Hochwasser in Brandenburg: Pegel steigen – Mühlberger Ruderer räumen ihr Bootshaus
Vorerst Entspannung in der Schwarzen Elster an den Pegeln bei Bad Liebenwerda und Herzberg, weiterer Anstieg an der Elbe bei Mühlberg erwartet. So lässt sich der Stand am Mittwoch, 27. Dezember, in der Mittagsstunde am besten beschreiben.
In Mühlberg steht das Bootshaus der Empor-Ruderer im Stadthafen seit dem Morgen wieder unter Wasser. Nicht zum ersten Mal. Die Tür zum tiefer liegenden ersten Bootslager ist bereits zu einem Viertel von Wasser überspült. Die Ruderer haben rechtzeitig reagiert. „Wir haben am zweiten Weihnachtsfeiertag unsere Mitglieder per Whatsapp zum Hochwassereinsatz gerufen“, berichtet Vereinschef Matthias Lohfink. Sofort seien etwa 20 Helfer angerückt. „Wir haben ein Großteil der Boote verladen und konnten sie bei einem Unternehmer in Mühlberg unterstellen“, berichtet der Vereinschef. Die schwereren Boote sind auf Bootsanlegern vor dem Bootshaus gesichert worden.
Die Lage in Sachsen wird aufmerksam verfolgt
Dabei haben die Mühlberger vor allem die Meldungen aus dem Hochwasserzentrum Sachsen verfolgt. Dort heißt es: Vom tschechischen Hydrometeorologischen Institut in Prag wird für den Pegel Ústí nad Labem für den 28. Dezember in den Morgenstunden der Hochwasserscheitel von 660 Zentimetern und einem Durchfluss von 1540 Kubikmetern pro Sekunde vorhergesagt.
An den sächsischen Elbepegeln Schöna und Dresden wird erwartet, dass sich am 28. Dezember ab dem Mittag und am Pegel Riesa am 29.12. ein langgestreckter Hochwasserscheitel im Bereich der Alarmstufe 3 ausbilden wird. Am Pegel Torgau werden sich die höchsten Wasserstände ab dem 29. Dezember im unteren Bereich der Alarmstufe 2 einstellen.
Am Pegel Mühlberg sind am 27. Dezember um 11 Uhr bereits 6,98 Meter gemessen worden. In Aufregung versetzt das die Elbestädter, die 2002 beim Jahrhunderthochwasser mit 9,98 Meter den bislang höchsten gemessenen Elbepegel erlebt haben, nicht. Dennoch: Ununterbrochen strömen Einwohner und Neugierige aus dem Umland in den Stadthafen und die Überfahrt direkt an der Lügenbank. Dort, wo auch das Hochwasserdenkmal steht. Die Lügenbank trägt ihren Namen, weil genau an jener Stelle so manche nicht ernst zu nehmende Geschichte ausgetauscht worden sein soll.

Werden die neu verlegten Spezial-Wasserbausteine an der Alten Elbe bei Mühlberg diesmal dem ansteigenden Wasserstand standhalten?
Frank ClausHalten die Verkalit-Bausteine diesmal?
Das Strandhaus ist schon nicht mehr zu erreichen. Die Zufahrt ist überspült. „Dort wohnt aber momentan niemand“, weiß ein Mühlberger. Mit Spannung wird erwartet, ob die Verkalit-Spezialbausteine, die im Zuge von Hochwasserschutz-Baumaßnahmen an der Böschung hinter der Breitscheidstraße verbaut wurden, diesmal dem steigenden Pegel standhalten. Im April dieses Jahres war nach heftigen Regenfällen das Deckwerk unterspült worden und eingebrochen. Eine Sanierung ist im November erfolgt. „Tagelang hat dort ein Lkw gestanden und irgendwelchen Stoff eingeblasen“, berichtet ein Mann. Das Landesumweltamt hatte die Maßnahme so beschrieben: „Die Sanierung wird durch die Injektion von stabilisierenden Stoffen unterhalb der Deckwerksteine erfolgen.“
Im Wasser- und Schifffahrtsamt in Mühlberg ist es ruhig. Zwei Mitarbeiter schauen trotzdem vorbei. Einer hat Urlaub, will aber trotzdem nachsehen, ob am Anleger alles in Ordnung ist. Mächtige Pappelstämme hat es angespült. „Die kommen von der gegenüberliegenden Seite, wo die Pappeln nach und nach kaputtgehen. Das Umweltamt will, dass sie liegenbleiben“, berichtet er. Auch an der Marina haben sich einige Stämme angesammelt.

Das Wasser in der Schwarzen Elster steigt. Die Elsterbrücke in Zeischa.
Frank ClausIn der Schwarzen Elster scheint sich die Lage vorerst zu entspannen. 2,34 Meter um 11 Uhr am Pegel Bad Liebenwerda (Alarmstufe II 2,60 Meter) und 2,43 Meter am Pegel Herzberg (Alarmstufe II 2,50 Meter) sind kein Grund zur Besorgnis, zumal vorerst der Niederschlag aufhören soll. Dennoch: Vor allem rund um Bad Liebenwerda und Wahrenbrück sind die Böden gesättigt und große Wasserflächen haben sich gebildet.

Rund um Bad Liebenwerda und Wahrenbrück stehen viele Felder unter Wasser.
Frank ClausGrundwasserdefizit noch nicht ausgeglichen
Ist der Wasserhaushalt also wieder im Lot? Auch wenn es im Allgemeinen in Deutschland im Jahr 2023 etwa 15 Prozent mehr geregnet hat, als in den Vorjahren, hat sich die Lage im Osten nur teilweise entspannt. Vor allem in Brandenburg, Sachsen und im Norden von Sachsen-Anhalt stiegen die Grundwasserstände, aber: Es habe aber noch nicht so viel geregnet, dass die Stände wieder auf Normalniveau seien. Ein Blick auf den Dürremonitor Deutschland des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigt, dass vor allem in Brandenburg auch im Dezember teilweise noch extreme bis außergewöhnliche Dürre im Gesamtboden bis etwa 1,8 Meter herrscht (die Märkische Allgemeine berichtete zuerst).






