Im Biedronka-Einkaufsmarkt an der Grenzstraße in Bad Muskaus Partnerstadt Łęknica (Lugknitz) ist trotz der frühen Stunde mitten in der Woche schon richtig was los. Doch das Gedränge ist nur zum Teil auf die Kaufinteressierten zurückzuführen. Der Markt platzt gefühlt aus allen Nähten, weil in jedem Gang mindestens ein bis zwei Warenträger stehen. Sie warten aufs Auspacken oder bleiben aus Platzmangel dort dauerhaft. Ein kuscheliges „Einkaufsvergnügen“.
Doch den deutschen Schnäppchenjägern ist das egal. So wie die Preise in Deutschland steigen, steigt gefühlt die Zahl der Einkaufstouristen jenseits der Neiße. Neben Tanken und dem Zigarettenkauf kommt Einkaufen, Essengehen und der Friseurbesuch beim Nachbarn immer mehr in Mode. Die Bad Muskauer können das an der Länge der Autoschlange auf der Ortsdurchfahrt abzählen. „Eine unhaltbare Situation“, sagt Bad Muskaus Bürgermeister Thomas Krahl (CDU) in der jüngsten Ratssitzung.

Paar aus Spremberg will Einkaufen in Polen testen

„Uns haben Bekannte vom Einkaufen hier in dem Markt berichtet. Wir wollten das auch einmal ausprobieren“, schildert eine junge Frau aus Spremberg. Anders als andere Besucher aus dem Nachbarland hantiert sie bei jeder Ware für den Korb mit dem Handy. „Einfach, um sich alles übersetzen zu lassen.“ Und vielleicht auch umzurechnen? Nicht unbedingt.
Dabei sollten die Schnäppchenjäger durchaus mal auf die Preise gucken, wenn sie einkaufen gehen. Doch spielt das überhaupt eine Rolle? Beim Rundgang über den Markt gibt es gegenüber der Rundschau ganz unterschiedliche Reaktionen. „Wir fahren die Woche einmal hier einkaufen“, schildert eine Familie, die am äußersten Ende von Bad Muskau wohnt. Doch die Hausfrau weiß, was sich lohnt und was nicht. „Da gucke ich schon genau hin.“

Was kostet Butter in Polen und Deutschland?

Einkaufstouristen, die von weiter her kommen, machen es nicht unbedingt bei allem am Preis fest. „Es ist mal ein anderer Geschmack. Wir wollen das einfach mal kosten“, bekommt die Rundschau zu hören.
Ein Beispiel ist die Butter. Die Masło in Polen und die Deutsche Markenbutter haben jeweils 82 Prozent Fettgehalt. Das Stück in Deutschland kostet im Netto 2,29 Euro (kein Sonderangebot). Das Stück in Polen 8,47 Złoty. Das entspricht nach dem aktuellen Umtauschkurs 1,80 Euro. Aber Achtung, das Stück Butter ist 50 Gramm leichter als das in Deutschland.
Doch es gibt auch andere Abpackungen: Die 300 Gramm Butter kostet umgerechnet 2,34 Euro. Gerade die Marke Masło ekstra osełka – die Rollenbutter – wird kiloweise mit nach Deutschland genommen, wie der Blick in viele Einkaufstüten verrät.

Bei Käseartur gibt es einen Karton voller Butter

Bei Käseartur – seit acht Jahren schon eine Institution auf dem Polenmarkt in Łeknica – kann man das Ganze sogar kistenweise mit nach Deutschland nehmen. Doch wer braucht auf einen Schlag einen Karton voll mit 50 Stück Butter. „Die Kinder sind arbeiten und da ist die Mutter wieder für die Versorgungsfragen zuständig“, erklärt eine Käuferin. Zudem brauche man in der Vorweihnachtszeit so manches Stück extra zum Backen.
Apropos Vorweihnachtszeit. Die Fleischerei auf dem „Bazar Manhattan“ kommt an einem normalen Wochentag schon kaum mit dem Bedienen hinterher. „Diese Weihnachten ist nicht normal“, sagt Besitzer Sebastian. Fleisch- und Wurstwaren werden kiloweise eingekauft. Besonders gefragt sind Enten – 25 Euro das Stück – oder Gänse für 9,90 Euro das Kilo. „Die kommen vom Bauern“, versichert der Fleischer. Mehr Zeit hat er nicht, Wurst muss geschnitten werden.
Hier Butter, dort Fleisch, gehen im Horex-Markt die Kartoffeln weg wie geschnitten Brot. 15 Kilo Knollen für 5,97 Euro. Sack für Sack wandert in den Kofferraum von Autos aus Elbe-Elster, Dresden, Cottbus, Pirna.... Am Wochenende kommen dann noch die Busreisenden hinzu. Dann ziehen ganze Karawanen mit Einkaufstrolleys aus Bad Muskau über die Grenzbrücke auf den Polenmarkt.

Preis ist der Hauptanreiz für die Tour nach Polen

Hauptanreiz zum Einkaufen nach Polen zu fahren, sind für 95,9 Prozent der Verbraucher die niedrigen Preise. Aber auch die Qualität der Produkte (28,6 Prozent) und die Auswahl (20,1 Prozent) locken die Verbraucher zum Einkauf nach Polen. Nahrungs- und Genussmittel stehen ganz oben auf dem Einkaufszettel. Tabakwaren, Lebensmittel, Obst und Gemüse sind typische Produkte, die von Deutschen in Polen nachgefragt werden.
Aber auch zahlreiche andere Produkte der mittlerweile vielfältigen Fachgeschäfte in Polen werden von deutschen Verbrauchern gekauft. Im Vergleich zu einer Studie von 1996 hat sich der Einkaufsort von offenen Märkten (1996: 74  Prozent, heute 48) hin zu Fachgeschäften (1996: 32,4 Prozent, heute: 60,8) verlagert, was die veränderte Angebotsstruktur in Polen widerspiegelt. (Quelle: info-polen.com)
In Polen liegt die Inflationsrate bei 16 Prozent. Das hat Folgen für den Einkauf. So sollen die Ladendiebstähle massiv zugenommen haben. In einem Kauflandmark in Świnoujście (Swinemüde) wird vermehrt Butter gestohlen, sodass diese nun eine Diebstahlsicherung erhalten hat, teilt das Redaktionsnetzwerk Deutschland mit. In den Einkaufsmärkten in Leknica sind solche Sicherungsmaßnahmen noch nicht erfolgt.
Übrigens hat sich der Preis für Butter in Polen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent erhöht.