Es war der spektakulärste Kunstraub der vergangenen Jahre. Im Herbst 2019 drangen Einbrecher in das Grüne Gewölbe – das Schatzkammermuseum – in Dresden ein und stahlen Schmuckstücke von unglaublichem Wert. Nun beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter.
  • Wie lief der Diebstahl im Grünen Gewölbe ab?
  • Was wurde genau in Dresden gestohlen?
  • Wo ist die Beute heute?
  • Was ist über die Angeklagten bislang bekannt?
  • Hier gibt es zum Prozessbeginn alle Infos zum Raub von Dresden:

Raub im Grünen Gewölbe: So lief der Diebstahl ab

Es war eine Angelegenheit von wenigen Minuten: Zwei Männer dringen am Morgen des 25. November 2019 ins Residenzschloss ein, schlagen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und reißen 21 Schmuckstücke heraus. Mehr als zwei Jahre liegt der spektakuläre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden schon zurück. Noch immer ist unklar, wie der Einbruch in das berühmte und bisher als „begehbarer Tresor“ geltende barocke Schatzkammermuseum möglich war. Es gibt den Verdacht, dass die Täter Insiderwissen hatten, und Vorwürfe, Wachpersonal habe mit Unterlagen zu Räumlichkeiten und Sicherheitssystem geholfen oder aktiv den Einbruch begünstigt. Den Tätern wird außerdem vorgeworfen, vor dem Einbruch einen Stromkasten in Schlossnähe sowie ein Fluchtauto in der Tiefgarage eines Wohnhauses in Brand gesetzt und damit den möglichen Tod von darüber schlafenden Menschen in Kauf genommen zu haben.
Die undatierten, am 25.11.2019 von der Polizeidirektion Dresden herausgegebenen Aufnahmen, zeigen gestohlene Schmuckstücke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden.
Die undatierten, am 25.11.2019 von der Polizeidirektion Dresden herausgegebenen Aufnahmen, zeigen gestohlene Schmuckstücke, die beim Juwelendiebstahl in Dresden entwendet wurden.
© Foto: Jürgen Karpinski/dpa

Diamanten und Brillanten – Was wurde genau in Dresden gestohlen?

Laut Anklage erbeuteten die Beschuldigten über 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtversicherungswert von mindestens 113,8 Millionen Euro – und verursachten Sachschäden von gut einer Million Euro. Die Beute waren einige der kostbarsten Stücke der Juwelensammlung des 18. Jahrhunderts aus dem Grünen Gewölbe. Dabei handelt es sich um prominente Kunstwerke der Diamantrosen- und Brillantgarnitur sowie des Brillantschmucks der Königinnen, etwa die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen.
Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden

Bildergalerie Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden

Wo ist die Beute heute?

Das kostbare Diebesgut aus dem Grünen Gewölbe in Dresden ist nach wie vor verschwunden. Eine Sonderkommission der Polizei sucht weiter nach den gestohlenen Schmuckstücken. In den Diamant- und Brillantgarnituren in der Vitrine sind Lücken gelassen für den Fall der Rückkehr. Prominente Fälle zeigten, dass Jahre vergehen könnten bis zur Aufklärung solcher Straftaten. Noch immer ist eine Belohnung von 500.000 Euro ausgesetzt, auch für Hinweise, die zum Auffinden der Beute führen. Auch die eine Million Euro von privaten Kunstfreunden in Berlin steht noch bereit. Die Initiative privater Kunstfreunde in Höhe von einer Million Euro für Hinweise, die zum Auffinden der entwendeten Schmuckstücke führen, wurde vorerst bis Ende März verlängert. Auch die von der Sonderkommission „Epaulette“ ausgesetzte Belohnung von 500.000 Euro stehe weiter zur Verfügung. Die Ermittler hoffen damit auch auf Tipps zum Verbleib der Beute.

Neue Hinweise: Sind die Juwelen im Ruhrgebiet?

Sind die Juwelen aus dem Grünen Gewölbe im Ruhrgebiet? Wie die „Bild“ nun berichtet könnte das sein: Die Zeitung meldetet am Sonntag (30. Januar), dass es eine Razzia im Ruhrgebiet gegeben hat, bei der es um die Juwelen in Dresden gehen könnte.

Wer ist wegen der Tat angeklagt?

Nach Überzeugung der Ermittler geht der Coup auf das Konto von Mitgliedern eines arabischstämmigen Berliner Clans, der auch im Zusammenhang mit dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin 2017 steht. Die bis zum Sommer 2021 nach und nach gefassten Verdächtigen sind drei Brüder und deren Cousins. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass die unmittelbar Tatbeteiligten angeklagt sind: wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.

Raub in Dresden: So ist der Prozess geplant

Der Prozess gegen sechs Beschuldigte am Landgericht Dresden beginnt am Freitag, 28. Januar 2022. Die Große Strafkammer verhandelt wegen des Alters zweier Angeklagter zur Tatzeit als Jugendkammer und im besonders gesicherten Saal des Oberlandesgerichts. Sie hat sich auf Monate eingestellt und bis Ende Oktober zunächst 64 Tage terminiert, Fortsetzung möglich. Auch die Zahl der Verfahrensbeteiligten macht den Prozess besonders: allein 14 Verteidiger – Anwälte aus Dresden, Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg –, drei Staatsanwälte, Dutzende Zeugen.
Im Verfahren um den Einbruch ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mehr Verdächtige als bislang bekannt. „Wir ermitteln gegen 40 weitere Beschuldigte, die nach unseren Erkenntnissen an der Tat beteiligt gewesen sind“, sagte der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt der „Welt am Sonntag“ (23. Januar). Dazu gehörten auch die vier Wachmänner, die den Diebstahl auf ihren Monitoren verfolgten. Bislang habe sich aber kein hinreichender oder gar dringender Tatverdacht konkretisiert, so Schmidt.

Eintritt, Öffnungszeiten, Service zum Grünen Gewölbe

Wer Lust hat, sich die Schätze des Grünen Gewölbes in Dresden einmal selbst anzusehen, findet hier die nötigen Infos: