Sachsen macht dicht und fährt das öffentliche Leben herunter. Nach der am Freitagabend vom Kabinett beschlossenen neuen Corona-Schutzverordnung bleiben von diesem Montag an Schulen, Kitas und Horte ebenso wie die meisten Geschäfte zu – bis zum 10. Januar. Damit will der Freistaat endlich der steigenden Infektionszahlen Herr werden. Am Mittwoch dann soll nach der Vereinbarung von Bund und Ländern vom Sonntag auch bundesweit der harte Lockdown beginnen, um die Pandemie einzudämmen - die sächsischen Regeln werden dann entsprechend angepasst.
„Die Zeit der Appelle ist vorbei“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach der Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. „Deutschland muss zur Ruhe kommen – nur so haben wir eine Chance, die Kontakte um das notwendige Maß zu reduzieren.“

Berlin

Sachsen ist Corona-Hotspot in Deutschland

Der Freistaat gilt bundesweit als Corona-Brennpunkt. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies am Sonntag einen Inzidenzwert von 348,7 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage aus. Innerhalb von 24 Stunden kamen 2020 neue bestätigte Fälle dazu, die Gesamtzahl stieg damit auf 84.245 seit Pandemie-Ausbruch im März (Stand: 13.12., 00.00 Uhr).
Daher gelten nun eine nächtliche Ausgangsbeschränkung, Maskenpflicht auch im öffentlichen Raum, wo Menschen sich begegnen – wie vor Einkaufszentren oder in Bahnhöfen – und ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Für Einkauf, Freizeit und Sport sollen die Menschen zudem im Umkreis von 15 Kilometern zum Wohnumfeld bleiben. Die Einhaltung der neuen Regeln soll stärker kontrolliert werden.

Weihnachten in Sachsen: Freistaat schränkt Besuch ein

„Wenn Freiwilligkeit nicht hilft, dann müssen härtere Maßnahmen ergriffen werden“, verteidigte Vize-Regierungschef Martin Dulig (SPD) in einem Interview mit dem Magazin „Cicero“ den Lockdown. „Wir müssen die Kontakte endlich auf ein Minimum reduzieren.“ Die Mehrheit der Bürger unterstütze das. Laut Dulig reichen wenige, „die unvernünftig und unverantwortlich sind, um die Mehrheit in Mitleidenschaft zu ziehen, die sich an die Regeln hält“. Das Virus mache keinen Unterschied, „es überträgt sich dort, wo Menschen miteinander in Kontakt sind“.
Nach wie vor dürfen sich im Freistaat fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, zu Weihnachten (24. bis 26. Dezember) dürfen vier weitere Personen aus den engsten Familien- oder Freundeskreis zum eigenen Haushalt hinzukommen – Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet teilte Köpping am Diestag mit. Zuvor galt in Sachsen, dass sich vom 23. bis 27. Dezember zehn Personen treffen dürften. Köpping empfahl, sämtliche Kontakte fünf bis sieben Tage vor dem Treffen auf ein Minimum zu beschränken. Sie riet auch dazu, die Personengrenze für ein Treffen möglichst nicht auszuschöpfen, vor allem, wenn Risikopatienten dabei seien. „Nicht alles, was möglich ist, muss auch gemacht werden.“

Köpping rät vom Böllern ab

Der Verkauf von Pyrotechnik ist verboten. Zwar dürfte bereits gekaufte Ware „abgeböllert“ werden, Köpping riet jedoch davon ab. „Jedes Jahr verletzten sich Menschen. Wir wollen eine weitere Belastung der Krankenhäuser vermeiden.“
Auch die Liste der Berufe für eine Notbetreuung wurde erweitert. Demnach wurden etwa Bestatter mit aufgenommen. Die Branche hatte in den vergangenen Tagen kritisiert, dass die Beschäftigten für ihre Kinder keine Notbetreuung in Anspruch nehmen konnten.
Versammlungen sind ab einem Inzidenzwert von 200 über fünf Tage mit 200 Teilnehmern erlaubt, ab einem Wert von 300 mit nur noch zehn.

Notbetreuung von Kindern wie im ersten Lockdown

Kitas und Schulen bleiben bis einschließlich 8. Januar 2021 zu. Für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen wird eine Notbetreuung angeboten – anders als im Frühjahr müssen das aber beide Eltern nachweisen. Bis zu den Weihnachtsferien (ab 19. Dezember) sowie in der ersten Januarwoche ist „häusliche Lernzeit“ angesagt. Geöffnet bleiben nur noch Lebensmittelgeschäfte und solche für den Grundbedarf wie Apotheken, Drogerien, Friseure, Optiker und Hörgeräte-Akustiker. Auch Weihnachtsbäume dürfen weiter verkauft werden, aber Baumärkte haben zu schließen.

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