Hochwasser in Brandenburg
: Weiter steigende Pegel für Elster und Elbe – so ist die Lage

UPDATE, 27. Dezember: Das Landesumweltamt Brandenburg hat die Alarmstufe 1 für je einen Pegel an der Schwarzen Elster und an der Pulsnitz ausgerufen. Das gilt auch für den Elbe-Pegel Mühlberg.
Von
Frank Claus
Bad Liebenwerda
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Die Schwarze Elster, hier bei Wahrenbrück, ist über die Ufer getreten. Der Zusammenfluss von Kleiner und Schwarzer Elster (obere Bildmitte) ist kaum noch zu erkennen.

Jens Berger

In Elbe-Elster hat Brandenburgs Landesumweltamt die Entwicklung der Wasserstände in Schwarzer Elster und Pulsnitz ab sofort besonders im Blick.

Die Stufe für den Wasserstandsmeldedienst ist teilweise erreicht. Brandenburg, so ist im Pegelportal nachzulesen, habe in den vergangenen Tagen unter Tiefdruckeinfluss mit sehr milder und feuchter Luft gestanden. Die erheblichen Niederschläge in den vergangenen Tagen (etwa 50 bis 60 Millimeter seit dem 19. Dezember) hätten zu steigenden Wasserständen an allen Pegeln geführt.

Die Pegel in Herzberg und Bad Liebenwerda

Im sächsischen Teil des Einzugsgebiets der Schwarzen Elster haben der Auswertung zufolge die Pegel teilweise den Richtwert der Alarmstufe II überschritten. Die Wasserstände an den Hochwassermeldepegeln in der Schwarzen Elster in Brandenburg haben demnach die Richtwerte der Alarmstufe I fast erreicht. Mit einem Überschreiten der Richtwerte der Alarmstufe I wird für die Pegel Ortrand und Herzberg gerechnet und mit sofortiger Wirkung die Alarmstufe I ausgerufen. Der festgelegte Warnstand der Stufe 1 in Herzberg (2,10 Meter) wurde am ersten Weihnachtsfeiertag um 20 Uhr mit 2,11 Meter überschritten; (Stand 27. Dezember, 8 Uhr: 2,41 Meter). Der höchste bekannte Wasserstand in Herzberg wurde am 30. September 2010 mit 3,69 Meter gemessen.

Unmittelbar am Gewerbegebiet Nord bei Bad Liebenwerda hat die Schwarze Elster ihr Flussbett bereits verlassen.

Jens Berger

Für die Pegel Bad Liebenwerda und Biehlen sind die Richtwerte der Alarmstufe I – für Bad Liebenwerda 2,30 Meter – erreicht werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden um 18 Uhr 2,02 Meter ermittelt; (Stand 27. Dezember, 8 Uhr: 2,35 Meter). Der höchste bekannte Wasserstand in Bad Liebenwerda wurde am 29. September 2010 mit 3,55 Meter gemessen. Der mittlere Wasserstand im Jahresverlauf liegt bei 79 Zentimetern.

Auch für die Elbe bei Mühlberg ist am ersten Weihnachtsfeiertag eine Hochwasserwarnung herausgegeben worden. Der Pegel betrug dort am zweiten Weihnachtsfeiertag, Stand 4 Uhr, 6,58 Meter. Am 27. Dezember, 8 Uhr, wurden 6,94 Meter gemessen. Das jährliche Mittelmaß liegt bei 2,52 Metern. Beim Jahrhunderthochwasser im August 2022 betrug der Pegel am 17. August den bislang höchsten gemessenen Stand von 9,98 Meter. Er war damit viermal höher als im Sommer.

Alarmstufe I: Wasserstandsmeldedienst ausgelöst

Im Bericht des Landesumweltamtes heißt es: „In den bewarnten Flussabschnitten sind Wasserstände im Bereich der Richtwerte der Alarmstufen I vorhanden. Es ist mit beginnender Überflutung von tiefer liegenden Auenbereichen und ufernahem Grünland zu rechnen.“ In den kommenden Tagen seien weitere, aber geringere Niederschläge vorhergesagt.

In Frankfurt (Oder) sieht es aktuell (27. Dezember) nicht danach aus, dass die Oder den für die Alarmstufe 1 nötigen Stand von 4,20 Meter erreicht. Laut Prognosen vom 27. Dezember steigt das Wasser zwar weiter, soll aber auch am 29. Dezember 2023 unter dem kritischen Wert bleiben. Es wird laut Pegelportal aktuell von 4,10 Meter ausgegangen.

