isolierung der Leitungen angreifen und es zu Störungen und Ausfällen im Netz kommen kann. Es bestehe zudem auch die Gefahr, dass die Tiere sich verletzen oder Nester in Brand geraten könnten, so die Sprecherin weiter. Neben Döbra hat Sachsen Energie daher nach eigenen Angaben im Kreis Bautzen in der aktuellen Brutsaison bereits drei weitere Masten mit Nisthilfen errichtet. Ein weiterer sei in Planung.
Sollte es zu Störungen an Gustavs auserkorenem Brutplatz kommen, müssten nun Experten und Expertinnen der Naturschutzbehörde Nest und Tiere zunächst umsiedeln, bevor der Energieversorger reagieren könne, so Weinhold. Der ehrenamtliche Nabu-Ornithologe Rolf Schulze erklärt, Störche hätten „ihren eigenen Kopf“ und nähmen angebotene Nisthilfen nicht immer an.
Beispiele, bei denen brütende Störche direkt durch Strommasten zu Schaden gekommen seien, kennt er aus seiner Region nördlich von Leipzig bislang nicht. Haben die Tiere einmal einen geeigneten Brutplatz gefunden, kehrten sie in der Regel Jahr für Jahr dorthin zurück. Die Brutzeit der Störche reicht nach seinen Angaben bis in den August, wenn die Jungtiere den Horst verlassen.