In Eisenhüttenstadt könnte der Wert für Alarmstufe 1 am Freitag (29. Dezember) aber erreicht werden. Die dafür nötigen 4,75 Meter sind nicht unwahrscheinlich, geht aus den Daten des Pegelportals hervor. Es gibt bereits seit Weihnachten eine Hochwasserwarnung für den Bereich zwischen Ratzdorf und Eisenhüttenstadt.

In anderen Regionen Deutschlands ist die Hochwasser-Lage herausfordernder.

So ist die aktuelle Hochwasser-Lage in anderen Bundesländern

In manchen Hochwasser-Gebieten entspannt sich die Lage, in anderen stehen die kritischsten Momente erst noch bevor. So werden an der Elbe die höchsten Wasserstände der Hochwasserwelle für den Tagesverlauf des Mittwochs erwartet. Auch im südlichen Sachsen-Anhalt läuft der Kampf gegen das Hochwasser auf Hochtouren.

Der Klimawandel macht Extremwetterereignisse wahrscheinlicher. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf hatte Heiligabend auf X geschrieben: „Extremniederschläge nehmen durch die #Erderwärmung weltweit und auch bei uns zu. Davor warnen Klimaforscher seit über 30 Jahren; längst bestätigen das die Daten von Wetterstationen.“

Hier ein Überblick über betroffene Hochwasser-Regionen in Deutschland:

Sachsen

Das Hochwasser der Elbe in Dresden nähert sich weiter der zweithöchsten Alarmstufe drei. Vermutlich wird der dafür maßgebende Pegelstand von sechs Metern am Nachmittag erreicht. Am Mittwochmorgen wurden in Dresden 5,86 Meter gemessen, wie das Landeshochwasserzentrum in Dresden mitteilte. Die Stadt Dresden hatte aber schon vorab am Dienstagabend die Alarmstufe drei ausgerufen.

Ursprünglich war mit dem Erreichen der Sechs-Meter-Marke bereits am Morgen gerechnet worden. Es verzögere sich etwas, sagte die Sprecherin des Landeshochwasserzentrums, Karin Bernhardt. Der Anstieg des Wasserstandes sei von der Schneeschmelze im Riesengebirge abhängig. In Schöne an der tschechischen Grenze gilt mit einem Pegelstand von 6,28 Metern bereits Alarmstufe drei.

Laut Hochwasserzentrale gelten für alle Flüsse in Sachsen mit Ausnahme der Oberen Weißen Elster Hochwasserwarnstufen.

Sachsen-Anhalt

Um Magdeburg und umliegende Gemeinden vor Überflutungen zu schützen, wird das Pretziener Wehr gezogen. Es sorgt dafür, dass etwa ein Drittel des Elbewassers in einen 21 Kilometer langen Kanal um Magdeburg und Schönebeck herumgeleitet wird, ehe es wieder in den Fluss fließt. Das Wehr besteht aus 324 sogenannte Schützentafeln von jeweils 100 Kilogramm Gewicht. Mit der Öffnung werde am Donnerstag gegen 10.00 Uhr begonnen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft am Mittwoch mit. Damit kommt die wichtige Hochwasserschutzanlage erstmals seit zehn Jahren wieder zum Einsatz. Zuletzt war das Pretziener Wehr im Juni 2013 geöffnet worden.

Der Landkreis Mansfeld-Südharz erwartet keine deutliche Verschärfung der Hochwassersituation an der Helme. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass keine Ortslagen überflutet werden und damit auch keine weiteren Evakuierungen notwendig werden“, teilte der Landkreis am Mittwochvormittag mit.

Nach aktuellen Informationen des Landesamtes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) sei die Kapazitätsgrenze des Stausees Kelbra in der Nacht erreicht worden. Der Zufluss in den Stausee sei rückläufig, im Laufe des Mittwochs werde somit ein moderater Anstieg des Wasserstandes der Helme erwartet. Die höchste Alarmstufe vier bleibe bestehen.

Die Deichwachen von Freiwilliger Feuerwehr und LHW seien weiter im Einsatz. Für die kommenden Tage würden weiter hohe Wasserstände erwartet. Feuerwehren und Verwaltungen beobachteten die Lage, um gegebenenfalls weitere Vorbereitungen und Maßnahmen einzuleiten.

Thüringen

Mit sinkenden Pegelständen hat sich die Hochwasserlage in Thüringen deutlich entspannt. Das geht aus einem Lagebericht des Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz vom Mittwoch hervor. Die Pegelstände fielen allerorts, heißt es darin. Im überfluteten Windehausen in Nordthüringen berät ein Krisenstab, wie es in dem Ort weitergeht. Vor allem gehe es um die Frage, ob und wann die Menschen wieder in ihre Häuser könnten, sagte ein Sprecher. Windehausen im Landkreis Nordhausen wurde am ersten Weihnachtsfeiertag weitgehend geräumt, die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht. Nach Angaben des Sprechers gab es in dem Ort auch am Mittwochmorgen weiterhin keinen Strom.

Niedersachsen

Die Stadt Rinteln an der Weser hat die Evaluierung einer Straße wegen drohender Überschwemmung aufgehoben. Die Anwohner könnten seit Mittwochmorgen wieder in ihre Häuser, teilte die Stadtverwaltung mit. Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten die Straße in der Nacht zu Mittwoch gesichert und ein vom Land bereitgestelltes Hochwasserschutzsystem aufgebaut. Mehr als 100 Anwohner der betroffenen Straße waren am Dienstag evakuiert worden, weil ein Damm durchzuweichen drohte.

Tagelanger Dauerregen hat in weiten Teilen Niedersachsens über die Feiertage für eine angespannte Hochwasserlage gesorgt. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer und verwandelten die Umgebung in Seenlandschaften. Ministerpräsident Stephan Weil sagte am Dienstagabend: „Die Hochwasserlage in Niedersachsen ist landesweit sehr angespannt.“ Die Okertalsperre im Harz sei zu mehr als 100 Prozent gefüllt. Über den Überlauf der Staumauer werde mehr als doppelt so viel Wasser in die Oker abgegeben wie an normalen Tagen. Mit Entspannung rechnen die Behörden trotz nachlassenden Regens auch in den nächsten Tagen nicht.

Hessen

Auch in Hessen hat sich die Hochwasserlage abgemildert. „Mit einer allgemeinen Wetterberuhigung tritt heute allmählich auch eine leichte Entspannung der Hochwasserlage in Hessen ein“, teilte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Mittwoch mit. Tendenziell sind demnach vielerorts fallende Wasserstände zu verzeichnen. Hohe Pegelstände weisen der Behörde zufolge momentan noch Werra und Weser auf. Sie sollen bei nur langsam fallender Tendenz auch in den nächsten Tagen noch auf hohem Niveau bleiben. Insgesamt rechnet das HLNUG mit einer weiteren Entspannung der Lage. Zum Jahreswechsel würden allerdings wieder größere Niederschläge erwartet, die erneut zu einem Anstieg der Wasserstände führen könnten, hieß es.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz hat sich die Lage weiter entspannt. Derzeit gebe es keine Hochwassersituation mehr, sagte ein Sprecher des Hochwassermeldedienstes in Mainz am Mittwochmorgen. Lediglich am Rhein, an Lahn und Sieg seien die Stände noch oberhalb eines Hochwassers, das statistisch gesehen alle zwei Jahre auftritt. „Aber wir haben überall fallende Tendenzen.“ Möglicherweise könnte es zum neuen Jahr wieder einen Anstieg geben, es werde aber keine dramatische Lage erwartet.

Bayern und Baden-Württemberg

In Bayern waren Franken, die Oberpfalz und Niederbayern besonders vom Hochwasser betroffen. Überflutete Wiesen, Straßen und Parkplätze gehörten über die Feiertage zum Landschaftsbild in vielen Landkreisen. Neben den Sicherungsmaßnahmen rückten Einsatzkräfte auch zu Hilfseinsätzen aus. Zum Beispiel zu vollgelaufenen Kellern, aber auch zu einem Rentner, der mit seinem Auto mehrere Absperrungen ignorierte und ins Wasser fuhr. Seit Dienstag entspannt sich die Lage aber zusehends.

So auch an Neckar, Kocher und Jagst in Baden-Württemberg. Der Main bei Wertheim im Main-Tauber-Kreis könnte am Mittwoch noch seinen Pegel-Höhepunkt erreichen, Hochwasser-Gefahr besteht hier aber nicht.